Joachimsthal

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Joachimsthal (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Joachimsthal
Joachimsthal
Deutschlandkarte, Position der Stadt Joachimsthal hervorgehoben
52.96666666666713.7572Koordinaten: 52° 58′ N, 13° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Joachimsthal (Schorfheide)
Höhe: 72 m ü. NHN
Fläche: 121,73 km²
Einwohner: 3375 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16247
Vorwahl: 033361
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 100
Adresse der
Stadtverwaltung:
Joachimsplatz 1–3
16247 Joachimsthal
Webpräsenz: www.joachimsthal.de
Bürgermeisterin: Gerlinde Schneider
Lage der Stadt Joachimsthal im Landkreis Barnim
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Über dieses Bild
Kreuzkirche
Kreuzkirche um 1900
Glasmarke der Grimnitzer Glashütte 1747
Joachimsthal/Barnim

Joachimsthal ist eine Kleinstadt im brandenburgischen Landkreis Barnim und Verwaltungssitz des Amtes Joachimsthal (Schorfheide), dem weitere drei Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten]

Joachimsthal liegt in der historischen Landschaft Uckermark. Der Ort an Werbellinsee und Grimnitzsee befindet sich am nordöstlichen Rand der Schorfheide, welche Bestandteil des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin ist.

Zu Joachimsthal gehören auch die Wohnplätze Ausbau, Bahnhof Werbellinsee, Bärendickte, Elsenau, Feriendorf Grimnitzsee, Forst Joachimsthal, Grimnitz, Hubertusstock, Jägerberg, Kienhorst, Leistenhaus, Lindhorst und Miechen.

Naturdenkmale[Bearbeiten]

Siehe Liste der Naturdenkmale in Joachimsthal

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend von Joachimsthal wurde schon frühzeitig besiedelt, davon künden Hügelgräber und Gräberfelder in der Umgebung. Im Mittelalter verlief am Grimnitzsee und an der Welse die Grenze zwischen Pommern und Brandenburg. Zu deren Schutz wurde von den brandenburgischen Kurfürsten 1247 die Burg Grimnitz am Ufer des gleichnamigen Sees errichtet. Diese diente ihnen gleichzeitig als Aufenthalts- und Urkundsort. Die erste urkundlich belegte Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1298.

Um 1577 wurde in der Nähe der Burg eine erste Glashütte errichtet. Kurfürst Joachim Friedrich ließ 1601 eine Glashütte erbauen, für die er Glasmacher aus Böhmen ansiedelte. Später ließen sich auch andere Gewerke nieder, u. a. Tuchmacher. Die erste urkundliche Erwähnung Joachimsthall fällt in das Jahr 1603. Der Ort wurde nun auch Flecken Joachimsthall genannt und erhielt am 1. Januar 1604 das Stadtrecht. Kurfürst Joachim Friedrich begann bald darauf mit der Errichtung einer Fürstenschule und einer Kirche, welche am 23. August 1607 geweiht wurde. Am Folgetag wurde die Fürstenschule als Joachimsthalsches Gymnasium eingeweiht und mit reichem Besitz und Einkünften ausgestattet. Dazu zählten u. a. das kurfürstliche Jagdhaus, umfangreicher Landbesitz, Fischereirechte, die Glashütte, Mühlen und verschiedene Rechte in der Stadt Joachimsthal.

Während des folgenden Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort am 5./6. Januar 1636 überfallen und die Schule verwüstet. Auch die Burg Grimnitz erlitt Schäden und das Vorwerk, der Schönhof in Golzow, wurde niedergebrannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden neue Glashütten in Grimnitz errichtet. Die Stadt Joachimsthal erholte sich jedoch nur langsam. Der nächste Schicksalsschlag war der Stadtbrand vom 20. April 1814. Er vernichtete 39 Gehöfte, den Schulamtshof mit dem Amtsgebäude, alle Ställe und Scheunen, Brauerei und Brennerei, die Kirche, die Schule und das Predigergehöft. Der Architekt Karl Friedrich Schinkel befasste sich mit dem Projekt zur Wiedererrichtung der zerstörten Gebäude. Die Kirche wurde 1820 fertig, die Schule vermutlich 1823.

Im Juli 1898 erfolgte die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Eberswalde bis Joachimsthal, die dann im Dezember bis Templin fertiggestellt wurde. 1888 hatte man den Gutsbezirk Joachimsthal in die Stadt eingemeindet, 1929 folgten Teile des Gutsbezirkes Grimnitz-Forst und des Forstgutsbezirk Schorfheide (Joachimsthal Forst mit Dammshaus, Zorndorf und Steingrube) und 1938 auch Altgrimnitz.

Zu DDR-Zeiten errichtete der VEB Ingenieurbau Eberswalde in der Nähe des Ortes ein Kinder-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen, das nach 1990 dem Verfall preisgegeben wurde.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung seit 1875.
- Blaue Linie: Bevölkerungsentwicklung des Gebietes in den heutigen Grenzen (2013).
- Gepunktete Linie: Normierte Bevölkerungsentwicklung des Landes Brandenburg.
Joachimsthal, Stadt:
Bevölkerungsentwicklung in den Grenzen von 2013 [2]
Jahr Einwohner
1875 3 027
1890 2 723
1910 3 068
1925 3 149
1933 3 145
1939 3 390
1946 4 105
1950 4 194
1964 3 789
1971 3 619
Jahr Einwohner
1981 3 425
1985 3 273
1989 3 127
1990 3 087
1991 3 035
1992 3 162
1993 3 148
1994 3 073
1995 3 117
1996 3 203
Jahr Einwohner
1997 3 390
1998 3 461
1999 3 476
2000 3 448
2001 3 419
2002 3 448
2003 3 454
2004 3 388
2005 3 349
2006 3 368
Jahr Einwohner
2007 3 357
2008 3 292
2009 3 271
2010 3 303
2011 3 297
2012 3 311
2013 3 375

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung von Joachimsthal besteht aus 16 Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl vom 28. September 2008 führte bei einer Wahlbeteiligung von 47,2 % zu folgendem Ergebnis:[3]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/-
Pro Joachimsthal 26,7 % 4 − 1
SPD 15,9 % 3 + 1
CDU 15,2 % 3 ± 0
Die Linke 14,0 % 2 − 1
FDP 13,8 % 2 ± 0
Bürger für Bürger   8,3 % 1 + 1
Einzelbewerber   3,9 % 1

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Joachimsthal unterhält seit September 1996 eine Partnerschaft mit dem polnischen Golczewo (deutsch: Gülzow).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Joachimsthal und Liste der Bodendenkmale in Joachimsthal stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke[Bearbeiten]

Ehemaliger Wasserturm

Tourismus[Bearbeiten]

In der Seerandstraße, am Rande von Joachimsthal, direkt am Werbellinsee, befindet sich eine Anlegestelle der Fahrgastschifffahrt. In der Angermünder Straße befindet sich das Feriendorf Grimnitzsee, eine Bungalowanlage für Feriengäste und Dauerbewohner.

Stolpersteine[Bearbeiten]

Stolpersteine

Am 18. Juli 2007 wurden zum Gedenken an das jüdische Ehepaar Helmuth und Regina Chaim in der Joachimsthaler Schulstraße die ersten zwei Stolpersteine verlegt.[4]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten]

Der Jüdische Friedhof wurde 1750 eröffnet. Er liegt zwischen altem und neuem städtischen Friedhof an der Zorndorfer Straße.

Ehrenmal für die Opfer des Faschismus[Bearbeiten]

Das Ehrenmal für die Opfer des Faschismus wurde 1953 errichtet. Es steht in der Töpferstraße gegenüber dem Jägerhof.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Während es bis Ende der 90er Jahre noch einige Industrie gab (Sägewerk, Tonverarbeitung) ist jetzt neben der Landwirtschaft zunehmend der Tourismus nennenswert. Joachimsthal liegt an der Märkischen Eiszeitstraße.

Verkehr[Bearbeiten]

„Kaiserbahnhof“
Motorisierung in Joachimsthal 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[5] 1 755 1 746 1 755 1 790 1 771 1 772 1 811
PKW je 1.000 Einwohner (31.12.Vj.) 523 530 537 542 537 535 537

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Hausendorff-Gedenkstein

Der erste Ehrenbürger (1951) ist Dr. med. S. K. Thoden van Velzen (* 28. März 1870; † 1957), der als Arzt in der Stadt wirkte. Er verhinderte in den letzten Kriegstagen 1945 die Zerstörung der Stadt durch die Rote Armee, indem er mit einer weißen Fahne der anrückenden Roten Armee entgegenging.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen mit enger Beziehung zu Joachimsthal[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Liselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joachimsthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  3. Land Brandenburg, Der Landeswahlleiter
  4. Stolpersteine
  5. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3