Joachim Lipschitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel am Haus Stühlinger Straße 15, in Berlin-Karlshorst

Joachim Lipschitz (* 19. März 1918 in Berlin; † 11. Dezember 1961 ebenda) war ein deutscher Politiker (SPD).

Biografisches[Bearbeiten]

Als Kind einer sozialdemokratischen Arztfamilie aus Charlottenburg hatte er sich als Heranwachsender im „Jungbanner“, der Jugendorganisation des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, sowie im sozialistischen Schülerbund engagiert. Wegen seines jüdischen Vaters hatte er ab 1933 vielfältige Diskriminierungen zu erleiden. Als Soldat wurde er 1942 schwer verwundet und aus „rassischen Gründen“ aus der Wehrmacht entlassen. Anschließend musste er untertauchen.[1] Er fand Hilfe und Unterschlupf in der Stühlinger Straße in Berlin-Karlshorst.[2]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Lipschitz von 1946 bis 1948 Bezirksstadtrat in Lichtenberg. Um einer drohenden Inhaftierung zu entgehen, floh er – Gegner der Vereinigung von SPD und KPD – nach West-Berlin. Dort leitete er zunächst die zentrale Meldestelle für aus politischen Gründen entlassenen Ost-Berliner, von 1949 bis 1955 war er dann Bezirksstadtrat in Neukölln. Seit 1951 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, wurde Lipschitz im Januar 1955 vom Regierenden Bürgermeister Otto Suhr zum Innensenator ernannt, eine Stellung, die Lipschitz auch unter Suhrs Nachfolger Willy Brandt behielt. Lipschitz ging „mit äußerster Härte gegen wirkliche oder vermeintliche Kommunisten vor“[3] und verweigerte dem Aufrüstungsgegner Rudolf Schottlaender wegen politischer Betätigung die Fortzahlung seiner Verfolgtenrente.[4] Gleichzeitig setzte er sich als Vorsitzender des Wiedergutmachungsausschusses des Bundesrats für eine großzügige Verfahrensweise bei der Handhabung des Bundesentschädigungsgesetzes ein.

In Erinnerung geblieben ist seine Initiative „Unbesungene Helden”, eine Aktion, mit der erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland jene Berliner geehrt wurden, die NS-Verfolgten Unterschlupf gewährt hatten.[5]

Lipschitz starb an einer Krebserkrankung.

Ehrungen[Bearbeiten]

In der zum Berliner Bezirk Neukölln gehörenden Gropiusstadt sind die Lipschitzallee und der Lipschitzplatz sowie ein U-Bahnhof nach dem Politiker benannt. In Berlin-Spandau trägt die dortige Polizeischule seinen Namen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Eleonore (Lore) Lipschitz
  2. Hans-Rainer Sandvoß: Widerstand in Friedrichshain und Lichtenberg. Hrsg. Gedenkstätte Deutscher Widerstand 1998; S. 296/297: Joachim Lipschitz taucht unter
  3. Christian Pross: Wiedergutmachung : der Kleinkrieg gegen die Opfer, Frankfurt am Main : Athenäum 1988 ISBN 3-610-08502-9, S. 28
  4. Christian Pross: Wiedergutmachung : der Kleinkrieg gegen die Opfer, Frankfurt am Main : Athenäum 1988 ISBN 3-610-08502-9, S. 105
  5. Dr. Eleonore (Lore) Lipschitz