Joaquín Lavín

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Joaquín Lavín

Joaquín José Lavín Infante (* 23. Oktober 1953 in Santiago de Chile) ist ein chilenischer Politiker und Mitglied der stark rechtsgerichteten Unión Demócrata Independiente (UDI), die in den 1980er-Jahren gegründet wurde. Er kandidierte bei den Präsidentschaftswahlen 1999/2000 und 2005/2006 erfolglos für das Amt des chilenischen Präsidenten. Von 2010 bis 2011 war er als Bildungsminister tätig.

Leben[Bearbeiten]

Unter Pinochet[Bearbeiten]

Lavín galt während der Diktatur als Verehrer Augusto Pinochets und gehörte zu den Mitbegründern der rechtsgerichteten Partei Unión Demócrata Independiente. Zu seinen Ziehvätern gehörten neben dem Diktator auch dessen ideologischer Berater Jaime Guzmán.[1]

Lavín stand den Chicago Boys nahe, die während der Regierungszeit Pinochets die Wirtschaft des Landes reformierten. In den Jahren 1981 bis 1986 war Lavín Herausgeber des Wirtschaftsteils der einflussreichen Zeitung El Mercurio. Er leitete später eine behutsame Distanzierung von Pinochet ein.

Seit der Transition[Bearbeiten]

Seit 1992 war er Bürgermeister des Reichenviertels Las Condes in der Hauptstadt Santiago de Chile und wurde 1997 mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember 1999 und der Stichwahl im Januar 2000 trat Lavín als Kandidat der Alianza por Chile an. Es war das erste Mal seit der Transition, dass sich die beiden rechtsgerichteten Parteien UDI und die Renovación Nacional (RN) sich auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. Der aussichtsreichste Kandidat der RN, Sebastián Piñera, konnte sich in einem internen Machtkampf nicht gegen Lavín durchsetzen, wurde aber dessen Wahlkampfmanager. In seinem Wahlprogramm forderte Lavín mehr Arbeit, eine bessere Gesundheitsversorgung und weniger Kriminalität, womit er in erster Linie die ärmere Bevölkerung ansprach. Er versuchte die Botschaft zu vermitteln, dass die bisherigen Politiker ausgedient hätten, und stattdessen ein neuer Politikertyp gefordert sei. Dies brachte ihm Kritik ein, da auch Pinochet während der Militärdiktatur stets abfällig über die „Herren Politiker“ gesprochen hatte.[1] Im ersten Wahlgang erzielte Lavín 47,3 Prozent der Stimmen, womit er nur knapp hinter dem Kandidaten des Regierungsbündnisses, Ricardo Lagos, lag, der 47,9 Prozent bekommen hatte. Die Stichwahl konnte Lagos schließlich für sich entscheiden.

Lavín in einer Fernsehdebatte im Oktober 2005

Bei den Präsidentschaftswahlen 2005/2006 kandidierte Lavín abermals, diesmal jedoch nur für die UDI, weil das rechte Bündnis zerbrochen war. Die RN schickte mit dem 1999 noch glücklosen Sebastián Piñera einen eigenen Kandidaten ins Rennen. Lavín setzte sich im Wahlkampf dafür ein, die soziale Ungleichheit bekämpfen zu wollen und Gefängnisse auf entlegene Inseln bauen zu lassen.[2] Im ersten Wahlgang landete Lavín mit 23,2 Prozent der Stimmen nur auf dem dritten Platz und konnte sich im Gegensatz zu Piñera nicht für die Stichwahl qualifizieren. Noch am Wahlabend sicherte er Piñera seine Unterstützung für die Stichwahl zu, die jedoch die Kandidatin des Regierungsbündnisses, Michelle Bachelet, gewann. Nachdem Piñera die Präsidentschaftswahlen in Chile 2009/2010 gewonnen hatte, machte er Lavín in seinem Kabinett zum Minister für Bildung.

Rücktritt[Bearbeiten]

Infolge der bis heute anhaltenden Studentenproteste in Chile musste dieser jedoch im Juli 2011 von seinem Amt zurücktreten. Den Forderungen nach kostenloser, entprivatisierter und besserer Bildung - „egalitäre, öffentliche und kostenlose Bildung", ist in der chilenischen Verfassung als soziales Recht festgeschrieben[3] - hatte Lavín nur Lippenbekenntnisse folgen lassen. Zudem wurde ihm vorgeworfen, er würde über seine Beteiligung an der privaten Universidad de Desarrollo vom derzeitigen Bildungssystem profitieren, weshalb er kaum an Reformen interessiert sein könne.[4] Sein Nachfolger wurde der bisherige Justizminister Felipe Bulnes, Lavín wechselte an die Spitze des Planungsministeriums.[5]

Privates[Bearbeiten]

Lavín hat sieben Kinder. Er ist Mitglied der katholischen Personalprälatur Opus Dei.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJens Holst: Zitterpartie für Lagos. In: Lateinamerika Nachrichten Nr. 307. Januar 2000, abgerufen am 1. Februar 2012 (deutsch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Simon: Eine Präsidentin zum Anfassen? In: Lateinamerika Nachrichten Nr. 378. Dezember 2005, abgerufen am 1. Februar 2012 (deutsch).
  3. Protest gegen das teuerste Bildungssystem der Welt. Der Kampf der chilenischen Studierenden gegen das von der Diktatur geerbte neoliberale Entwicklungsmodell
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDavid Rojas-Kienzle: Bildung statt Privatschulen. In: Lateinamerika Nachrichten Nr. 445/446. Juli/August 2011, abgerufen am 1. Februar 2012 (deutsch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNicole Jullian/Pablo Jullian: Diesmal mit Nachdruck. In: Lateinamerika Nachrichten Nr. 447/448. September/Oktober 2011, abgerufen am 1. Februar 2012 (deutsch).
  6. Verbürgt durch diesen Artikel einer chilenischen Tageszeitung, in dem die Kabinettsmitglieder vorgestellt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joaquín Lavín – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien