Joachim Wach

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Joachim Wach (* 25. Januar 1898 in Chemnitz; † 27. August 1955 in Orselina), ein Urenkel Felix Mendelssohn Bartholdys, war ein deutscher beziehungsweise US-amerikanischer Religionswissenschaftler und Soziologe.

Studium[Bearbeiten]

Nachdem der Enkel von Adolf Wach und Sohn von Felix Wach 1916 das Notabitur abgelegt hatte, diente er als Soldat im Ersten Weltkrieg. Schon ab 1917 war er aber an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig immatrikuliert. Es folgten weitere Studien in München, Berlin und Freiburg im Breisgau, bevor Wach 1920 nach Leipzig zurückkehrte, wo er 1922 mit seiner Arbeit "Der Erlösungsgedanke und seine Deutung" promoviert wurde. Anschließend studierte er in Heidelberg, wo er sich 1924 mit seinen überragenden Prolegomena zur wissenschaftstheoretischen Grundlegung der Religionswissenschaft habilitierte.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

Wiederum in Leipzig erhielt Wach 1927 einen Lehrauftrag für Religionssoziologie. Zwei Jahre später folgte die Professur für Religionswissenschaft. Nachdem er bis 1935 in der Lehre tätig gewesen war, entzogen die Nationalsozialisten Wach auf Grund seiner Herkunft die Lehrbefugnis.

Wach gelang es, in die USA zu emigrieren, wo er an der Brown University von 1935 bis 1939 als Visiting Professor Biblische Literatur las, sodann von 1939 bis 1946 als Associate Professor. Ab 1945 ging er seinem Beruf als Professor auf dem Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Divinity School der University of Chicago nach. 1946 erhielt er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Wach verstarb am 27. August 1955 in Orselina bei Locarno in der Schweiz.

Würdigung[Bearbeiten]

Wach hatte der Religionswissenschaft eine - in mancher Hinsicht bis heute nicht wiedererreichte - wissenschaftstheoretische Grundlegung als empirischer Disziplin geboten. Dabei ging er zum Teil weit über seine diesbezüglichen Lehrer (bzw. Quellen) hinaus: Rudolf Otto, Ernst Troeltsch, Max Weber, Friedrich Adolf Trendelenburg, Edmund Husserl. Die Religionswissenschaft galt es damals erst von der Theologie zu emanzipieren, der Weg hin zu einer empirischen Forschung war eine ferne Utopie. Doch Leipzig war hier am avanciertesten in Deutschland. 1912 war Nathan Söderblom nach Leipzig berufen worden, 1914 erhielt die Religionswissenschaft dort ein kulturwissenschaftliches Institut. Doch sollte es auch um Weltanschauungsdiskussion gehen, nicht nur um objektierende Forschung. Mit seinem großen Werk zur Geschichte der Hermeneutik Das Verstehen stellte Wach sich auch in dieser Hinsicht der Methodenfrage. Gemäß seinem Leipziger Lehrauftrag etablierte er die Religionssoziologie als einen Teil der Religionswissenschaft. Sein Kollege Gustav Mensching führte diese Arbeit später an der Universität Bonn weiter, ebenso dessen Schüler Demosthenes Savramis, dieser allerdings in der Soziologie. Als Wach emigrieren musste, fand er in den USA ein offenes Klima für seine Religionswissenschaft ohne Berührungsangst zum Ziviltheologischen wie zum Esoterischen. Wach war originell in der Behandlung der Stoffe und ließ dabei auch seine eigene Haltung zu den religiösen Fragen durchblicken, voll Sympathie für eine freie und friedfertige Spiritualität. Über das Projekt einer Vergleichenden Religionswissenschaft hinaus bot er eine Theologie quer durch besondere Fundstücke aus verschiedenen Religionen und Kulturbereichen. Seine Typen der Religiösen Erfahrung sind ein Vermächtnis des viel zu früh Vollendeten.

Die englische Übersetzung (1988) und der Neudruck (2001) seiner Habilitationsschrift trugen bei zur zunehmenden Erkenntnis seiner überragenden Bedeutung für die religionswissenschaftliche Grundlagentheorie.

Werke[Bearbeiten]

  • Der Erlösungsgedanke und seine Deutung. Hinrichs, Leipzig 1922
  • Zur Methodologie der allgemeinen Religionswissenschaft. Zeitschrift für Missions- und Religionsgeschichte ZRMG 38, 1923, S. 33-55
  • Religionswissenschaft. Prolegomena zu ihrer wissenschaftstheoretischen Grundlegung. Hinrichs, Leipzig 1924
    • Neu hrsg. und eingeleitet von Christoffer H. Grundmann. Spenner, Waltrop 2001
    • Engl: Introduction to the History of Religions. 1988
  • Meister und Jünger. Zwei religionssoziologische Betrachtungen. Tübingen 1925
  • Mahāyāna, besonders im Hinblick auf das Saddharna-Pundarika-Sūtra. München 1925
  • Die Typenlehre Trendelenburgs und ihr Einfluss auf Dilthey. Mohr, Tübingen 1926
  • Das Verstehen. Grundzüge einer Geschichte der hermeneutischen Theorie im 19. Jahrhundert. 3 Bde. 1929 - 1933
  • Art. Religionssoziologie, in: Handwörterbuch der Soziologie, Hg. Alfred Vierkandt, Stuttgart 1931, 2. Aufl. 1961
  • Einführung in die Religionssoziologie. Tübingen 1931
  • Das Problem der Kultur und die ärztliche Psychologie. Gustav Thieme, Leipzig 1931
  • Typen religiöser Anthropologie. Barth, Leipzig 1932
  • Das Problem des Todes in der Philosophie unserer Zeit. Mohr, Tübingen 1934
  • Sociology of religion, Chicago 1944. 9. Aufl. 1962
    • Deutsch: Religionssoziologie. 1951
  • Types of Religious Experience, Christian and Non-Christian. Chicago 1951
posthum
  • The Comparative Study of Religions. Columbia UP, NY 1958
    • Deutsch: Vergleichende Religionsforschung. Einführung J. M. Kitagawa. Übers. Hans Holländer. Kohlhammer, Stuttgart 1962 ***Rezension, Joachim Matthes in KZfSS 15, 1963, S. 174 - 176
  • Understanding and Believing. Essays. 1968

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Kitagawa: Gibt es ein Verstehen fremder Religionen? Mit einer Biographie J. W.s und einer vollständigen Bibliographie seiner Werke. 1963
  • Rainer Flasche: Die Religionswissenschaft J. W.s. 1977
  • Wolf-Friedrich Schäufele, Wach, Johannes, in: BBKL Bd. XVI (1999) Sp. 1507-1512.
  • Johannes Graul: Jüdisches Erbe und christliche Religiosität. Die Familiengeschichte als prägendes Moment in der Biographie des Religionswissenschaftlers J. W. in Stephan Wendehorst Hg.: Bausteine einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig. Lpz. Beiträge zur Jüdischen Geschichte und Kultur, 6. Leipziger Universitätsverlag 2006 ISBN 3865831060 S. 287 - 304
  • Art. Joachim Wach. In: Udo Tworuschka: Religionswissenschaft. Wegbereiter und Klassiker (UTB 3492), Köln-Weimar-Wien 2011, S.163-180.

Weblinks[Bearbeiten]