Joannes Baptista Sproll

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Bischof Sproll, 1916
Bingen am Rhein - Hildegardfest - Bischof Sproll (rechts)

Joannes Baptista Sproll (* 2. Oktober 1870 in Schweinhausen; † 4. März 1949 in Rottenburg am Neckar) war der siebte römisch-katholische Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und erklärter Gegner des nationalsozialistischen Regimes. Sein Wahlspruch: Fortiter in fide, (Kräftig im Glaube).

Leben[Bearbeiten]

Joannes Baptista Sproll stammte aus einfachen Verhältnissen und wurde als Sohn des Straßenwärters Josef Sproll und seiner Ehefrau Anna Maria geb. Freuer geboren. Sproll besuchte die Lateinschule in Biberach und das Gymnasium Ehingen. Er studierte von 1890 bis 1894 katholische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Am 16. Juli 1895 empfing er die Priesterweihe. 1898 wurde er mit einer Arbeit über die Rechts- und Verfassungsgeschichte des Tübinger St. Georgen-Stiftes zum Dr. phil. promoviert. Sproll war Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Alamannia Tübingen im KV.

Im Jahre 1909 wurde Sproll Pfarrer in Kirchen im Oberamt Ehingen. 1912 erfolgte die Erhebung zum Domkapitular, womit ein Mandat in der Kammer der Standesherren des Württembergischen Landtags verbunden war. 1913 wurde Sproll Generalvikar und 1915 zum Weihbischof der Diözese Rottenburg ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm Bischof Paul Wilhelm Keppler am 18. Juni 1916. Mitkonsekratoren waren der Mainzer Bischof Georg Heinrich Maria Kirstein sowie der Brixener Weihbischof Sigismund Waitz.

In den Jahren 1919 bis 1920 war er für die Deutsche Zentrumspartei Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung des freien Volksstaates Württemberg. Von 1913 bis 1928 war der geschichtsinteressierte Sproll Vorstand des traditionsreichen Sülchgauer Altertumsverein e. V. in Rottenburg.

Bekannt wurde Sproll auch durch seine Ablehnung des Frauensports, den er aus Gründen der "Unschicklichkeit" nicht befürwortete.[1]

Bischofswahl[Bearbeiten]

Gedenktafel in Rottenburg

Als der langjährige Bischof von Rottenburg Paul Wilhelm von Keppler im Juni 1926 starb, war zunächst unklar, auf welchem Weg der neue Bischof zu bestimmen sei. Bei zuvorgegangenen Bischofswahlen hatte das Domkapitel ein Vorschlagsrecht für das Bischofsamt, der württembergische König hatte aber das alleinige Bestimmungsrecht. Nach dem Fall der Monarchie 1918 fiel das Kirchenregiment der württembergischen Krone weg, so dass das Domkapitel zunächst der Meinung war, den Bischof frei wählen zu können. Der amtierende Nuntius der katholischen Kirche in Deutschland Pacelli, der spätere Papst Pius XII. hielt dem aber das seit 1917 geltende Kirchenrecht entgegen, nach welchem allein der Papst das Recht zur Ernennung der Bischöfe habe. Man einigte sich schließlich darauf, dass der Heilige Stuhl drei Kandidaten vorschlagen solle, aus welchen das Domkapitel dann den späteren Bischof zu wählen habe.

Zur Wahl wurden vom Heiligen Stuhl schließlich Joannes Baptista Sproll, der Breslauer Professor Ludwig Baur sowie der Direktor des Tübinger Wilhelms-Stifts Georg Stauber vorgeschlagen. Mit sechs von sieben Stimmen wurde Sproll zum neuen Rottenburger Bischof gewählt, seine Inthronisation wurde für den April 1927 angesetzt.

Nachdem aber in Rom um die Bestätigung der Wahl und Ausfertigung der Ernennungsbulle gebeten wurde, setzte sich ein Ränkespiel in Bewegung: Der Tübinger Moraltheologe und Professor Otto Schilling, der sich selbst gern für das Bischofsamt ins Gespräch gebracht hätte und welchem die vorgeschlagenen Kandidaten zu liberal ausgerichtet waren, schrieb einen Denunziationsbrief an Pacelli, in welchem er seine sämtlichen Tübinger Kollegen übel beleumundete, nicht zuletzt aber Sproll bezichtigte, Vater eines illegitimen Kindes zu sein. Pacelli beauftragte, statt Sproll selbst auf den Sachverhalt anzusprechen, den Bischofskandidaten Stauber mit der Aufklärung der Sachlage. Dieser fand heraus, dass es sich um einen Racheversuch zweier Sproll bei Ehingen unterstellter Lehrer handelte, der jeder wahren Grundlage entbehrte.

Während der Klärung des Sachverhaltes hatte Rom allerdings inzwischen den geplanten Inthronisierungstermin für Sproll verstreichen lassen, so dass er erst am 14. Juni 1927 als neuer Bischof der Diözese Rottenburg eingesetzt werden und seine Amtsgeschäfte übernehmen konnte.[2]

Widerstand gegen die NS-Diktatur[Bearbeiten]

Inschrift St. Martin Erolzheim 1943

Schon früh hatte Sproll erkannt, dass der „Nationalsozialismus mit dem Christentum nicht vereinbar ist“ und predigte gegen die Nationalsozialisten.[3] Während der NS-Zeit bezog der Bischof öffentlich Stellung gegen das Terror-Regime, seine Enthaltung bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs am 10. April 1938 führte zu einem Ermittlungsverfahren und inszenierten Demonstrationen gegen ihn. Am 23. Juli 1938 wurde Sproll seiner Diözese verwiesen, in die er erst 1945 zurückkehren konnte. Er lebte während dieser Zeit im Krumbad, einem Ortsteil der Stadt Krumbach (Schwaben), heute Landkreis Günzburg im Bistum Augsburg. Anlässlich einer Männerwallfahrt am 19. September 1939 äußerte sich Sproll, wie einem Vermerk seiner Akte zu entnehmen, positiv über Juden und deren Religion, negativ jedoch zur Reichspogromnacht.[4] Am 1. August 1940 protestierten in Berlin Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg und der Generalvikar der Diözese Rottenburg Max Kottmann im Auftrag von Sproll wegen des Euthanasieprogramms (der Krankenmorde) in der NS-Tötungsanstalt Grafeneck, dies war ein Jahr vor dem öffentlichen Protest des Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen. Über den Krieg fand Sproll hingegen ähnliche Worte wie viele seiner Amtsbrüder. Er schrieb: "Schon sind ja aus allen unseren Gemeinden, dem Ruf des Führers folgend, die waffenfähigen Männer zum Schutz von Haus und Herd an die Grenzen geeilt. ... Gott sei mit allen, die sie die schwere Kriegsarbeit auf sich genommen haben, und verleihe ihnen Mut und Kraft, für das teure Vaterland siegreich zu kämpfen oder mutig zu sterben." [5]

Seligsprechungsverfahren[Bearbeiten]

Am 19. April 2006 hat Bischof Gebhard Fürst in der römischen Kirche San Bartolomeo all'Isola (die der Erinnerung an die Märtyrer des 20. Jahrhunderts gewidmet ist) Andenken an Bischof Joannes Baptista Sproll und den Württemberger Staatspräsidenten Eugen Bolz niedergelegt. Bei der Einweihung des neu gestalteten Eugen-Bolz-Platzes in Rottenburg am Neckar am 7. Oktober 2007 erklärte Bischof Dr. Gebhard Fürst: „Ein Seligsprechungsverfahren für Bischof Joannes Baptista Sproll ist seit längerem in Vorbereitung". Am 20. Januar 2011 konstituierte sich der Arbeitskreis Bischof Sproll. Auf dessen Anstrengungen wurde am 9. Mai 2011 das Seligsprechungsverfahren für Bischof Sproll durch einen feierlichen Gottesdienst in der Sülchenkirche bei Rottenburg am Neckar offiziell eröffnet. Eine Verehrung der Person Sproll darf nun beginnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sigrid Brüggemann: Die Verfolgung katholischer und evangelischer Geistlicher. In: Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-89657-138-0, S. 220–248.
  • Dominik Burkard: Joannes Baptista Sproll

. Bischof im Widerstand. Kohlhammer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-17-021492-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joannes Baptista Sproll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Hubert Wolf: Papst & Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich. C.H. Beck (becksche Reihe), 2012, S. 63. ISBN 978-3-406-63090-3
  2. Hubert Wolf: Tapfer im Glauben - Neue Erkenntnisse über Joannes Baptista Sproll (PDF; 51 kB), SWR 2, 22. März 2009
  3. Bistum Rottenburg-Stuttgart: Bischof-Sproll-Bildungszentrum Biberach – Schule für ein christliches Leben; 16. Oktober 2005
  4. Bischof Dr. Gebhard Fürst in www.drs.de 8. März 2009
  5. Hirtenwort Sprolls am 10. September 1939 nach www.reimbibel.de/Kirche-im-Dritten-Reich.htm
Vorgänger Amt Nachfolger
Paul Wilhelm von Keppler Bischof von Rottenburg
1927–1949
Karl Joseph Leiprecht