Joachim Löw

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Jogi Löw

Joachim Löw im Juni 2011

Spielerinformationen
Voller Name Joachim Löw
Geburtstag 3. Februar 1960
Geburtsort Schönau im SchwarzwaldDeutschland
Größe 182 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
TuS Schönau 1896
FC Schönau
Sportfreunde Eintracht Freiburg
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1978–1980
1980–1981
1981–1982
1982–1984
1984–1985
1985–1989
1989–1992
1992–1994
1994–1995
SC Freiburg
VfB Stuttgart
Eintracht Frankfurt
SC Freiburg
Karlsruher SC
SC Freiburg
FC Schaffhausen
FC Winterthur
FC Frauenfeld
71 (18)
4 0(0)
24 0(5)
65 (25)
24 0(2)
116 (38)
Nationalmannschaft
0
1979–1980
Deutschland U-18
Deutschland U-21
1 0(0)
4 0(0)
Stationen als Trainer
1994
1994–1995
1995–1996
1996–1998
1998–1999
1999–2000
2000–2001
2001–2002
2003–2004
2004–2006
2006–
FC Winterthur Jugend
FC Frauenfeld (Spielertrainer)
VfB Stuttgart (Co-Trainer)
VfB Stuttgart
Fenerbahçe Istanbul
Karlsruher SC
Adanaspor
FC Tirol Innsbruck
FK Austria Wien
Deutschland (Co-Trainer)
Deutschland
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Joachim „Jogi“ Löw (* 3. Februar 1960 in Schönau im Schwarzwald, Landkreis Lörrach) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Fußballtrainer. Nachdem er verschiedene europäische Vereinsmannschaften trainiert hatte, wurde er 2004 Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann und 2006 dessen Nachfolger als Bundestrainer. Als Trainer gewann er unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft 2014.

Jugend[Bearbeiten]

Löw ist der älteste von vier Söhnen eines selbstständigen Ofensetzers.[1][2] Er verbrachte Kindheit und Jugend in seinem Geburtsort Schönau im badischen Schwarzwald. Nach der Grundschule besuchte er in Schönau das Gymnasium, das er im Juni 1977 mit der Mittleren Reife verließ. Danach schloss er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann ab. Zur selben Zeit war er Ministrant und spielte Fußball für den TuS Schönau 1896 und später für den FC Schönau, wo schon früh sein Talent erkannt wurde. Der nächste Schritt auf dem Weg zur Fußballprofikarriere war der Wechsel zu den Sportfreunden Eintracht Freiburg.

Spielerkarriere[Bearbeiten]

Löws Profikarriere begann 1978 beim SC Freiburg, der gerade in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen war. Zwei Jahre später, zur Saison 1980/81, wechselte er in die Bundesliga zum VfB Stuttgart, wo er jedoch kein Stammspieler wurde. Der Stürmer kam lediglich auf vier Spiele; dabei schoss er kein Tor. Nach nur einer Saison wechselte Löw zu Eintracht Frankfurt. Dort erzielte er in 24 Bundesliga-Spielen fünf Tore.

Im Juni 1982 nahm Löw ein Angebot des Zweitligisten SC Freiburg an, sodass er nun wieder bei seinem ersten Profiverein spielte. Der SC Freiburg hatte mit Werner Olk gerade einen neuen Trainer bekommen, der ebenso wie Löw zwei Spielzeiten in Freiburg tätig war. 1982/83 traf er acht Mal und absolvierte alle 34 Spiele. Im zweiten Jahr spielte Löw die beste Saison in seiner Karriere: Ihm gelangen in 31 Spielen 17 Tore in der Zweiten Bundesliga.

Nach dieser Saison wechselte Löw im Sommer 1984 zum Karlsruher SC, der in der 1. Bundesliga spielte. Wie schon bei seinen Stationen in Stuttgart und Frankfurt am Main konnte er sich dort aber nicht richtig durchsetzen. Er schoss nur zwei Tore bei seinen 24 Spielen; häufig wurde er nur eingewechselt. Nach dieser Spielzeit kehrte Löw erneut zum SC Freiburg zurück und spielte dort vier Jahre lang in der 2. Liga. Von 1985 bis 1989 absolvierte Löw 116 Spiele und erzielte dabei 38 Treffer. In den ersten beiden Spielzeiten wurde er jeweils in 37 Spielen eingesetzt, wo ihm 12 beziehungsweise 17 Tore gelangen, danach wurden seine Einsatzzeiten geringer und er schoss nur noch sieben beziehungsweise zwei Tore. Anschließend spielte Löw von 1989 bis 1992 in der Schweiz beim FC Schaffhausen und danach zwei Jahre beim FC Winterthur.

In 52 Bundesligaspielen erzielte er sieben Tore, hinzu kamen 252 Einsätze und 81 Tore in der 2. Bundesliga, die er für den SC Freiburg schoss. Damit ist er bis heute dessen Rekordtorschütze.[3] Außerdem kam Löw auf vier Einsätze bei der U-21-Nationalmannschaft.

Am 27. September 2010 wurde Löw zum sechsten Ehrenspielführer des SC Freiburg ernannt.

Karriere als Vereinstrainer[Bearbeiten]

Vereine in der Schweiz[Bearbeiten]

Als Trainer betreute Löw 1994 in der Schweiz die D-Jugend des FC Winterthur, bei dem er zur gleichen Zeit als Spieler in der Nationalliga B angestellt war. Nach seinem Wechsel zum drittklassigen FC Frauenfeld wurde Löw im Jahre 1994 Spielertrainer.

VfB Stuttgart[Bearbeiten]

Während seiner Zeit als Spielertrainer in Frauenfeld begann Löw 1994 eine Ausbildung als Fußballtrainer. Diese Ausbildung schloss er zunächst nicht ab. Grund dafür war ein Angebot von Rolf Fringer, der 1995 neuer Trainer des VfB Stuttgart geworden war und Joachim Löw als Co-Trainer haben wollte und bekam. Der Verein erreichte in der Saison 1995/96 mit Platz zehn nicht die erhoffte Teilnahme am UEFA-Pokal und Trainer Fringer nahm das Angebot an, Schweizer Nationaltrainer zu werden. Sein Nachfolger in Stuttgart wurde sein Assistenztrainer Löw – zunächst nur interimistisch – am 14. August 1996, vier Tage vor Beginn der neuen Saison. Nach sechs ungeschlagenen Spielen in Folge zu Beginn der Saison 1996/97 wurde Löw vom damaligen VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder am 21. September 1996 vom Interims- zum Cheftrainer befördert. Sein erstes Spiel als Cheftrainer verlor Löw jedoch gegen den Außenseiter Fortuna Düsseldorf.

Mit dem so genannten Magischen Dreieck um Krassimir Balakow, Giovane Élber und Fredi Bobič gewann der VfB Stuttgart mit Trainer Löw in der Saison 1996/97 durch einen 2:0-Sieg im Finale gegen Energie Cottbus den DFB-Pokal. Ein Jahr später stand der VfB im Finale des Europapokals der Pokalsieger, das er in Stockholm mit 0:1 gegen den FC Chelsea verlor. Neben dem Einzug ins Finale erreichte Löw mit dem VfB erneut den vierten Platz in der Bundesliga und damit die Qualifikation zum UEFA-Pokal. Trotzdem wurde Löw von Mayer-Vorfelder entlassen und durch Winfried Schäfer ersetzt.

Fenerbahçe Istanbul[Bearbeiten]

Löw wechselte am 1. Juli 1998 zur türkischen Fußballmannschaft Fenerbahçe Istanbul. Entstanden ist der Transfer durch seinen heutigen Berater und Manager Harun Arslan.[4] Nachdem er mit der Mannschaft den dritten Platz erreicht hatte, endete das Engagement am 29. Mai 1999 nach einer Saison. Löw war in der Spielzeit neben Meistertrainer Fatih Terim von Galatasaray Istanbul der einzige Trainer, der nicht vorzeitig entlassen worden war.

Karlsruher SC[Bearbeiten]

Anschließend trainierte Löw den deutschen Zweitligisten Karlsruher SC. Nach elf Jahren Zugehörigkeit zur Bundesliga war der Verein 1998 zum wiederholten Male abgestiegen. Mit dem Ziel des Wiederaufstiegs übernahm Löw am 25. Oktober 1999 das Traineramt von Rainer Ulrich. Nachdem Karlsruhe unter Löw jedoch nur eines von 18 Spielen hatte gewinnen können, wurde er noch vor Saisonende entlassen.

Adanaspor[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2000 erwarb Joachim Löw bei einem Sonderlehrgang des DFB die Fußball-Lehrerlizenz.[5][6] Nach einem halben Jahr Pause wurde Löw am 20. Dezember 2000 beim abstiegsbedrohten türkischen Erstligisten Adanaspor eingestellt. Da der mit Löw erhoffte Aufwärtstrend sich nicht einstellte und der Verein eine sehr unruhige Zeit durchlebte, trat Löw nach dem 22. Spieltag von seinem Amt zurück.[7] Die Mannschaft wurde von Löws Assistenten Kemal Yıldırım und von Ahmet Ziya Yüce weiter trainiert und stieg zum Saisonende als Tabellenletzter von der Süper Lig ab.

FC Tirol Innsbruck[Bearbeiten]

Am 10. Oktober 2001 wurde Löw nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit vom FC Tirol Innsbruck als Trainer angestellt. Die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Kurt Jara (Meister 2000 und 2001) setzte Löw fort. Obwohl die Spieler für sechs Monate kein Gehalt erhalten hatten, gewann er mit dem FC Tirol Innsbruck im Jahr 2002 den dritten Meistertitel in Folge. Im selben Jahr meldete der FC Tirol jedoch Konkurs an und löste sich nach Entzug der Bundesligalizenz auf. Damit war Löws Anstellung in Innsbruck am 18. Juni 2002 beendet.[8]

Austria Wien[Bearbeiten]

Nach einem weiteren Jahr Arbeitslosigkeit wurde Löw am 4. Juni 2003 Trainer des FK Austria Wien. Nach einer 0:2-Niederlage gegen Tabellenschlusslicht FC Kärnten wurde er im März 2004 beurlaubt, obwohl Austria Tabellenführer war. Die Mannschaft wurde dann mit einem Punkt Rückstand österreichischer Vizemeister der Saison 2003/2004.

Bundestrainer[Bearbeiten]

Löw bei einer Pressekonferenz im August 2006

Nach der Fußball-Europameisterschaft 2004 trat der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft Rudi Völler zurück. Ab Juli 2004 bestand das Führungstrio der deutschen Nationalmannschaft aus Oliver Bierhoff als Teammanager, Jürgen Klinsmann als Bundestrainer und Joachim Löw als Co-Trainer. Klinsmann und Löw hatten an der Sporthochschule des Fußball-Verbandes Mittelrhein in Hennef den Trainerlehrgang absolviert.[5] Beim Confederations Cup 2005 sowie bei der Weltmeisterschaft 2006 erreichte die Mannschaft den dritten Platz.

Am 12. Juli 2006 wurde Löw als neuer Trainer der DFB-Auswahl vorgestellt. Dieser Platz wurde frei, nachdem Jürgen Klinsmann sich entschieden hatte, seinen am 31. Juli 2006 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Löw erhielt zunächst einen Vertrag über zwei Jahre. Als sportliches Ziel nannte Löw den Gewinn der EM 2008 und erklärte seine Absicht, die von Jürgen Klinsmann und ihm vertretene Linie in der sportlichen Leitung fortzuführen. Er ist der dritte Trainer der Nationalmannschaft (nach Otto Nerz und Erich Ribbeck), der selbst nie A-Nationalspieler war.

Löw (links) mit Co-Trainer Hans-Dieter Flick 2006

Sein Debüt gab er am 16. August 2006 mit einem 3:0 gegen Schweden, auch die drei folgenden Spiele gewann die Nationalmannschaft ohne Gegentor, so dass er der erste Bundestrainer ist, der mit vier Siegen ohne Gegentor begann. Beim fünften Sieg im EM-Qualifikationsspiel in der Slowakei (4:1) kassierte die deutsche Mannschaft unter Löw erstmals ein Gegentor. Mit fünf Siegen zu Beginn ist Joachim Löw der Trainer mit dem erfolgreichsten Start. Das sechste Spiel gegen Zypern (1:1) am 15. November war das erste Spiel, in dem die Mannschaft während der Löw-Ära wenig überzeugte. Am 7. Februar 2007 folgte ein 3:1 im Freundschaftsspiel gegen die Schweiz, am 24. März ein 2:1-Sieg gegen die Tschechische Republik im Top-Spiel der deutschen EURO-Qualifikation.

Die erste Niederlage in der Ära Löw gab es am 28. März 2007 in einem Testspiel gegen Dänemark mit 0:1. Löw setzte dabei insgesamt sechs Neulinge ein, darunter mit Patrick Helmes (damals 1. FC Köln) auch einen Zweitligaspieler. Am 22. August 2007 gelang dem von vielen Verletzungen geschwächten Team Löws ein sehr überraschender 2:1-Auswärtssieg gegen England, womit sie die erste Mannschaft war, die England im neuen Wembley-Stadion besiegen konnte.

Nach bereits vorzeitig erfolgter EM-Qualifikation nach dem 0:0 in Irland verlor die deutsche Nationalmannschaft, die immer noch stark ersatzgeschwächt war, am 17. Oktober 2007 in der Münchener Allianz Arena nach einem schwachen Spiel 0:3 gegen die tschechische Fußballnationalmannschaft, die sich durch diesen Sieg ebenfalls vorzeitig für die Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz qualifizierte. Es war Löws erste Pflichtspiel-Niederlage als Bundestrainer.

Vertragsverhandlungen und Gehalt[Bearbeiten]

Seit 2006 erfolgten die Vertragsabschlüsse zwischen Löw und seinem Team sowie dem DFB in zweijährlichen Intervallen, jeweils bis zum Ende der EM- bzw. WM-Turniere. Irritationen gab es 2010. Am 16. Dezember 2009 gab der DFB durch den damaligen Präsidenten Theo Zwanziger bekannt, dass der Vertrag von Löw als Bundestrainer per Handschlag bis nach der Europameisterschaft 2012 verlängert worden sei.[9] Im Februar 2010 erklärte Löw jedoch schriftlich, dass es einen solchen Handschlagvertrag nicht gegeben habe.[10] Hintergrund war ein Treffen von Löw, Bierhoff und Theo Zwanziger in Frankfurt, bei dem die Verlängerung des Vertrages besprochen werden sollte. Die angestrebte Vertragsverlängerung wurde jedoch auf Eis gelegt und neue Verhandlungen für die Zeit nach der anstehenden Weltmeisterschaft angekündigt. Zwanziger sprach von „wichtigen inhaltlichen Differenzen“ zwischen Löw, Teammanager Oliver Bierhoff und dem Präsidium.[11]

Angeblich hätten Löw und Bierhoff für die Vertragsverlängerung u. a. ein Handgeld in Höhe eines Jahresgehaltes verlangt.[12] Zudem habe Bierhoff ein Vetorecht bei der Bundestrainerfrage gefordert. Löw war über die Verhandlungsführung und die von ihm vermutete Indiskretion seitens des DFB verärgert. So seien Themen an die Öffentlichkeit gelangt, die intern besprochen worden seien.[13] Sein Gehalt wird auf 2,7 Millionen bis vier Millionen Euro geschätzt. Dazu hat Löw drei lukrative Werbeverträge (Nivea, TUI und Deutsche Vermögensberatung).[14][15] Sein aktueller Vertrag ist bis Juli 2016 gültig.[16]

Europameisterschaft 2008[Bearbeiten]

Unter Löw erreichte die deutsche Mannschaft bei der Europameisterschaft 2008 nach zwölf Jahren erstmals wieder die K.-o.-Runde. Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe B musste Deutschland mindestens ein Unentschieden gegen Gastgeber Österreich erreichen, der seinerseits einen Sieg brauchte, um sich für die folgende Runde zu qualifizieren. Das Spiel endete 1:0 für Deutschland.

Für die folgende Begegnung im Viertelfinale gegen Portugal wurde Löw von der Kontroll- und Disziplinar-Kommission der Europäischen Fußball-Union gesperrt.[17] Deutschland gewann das Spiel mit 3:2, mit dem gleichen Ergebnis auch das Halbfinalspiel gegen die Türkei und traf im Finale auf Spanien. Dieses Spiel gewann Spanien mit 1:0 und wurde damit Europameister.

Weltmeisterschaft 2010[Bearbeiten]

In der Qualifikationsphase, Ende 2008, gab es in einem Testspiel eine 1:2-Niederlage gegen England und 2009 verlor die deutsche Mannschaft auch ihr erstes Spiel mit 0:1 gegen Norwegen. Im Verlauf einer umstrittenen Asienreise der Nationalmannschaft im unmittelbaren Anschluss an das Ende der Bundesligasaison Ende Mai erzielte das Team von Löw ein 1:1 gegen China und ein 7:2 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Die vier Spiele zu Beginn der Saison 2009/10 wurden ohne Gegentor gewonnen, u.a. zweimal gegen den von Berti Vogts trainierten WM-Qualifikationsgegner Aserbaidschan und den stärksten Konkurrenten Russland. Mit dem abschließenden 1:1 gegen Finnland wurde die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 als Gruppensieger beendet.

Trotz des Ausfalls von Mannschaftskapitän Michael Ballack und einiger anderer wichtiger Spieler, welche verletzungsbedingt absagen mussten, nominierte Löw für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika verdiente Spieler mit Turniererfahrung wie Torsten Frings, Thomas Hitzlsperger oder auch Kevin Kurányi nicht. Stattdessen setzte er überwiegend auf junge Spieler, die wenig bis gar keine A-Länderspielerfahrung hatten: So bestritten Torwart Manuel Neuer und Ballack-Ersatz Sami Khedira bis zur Nominierung im Mai 2010 erst drei Länderspiele, Thomas Müller eins, Holger Badstuber gar keines. Mit einem Durchschnittsalter von unter 25 Jahren hatte Löw den jüngsten deutschen WM-Kader seit der Weltmeisterschaft von 1934 zusammengestellt. Sechs Spieler des Kaders hatten allerdings zuvor 2009 die U-21-Europameisterschaft gewonnen. Letztlich sollte er mit dieser überraschenden Zusammenstellung jedoch den Grundstein für eine in den nächsten Jahren sehr viel stärkere deutsche Mannschaft als zuvor legen. Nach der auf dem ersten Platz beendeten Gruppenphase gelang im Achtelfinale ein 4:1-Sieg über das englische Team sowie im Viertelfinale ein 4:0 über Argentinien. Beides sind die höchsten bisher erzielten Siege einer deutschen Mannschaft gegen diese Mannschaften. Im Halbfinale musste sich die junge Mannschaft nach den Überraschungen der vorigen Spiele gegen die erfahrenen Spanier zwar knapp aber beinahe chancenlos mit 0:1 geschlagen geben. Die deutsche Mannschaft war lediglich zu zwei Torchancen gekommen. Danach gewann sie aber im Spiel um den dritten Platz mit 3:2 gegen Uruguay, die Überraschungsmannschaft des Turniers.

Nach der WM, im Oktober 2010 wurde Löw für seine Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Am 10. November 2010 erhielt er den Bambi in der Kategorie „Ehrenpreis der Jury“, die Laudatio hielt Mesut Özil.

Europameisterschaft 2012[Bearbeiten]

Bei der Europameisterschaft 2012 war die deutsche Mannschaft in einer sogenannten Todesgruppe mit Vizeweltmeister Niederlande, Portugal und Dänemark, die ebenso wie Deutschland vor Turnierbeginn in den Top Ten der FIFA-Weltrangliste platziert waren. Deutschland gewann alle drei Gruppenspiele, was zuvor keiner deutschen Mannschaft bei einer EM-Endrunde gelungen war. Im Viertelfinale stellte die Mannschaft beim 4:2 gegen Griechenland mit dem 15. Pflichtspielsieg in Folge einen neuen Weltrekord auf.[18] Im Halbfinale verlor die Mannschaft mit 1:2 gegen Italien.[19] In verschiedenen deutschen Medien[20] und auch von diversen deutschen Ex-Spielern[21] wurde Löw eine bedeutende Mitschuld am Ausscheiden attestiert. Kicker-Chefreporter Karlheinz Wild befand:

„Löw, der zuvor noch gepredigt hatte, seine Mannschaft wolle wie immer, so auch in dieser Vorschlussrunde ihr Spiel durchsetzen, stellte sich und die Seinen jedoch extrem auf diesen äußerst guten, spielstarken und cleveren Gegner ein. Seine Aufstellung richtete er über die Maßen an Personal und Spielweise der Azzurri aus, er veränderte seine Elf personell und taktisch gravierend – und verzockte sich dabei.“[22]

Weltmeisterschaft 2014[Bearbeiten]

Weltmeisterschaft 2014
Joachim Löw (rechts) nach dem Gewinn der WM 2014

In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 erzielte die deutsche Mannschaft unter Löw neun Siege und ein Remis und hatte am vorletzten Spieltag die Teilnahme an der WM gesichert. Dabei erzielte die Mannschaft die meisten Tore aller europäischen Mannschaften, allerdings musste sie auch die meisten Gegentore aller direkt qualifizierten europäischen Mannschaften hinnehmen, hauptsächlich sieben Tore in zwei Spielen gegen den Zweitplatzierten Schweden. Nach dem letzten Spiel der Qualifikation wurde Löws Vertrag bis 2016 verlängert.[23]

Die Vorbereitung zur Endrunde der WM war von einigen Verletzungen wichtiger Stammspieler, u. a. Khedira, Lahm, Neuer, Schweinsteiger und Reus, der durch eine Verletzung im letzten Testspiel ganz ausfiel sowie von einem Verkehrsunfall mit zwei verletzten Zuschauern während des Trainingslagers im Südtiroler Passeiertal geprägt.[24]

Die Gruppenphase wurde mit Siegen über Portugal und USA sowie einem Remis gegen Ghana als Gruppensieger abgeschlossen. Im letzten Gruppenspiel traf Löw auf seinen Kollegen und Vorgänger Jürgen Klinsmann, der die US-amerikanische Mannschaft trainierte. Über das Achtelfinale gegen Algerien, das erst in der Verlängerung mit 2:1 bezwungen wurde, erreichte Löws Mannschaft das Viertelfinale mit dem Gegner Frankreich und konnte sich hier mit 1:0 durchsetzen. Löw nahm in diesem Spiel einige taktische Veränderungen vor, insbesondere kehrte Philipp Lahm auf die Position des rechten Außenverteidigers zurück, was zuvor in der öffentlichen Diskussion gefordert worden war.[25] Standardsituationen, insbesondere Ecken und Freistöße, die früher in Training und Spielgestaltung kaum eine Rolle spielten, wurden aufgewertet und trugen bei dieser WM mehrfach zu Entscheidungen zugunsten der deutschen Mannschaft bei. Letzteres wird vor allem der Beratung und dem Einfluss des DFB-Spielbeobachters Urs Siegenthaler und des scheidenden Assistenztrainers Hansi Flick zugeschrieben.[26] Die deutsche Mannschaft gewann das Halbfinale gegen Brasilien mit 7:1 und wurde nach einem 1:0 nach Verlängerung im Finale gegen Argentinien Weltmeister. Löw ist damit der erste deutsche Weltmeistertrainer, der selbst nie für die Nationalmannschaft gespielt hat. Nach der WM beschloss der Gemeinderat von Löws Geburtsstadt Schönau im Schwarzwald einstimmig, ihn zum Ehrenbürger zu ernennen und ein Stadion nach ihm zu benennen.[27]

Nachdem sich Löw nach dem Titelgewinn zunächst ausweichend zu seiner Zukunft geäußert hatte, bestätigte er am 23. Juli 2014, seinen bis 2016 datierenden Vertrag beim DFB zu erfüllen.[28]

Europameisterschaft 2016[Bearbeiten]

Mit der Vorbereitung für die Fußball-Europameisterschaft 2016, deren Endrunde im Juni in Frankreich ausgespielt wird, setzte Löw die Trainingsarbeit mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft fort. In der Qualifikation trifft Deutschland auf die Gruppengegner Georgien, Gibraltar, Schottland, Polen und Irland.

Für das Freundschaftsspiel gegen Argentinien und das erste Qualifikationsspiel gegen Schottland nominierte Löw einen Kader von 21 Spielern. Die drei erfahrenen Spieler Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker hatten nach der erfolgreichen WM ihre Karriere in der Nationalmannschaft beendet; Löws Assistent Hansi Flick wurde DFB-Sportdirektor.[29] Neuer Trainerassistent ist ab Oktober 2014 Thomas Schneider.[30]

Als neuen Kapitän der Nationalmannschaft nominierte Löw Bastian Schweinsteiger.[31]

Erfolge als Trainer[Bearbeiten]

Deutsche Nationalmannschaft

VfB Stuttgart

FC Tirol Innsbruck

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Privatleben[Bearbeiten]

Löw lebt seit 2008 in Wittnau. Er ist seit 1977 mit seiner Frau Daniela liiert. Seit 1986 sind sie verheiratet. Das Paar hat keine Kinder.[32][33] Joachim Löws Bruder[34] Markus war ebenfalls Profifußballer.

Engagement[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Bausenwein: Joachim Löw und sein Traum vom perfekten Spiel. Verlag die Werkstatt, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89533-813-7.
  • Alexander Osang: Der fremde Deutsche. Titelgeschichte in: Der Spiegel Nr. 28 vom 7.7.2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joachim Löw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralf Köttker, Klaus Schlütter: Auf den Spuren des Jogi Löw, Welt am Sonntag, 8. Juni 2008, Zugriff am 17. Dezember 2011
  2. Dagmar von Taube: Bundestrainer: Joachim Löw und die letzte Frage nach dem Toupet - Nachrichten Panorama, Welt online, 26. April 2011, Zugriff am 17. Dezember 2011
  3. Joachim Löw im Kurzportrait, auf Europe Online Magazine, veröffentlicht und abgerufen am 3. Juni 2012
  4. welt.de: Wer ist dieser Mann, dem Löw blind vertraut?, 10. Februar 2011
  5. a b DFB-Sonderlehrgang 2000 laut rp-online (abgerufen am 14. Juli 2014)
  6. Löws Trainerausbildung beim DFB laut 11 Freunde (abgerufen am 14. Juli 2014)
  7. milliyet.com.tr: „Löw istifa etti“ (abgerufen am 12. April 2014)
  8. Ein Happel-Schüler für Fürths Talentschmiede, nordbayern.de, 13. November 2011.
  9. Bundestrainer Löw verlängert per Handschlag bis 2012 bei dfb.de.
  10. „Löw: Handschlag-Vertrag nicht gegeben“ kicker-online vom 5. Februar 2010.
  11. DFB-Präsidium vertagt Vertragsverhandlungen, dfb.de vom 4. Februar 2010, abgerufen am 8. Februar 2010.
  12. „Hohe Forderungen von Löw und Bierhoff“ Handelsblatt vom 4. Februar 2010.
  13. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. Februar 2010, S. 17.
  14. Gehaltserhöhung – Löw kassiert nicht nur beim DFB
  15. Jogi verdient 4,5 Mio pro Jahr
  16. dfb.de: „DFB verlängert mit Bundestrainer Löw bis 2016“
  17. Löw für ein Spiel gesperrt
  18. echo-online.de: 15. Pflichtspielsieg in Serie: Deutschland schafft Bestmarke
  19. dfb.de: Jogi Löw: „Ich bewerte das Turnier positiv“
  20. Presseschau: Gewinner Balotelli, Verlierer Löw, Badische Zeitung vom 29. Juni 2012
  21. Experten enttäuscht von DFB-Elf - Kritik an Löw, Süddeutsche Online/Deutsche Presse-Agentur vom 29. Juni 2012
  22. Aus der Traum: Bundestrainer Joachim Löw hat sich verzockt
  23. dfb.de: „DFB verlängert mit Bundestrainer Löw bis 2016“
  24. Unfall mit Rosberg, Höwedes und Draxler laut SPIEGEL Online (abgerufen am 14. Juli 2014)
  25. Endlich Jogi, endlich In: zeit.de 4. Juli 2014.
  26. Aufwertung der Standards bei Löw laut fifa.com (abgerufen am 14. Juli 2014)
  27. http://www.stern.de/sport/schoenau-im-schwarzwald-jogi-loew-wird-ehrenbuerger-2125635.html
  28. Löw: "Ich bin motiviert wie am ersten Tag beim DFB". Meldung auf der Homepage des Deutschen Fußballbunds vom 23. Juli 2014 (abgerufen am 23. Juli 2014).
  29. dfb.de: „Mit 18 Weltmeistern gegen Argentinien“
  30. sl: Thomas Schneider wird Assistenztrainer. Gesellschaft für DFB-Online GmbH, 2. September 2014, abgerufen am 2. September 2014.
  31. "Schweinsteiger wird neuer Kapitän"
  32. Alle lieben Joachim 'Jogi' Löw vip.de
  33. Brenda Strohmaier: Daniela Löw bringt ihrem Mann kein Glück, Welt am Sonntag, 8. Juli 2010, Zugriff am 24. Januar 2012
  34. rund-magazin.de: „Die paar Prozent an Leistungssteigerung, aus den Spielern herauskitzeln“ - Interview mit Hansi Flick
  35. Daimler AG (Hrsg.): Der Junior Cup und die EM: Sechs aus 27. 2012, abgerufen am 16. Juni 2012.
  36. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDaimler AG (Hrsg.): 22. Mercedes-Benz Junior Cup - „Idealer Start in das EM-Jahr“. o.J., abgerufen am 16. Juni 2012.
  37. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPlan International Deutschland e. V. (Hrsg): Joachim Löw. o.J., abgerufen am 10. Mai 2012.