Joachim Neander

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Joachim Neander (1650–1680)
Das Hohe Fenster in der Bremer Martini-Kirche mit Joachim Neander an der Orgel

Joachim Neander (* 1650 in Bremen; † 31. Mai 1680 ebenda) war ein deutscher Pastor und Kirchenliederdichter und -komponist. Nach ihm wurde das Neandertal benannt.

Leben[Bearbeiten]

Neander stammt aus einer Pastorenfamilie, die sich einer damaligen Mode folgend von Neumann in Neander umbenannte (Gräzisierung). Er ist der erste Sohn aus der zweiten Ehe seines Vaters Johann Joachim Neander (1614–1666).

Er studierte reformierte Theologie in Bremen und war als Erzieher unter anderem in Heidelberg und Frankfurt am Main tätig. 1670 geriet er unter den Einfluss des Erweckungspredigers Theodor Undereyck, der ihm eine Stelle als Hauslehrer in einer Frankfurter Kaufmannsfamilie verschaffte. Hier wurde Neander auch mit Philipp Jacob Spener bekannt, dessen 1675 veröffentlichte Schrift Pia Desideria Ausgangspunkt des Pietismus werden sollte.

1674 wurde Neander in Düsseldorf Rektor der Lateinschule der reformierten Gemeinde sowie Hilfsprediger. Er verfasste Texte und Melodien zu zahlreichen Kirchenliedern, die auf separatistischen Erbauungsversammlungen gesungen wurden. Weil Neander in einer eindrucksvollen Schlucht des Flüsschens Düssel bei Mettmann häufig komponierte und Gottesdienste abhielt, wurde das Gestein ihm zu Ehren Neandershöhle und ab dem 19. Jahrhundert Neandertal genannt. Da dort auch die ersten Skelettteile von Neandertalern entdeckt wurden, findet sich der Name Joachim Neanders auch im Begriff Neandertaler wieder.

Nachdem Neander in Düsseldorf Schwierigkeiten mit der Kirchenverwaltung bekommen hatte, wurde er 1679 Hilfsprediger an der Kirche St. Martini in seiner Heimatstadt Bremen und wohnte im Neanderhaus, das östlich von der Kirche stand und aus dem 15. Jahrhundert stammte. Er komponierte den Choral Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Nach weniger als einem Jahr Tätigkeit in seiner Heimatstadt starb Neander am Pfingstmontag, den 31. Mai 1680 im Alter von 29 oder 30 Jahren an einer nicht näher beschriebenen Krankheit (möglicherweise an der Pest). Seine Grabstätte ist heute unbekannt; es wird nicht ausgeschlossen, dass sie sich unter der St.-Martini-Kirche befindet.

Werk[Bearbeiten]

Neander gilt als einer der bedeutendsten reformierten Kirchenlieddichter Deutschlands. Seine im Jahr 1680 veröffentlichten Bundeslieder und Dank-Psalmen[1] waren bahnbrechend für die pietistischen Gesangbücher der reformierten und der lutherischen Kirche.

Auch heutige deutsche Gesangbücher enthalten noch Lieder von Neander. So enthält das Evangelische Gesangbuch sechs Lieder, deren Texte und/oder Melodien von Neander stammen, und im bis 2005 gebräuchlichen deutschen Gesangbuch der Neuapostolischen Kirche finden sich vier von Neanders Liedern.

Neanders bekanntestes Kirchenlied ist das 1679 gedichtete und 1680 im Rahmen der Bundes-Lieder und Danck-Psalmen erschienene Lied Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Die heute gebräuchliche Melodie ist allerdings erst nachträglich zugeordnet worden; sie stammt nicht von Neander, sondern es handelt sich um ein ursprünglich weltliches Lied aus dem 17. Jahrhundert.

Gedenktag[Bearbeiten]

31. Mai im Evangelischen Namenkalender.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Ackermann: Joachim Neander. Sein Leben, seine Lieder, sein Tal. 3. erw. Aufl. Düsseldorf 2005, ISBN 3-89978-029-9.
  • Carl Bertheau: Neander, Joachim. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 23, Duncker & Humblot, Leipzig 1886, S. 327–330.
  • Thomas Diecks: Neander, Joachim. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 11 (Digitalisat).
  • Gerhard Dünnhaupt: Joachim Neander (1650–1680). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Bd. 4. Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-9122-6, S. 2933–2936 (Werk- und Literaturverzeichnis)
  • Lore Esselbrügge: Joachim Neander, ein Kirchenliederdichter des 17. Jhs. Diss. Marburg 1921.
  • Andreas L. Hofbauer: Meine Taube / in den Felßlöchern / in dem Verborgene der Steinritzen / laß mich hören deine Stimme. Ad Joachim Neander. In: Dirk Matejovski, Dietmar Kamper, Gerd-C. Weniger (Hrsg.), Mythos Neanderthal, Frankfurt/New York 2001, ISBN 3-593-36751-3.
  • W. Nelle: Joachim Neander, der Dichter der „Bundeslieder“ und „Dankpsalmen“. Hamburg 1904.
  • Erich WennekerNeander, Joachim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 523–526.
  • Joachim Neander: Bundeslieder und Dankpsalmen von 1680 mit ausgesetztem Generalbaß von Oskar Gottlieb Blarr. Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Band 79. Rheinland-Verlag GmbH, Köln, 1984, ISBN 3-7927-0810-8.
  • Joachim Neander: Bundes-Lieder und Dank-Psalmen. Faksimilierter Reprint der Erstausgabe Bremen 1680 mit Beiträgen von Thomas Elsmann und Oskar Gottlieb Blarr. Bremen: Schünemann 2009, 192 und 34 S.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joachim Neander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Faksimile des Exemplars der Bremer Stadt- und Universitätsbibliothek: Bremen: Carl E. Schünemann 2009 ISBN 978-3-7961-1923-1
  2. Joachim Neander im Ökumenischen Heiligenlexikon