João Viegas Carrascalão

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João Viegas Carrascalão (* 11. August 1945 auf der Fazenda Algarve, Leotala, Distrikt Liquiçá, Portugiesisch-Timor; † 18. Februar 2012 in Dili, Osttimor)[1] war ein osttimoresischer Politiker und Vorsitzender der União Democrática Timorense (UDT, Demokratische Union Timor). Zudem war er bis 2010 Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees von Osttimor.[2]

Leben[Bearbeiten]

Geboren wurde er 1945 als neuntes von 14 Kindern eines portugiesischen Exilanten und einer Einheimischen auf deren Fazenda Algarve bei Liquiçá. 1962 absolvierte er das Abitur am Gymnasium Dr. Francisco Machado in Dili. Während seine älteren Brüder in Portugal studierten, reichte das Geld für ein Studium für ihn nicht. Nach der Schule in Dili wurde er Seemann, machte aber kurze Zeit später in der portugiesischen Kolonie Angola einen Kurs als Landvermesser. Seinen Unteroffizierslehrgang in der portugiesischen Armee schloss João Carrascalão als Zweitbester ab, hinter dem späteren Widerstandskämpfer Nicolau Lobato.[3] Schließlich studierte er in St. Gallen in der Schweiz Photogrammetrie und Kartographie. Zurück in Portugiesisch-Timor leitete Carrascalão das Departamento de Geografia.[4]

Mit der Nelkenrevolution in Portugal 1975 kündigte sich für Osttimor die Unabhängigkeit an. Mit seinen Brüdern Manuel und Mário kehrte Carrascalão nach Osttimor zurück und gründete mit ihnen beiden die UDT, die erste politische Partei Osttimors. Die Partei befürwortete eine enge Bindung an die frühere Kolonialmacht Portugal oder wie sie in Tetum sagten: „mate bandera hum“ – im Schatten der portugiesischen Flagge. João Carrascalão befürwortete schon damals die Unabhängigkeit Osttimors. Schließlich unterstützte auch die UDT eine schrittweise Heranführung an die Unabhängigkeit. Am 11. August 1975 versuchte die UDT mit einem Putsch an die Macht zu kommen, doch die FRETILIN konnte sich in den Straßenkämpfen in Dili, bei denen auch Carrascalão mitkämpfte, durchsetzen. Doch nur wenige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung durch die FRETILIN besetzte Ende des Jahres Indonesien das Land.

Carrascalão ging mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern erst nach Portugal,[5] dann nach Australien ins Exil und schlug sich zuerst mit Hilfsarbeiterjobs durch. An der Universität von New South Wales erhielt er ein Ingenieurdiplom in Geometrik. Später bekam er eine Anstellung als Kartograf, während er sich weltweit politisch gegen die indonesische Besatzung engagierte, unter anderem unterstützt durch seinen Bruder Mário, der ihn von Osttimor aus mit Informationen versorgte. So war João Carrascalão auch Teil der osttimoresischen Delegation, die am 12. August 1988 vor dem UN-Komitee für Entkolonialisierung vorsprechen durfte.[6]

Im August 1999 konnten die Osttimoresen schließlich über ihre Unabhängigkeit abstimmen und entschieden sich mit großer Mehrheit dafür. Carrascalão gab seine Stimme noch in Australien ab und kehrte wenige Wochen danach nach Dili zurück. Milizen und indonesische Streitkräfte hatten ein Großteil des Landes zerstört, bevor eine UN-Eingreiftruppe die Macht übernahm. Carrascalão wurde von der UN-Verwaltung als Minister für Infrastruktur eingesetzt und koordinierte den Beginn des Wiederaufbaus Osttimors. Am 16. Juli 2001 trat er zurück, um die UDT in die anstehenden Parlamentswahlen führen zu können. Neuer Minister für Infrastruktur wurde Ovídio Amaral.[7]

Carrascalão war Vorsitzender der UDT. Zur Präsidentschaftswahl 2007 trat er als Kandidat an, schied aber bereits nach der ersten Runde am 9. April mit 1,72 % aus, dem geringsten Stimmenanteil. Bei den Parlamentswahlen am 30. Juni 2007 war Carrascalão auf Platz Eins der Parteiliste, die UDT scheiterte aber an der neuen Drei-Prozent-Hürde.

2009 wurde er von Staatspräsident José Ramos-Horta zum ersten Botschafter Osttimors in Südkorea ernannt. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod inne. Am Samstag, den 18. Februar 2012 verstarb João Carrascalão um 1:40 Uhr morgens überraschend an einem Herzinfarkt.[1] Er hatte Herzprobleme und Diabetes.[4]

Carrascalão war mit Rosa Maria, der Schwester von Staatspräsident José Ramos-Horta verheiratet. Das Paar hatte eine Tochter, einen Sohn und sechs Enkel.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b The Korea Herald: Heroic envoy to Korea dies in East Timor, 21. Februar 2012
  2. Turkish Press, 2. Juni 2008, Tiny East Timor faces huge hurdles on road to Beijing Olympics
  3. Biography of President Nicolau dos Reis Lobato, veröffentlicht von der FRETILIN
  4. a b Sapo.pt: Morreu dirigente histórico timorense João Carrascalão, 17. Februar 2012
  5. a b Hamish McDonald: Instigator of civil war later reconciled with his foes, Sydney Morning Herald, 9. März 2012
  6. The Special Committee on decolonization on the morning of 12 August considered the question of Gibraltar and East Timor.
  7. Vereinte Nationen: Three cabinet members step down to stand as candidates, 16. Juli 2001