Jockey International

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Jockey-Unternehmenslogo (2010)

Die Jockey International, Inc. ist ein international tätiger, US-amerikanischer Hersteller sowie Groß- und Einzelhändler von Tag- und Nachtwäsche. Das Unternehmen wurde 1876 als S.T. Cooper & Sons im Mittleren Westen gegründet und ist seither in Familienbesitz.

In Deutschland ist die Marke Jockey seit 1951 auf dem Markt.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Älteres Jockey-Logo mit dem 'Jockey Boy'

1876 gründete Samuel Thrall Cooper (* 1824, † 1892), ein pensionierter Pastor, mit seinen Söhnen Charles und Willis (beide 1903 durch Feuer ums Leben gekommen) sowie Henry († 1924) in St. Joseph, Michigan das Unternehmen S.T. Cooper & Sons. Zwei Jahre später wurden bereits 90 Mitarbeiter beschäftigt. Die Firma stellte die ersten 22 Jahre nach ihrer Gründung erfolgreich Woll-Socken und Strümpfe - zunächst für Waldarbeiter, für welche es keine robusten Qualitäts-Socken auf dem Markt gab - schließlich für Herren, Damen und Kinder her.[1] Ende der 1890er Jahre wurde der Firmensitz auf die andere Seite des Lake Michigan, nach Kenosha, Wisconsin verlegt, wo sich am gleichen Standort bis heute die internationale Firmenzentrale befindet. Erst 1898 wurde das Portfolio um Herren-Unterwäsche erweitert. Zur Jahrhundertwende firmierte das Unternehmen als Cooper Underwear Company. Nach dem Tod von Charles und Willis war Henry alleiniger Eigentümer des Unternehmens. Ein Verkaufsschlager war zu dieser Zeit der sogenannte Union Suit, eine einteilige Hemdhose mit langem Arm und Bein aus Wirkware. Nach sehr erfolgreichen Jahren wurde der Firmenname 1929 erneut geändert, in Cooper's Inc.. Infolge präsentierte das Unternehmen einen kurzen, ärmellosen Einteiler ins Shorts-Form namens Singleton. 1934 führte man - inspiriert von einer Postkarte von der Französischen Riviera, auf welcher ein Mann mit einem enganliegenden Herren-Badeanzug abgebildet war - einen knapp geschnittenen, modernen Slip ohne Oberteil unter dem Namen Jockey Brief (benannt in Anlehnung an den Jockstrap) ein. Den Markennamen Jockey ließ sich das Unternehmen rechtlich schützen. Der sensationelle Verkaufserfolg dieses Modells ebnete den Weg für neue Modelle und die internationale Expansion des Unternehmens. 1935 wurde der Y-Front Brief präsentiert, eine Weiterentwicklung des Jockey Brief mit Eingriff und Verstärkungs-Nähten in Form eines umgedrehten Ypsilons.

Die erste ausländische Lizenz wurde 1936 nach Kanada vergeben, 1938 folgten Großbritannien und Australien und schließlich andere europäische Märkte.[2] Das Unternehmen betrieb eine liberale Lizenzpolitik, wenngleich unter der Maßgabe hoher Qualitätsstandards, was dennoch dazu führte, dass Jockey in den verschiedenen Märkten jeweils einen unterschiedlichen Marken-Auftritt hatte. 1938 veranstaltete Cooper's werbewirksam auf einer Fach-Messe die 'Cellophane Wedding' (dt.: 'Zellophan-Hochzeit'), den Auftritt eines als Brautpaar eingekleideten Model-Paares, welches aus Cellopahn gefertigte, transparente Festkleidung und darunter gut sichtbare Jockey-Unterwäsche trug. Es wurden in den folgenden Jahren prominente Werbeträger, wie Babe Ruth, Yogi Berra oder Bart Starr, für das Unternehmen gewonnen. Dennoch machte die amerikanische Wirtschaftskrise dem Unternehmen schwer zu schaffen. Ab 1940 führte Cooper's eine stilisierte Jockey-Figur, den Jockey Boy, als Markenzeichen des Unternehmens ein und betätigte sich als Sponsor im Pferde-Rennsport. Während des Zweiten Weltkriegs fertigte Cooper's Wirkwaren für die US-Armee. In den folgenden Jahren wurden erstmals der Markenname Jockey außen auf das Saumband der Unterwäsche gestickt, aktiv Print- und schließlich Fernsehwerbung (1958) für die Marke betrieben und zahlreiche neue Modelle vorgestellt, wobei die europäischen Lizenznehmer hierbei oftmals als modische Vorreiter fungierten. Erst 1971 wurde aus der Cooper's, Inc. die Jockey Menswear, Inc., und schließlich 1972 Jockey International, nachdem der seit 1930 im Unternehmen tätige und seit 1961 als Geschäftsführer von Cooper's fungierende Harry S. Wolf das Unternehmen kaufte.

Für das Cover des Rolling Stones Albums Sticky Fingers kreierte Andy Warhol, der selbst als Jockey-Träger bekannt war, 1971 eine mit einem $-Zeichen verzierte Y-Front Brief von Jockey, welche bis heute als Kunstwerk erhalten blieb.[3][4][5] Nach dem Tod des Firmen-Eigentümers Harry Wolf 1978 übernahm dessen Tochter Donna Wolf Steigerwaldt die Leitung der Firma. Ab Anfang der 1980er Jahre kamen auf dem amerikanischen Markt auch Damen-Wäsche und -Strümpfe von Jockey hinzu. Der beliebte Baseball-Spieler Jim Palmer wurde 1980 das prominente Gesicht der Jockey-Werbekampage. 1981 fertigte Jockey Unterwäsche für die Designer-Marke Yves Saint Laurent.[6] Innovationen der folgenden Jahre waren unter anderem der Einsatz von Elastan in Unterwäsche, Modelle ohne Naht oder formstützende 3D-Wäsche.[7] Das erste eigene Jockey-Geschäft im Ausland wurde 1991 in Straßburg eröffnet. Mitte der 1990er Jahre wurde der Slogan "Jockey or nothing" mit zwei einander nachlaufenden Strichmännchen, eins davon in Boxershorts gekleidet, lanciert. Jockey fertigte Mitte der 1990er in den USA in Lizenz Unterwäsche für Perry Ellis und Tommy Hilfiger und ab den 2000er Jahren auch für Liz Claiborne. Das eigene Sortiment war seit den 1960ern um Sportswear-Bekleidung (Hemden, Pullover, Hosen, Jacken, Mützen etc.) erweitert worden. Mitte der 1990er wurden vier Produktionsstätten in den USA geschlossen und nach Mittelamerika verlegt. Die Webseite des Unternehmens ging 1997 online, auf welcher ab 1999 auch eingekauft werden konnte. Ab 2000 war Jockey auf dem chinesischen Markt erhältlich. Donna Wolf Steigerwaldt starb 2000 und ihre Tochter Debra Waller übernahm 2001 die Geschäftsführung von Jockey. Im gleichen Jahr wurde zusammen mit dem Kosmetikhersteller Parlux Fragrances das Parfüm Jockey Physical, jeweils für Damen und Herren, lanciert. Die Zusammenarbeit mit Parlux wurde 2004 wieder beendet. 2004 wurden auch die Fabriken in Kentucky geschlossen, die Standorte in Millen, Georgia und North Carolina blieben erhalten.

2006, anlässlich des 130-jährigen Firmenbestehens, wurde der Jockey Boy als Markenzeichen durch den sogenannten Jockey Swirl, einen Kreis, umgeben von drei stilisierten Sämlingen, ersetzt.[8] Die Marke Jockey ist in mehr als 120 Ländern weltweit erhältlich. Die größten Konkurrenten des Unternehmens auf dem amerikanischen Markt sind Calvin Klein (Wäsche-Sparte), Fruit of the Loom und HanesBrands (Hanes, Champion, Playtex, Wonderbra, L'eggs etc.).

Jockey in Deutschland[Bearbeiten]

'Jockey or nothing'

1951 erwarb die 1950 in Hechingen gegründete VOLMA Wirkwaren GmbH (benannt nach den Gründern Hans Vollmöller - einem Schweizer Fabrikanten und Enkel von Robert Vollmöller - sowie Reinhold und Christian Maute - Söhne des Trikotwarenfabrik-Gründers Heinrich Maute aus Bisingen) die Lizenz für die Produktion und den Vertrieb von Jockey-Artikeln auf dem deutschen Markt, später auch für die Benelux. Vollmöller hatte die Lizenz für den Schweizer Markt bereits 1942 erwirkt, allerdings kam eine Zusammenarbeit erst nach dem Weltkrieg zustande.[9] Besonders die 1980er Jahre stellten die wirtschaftliche Blütezeit von VOLMA und die im Mittelpreis-Segment angesiedelte Marke Jockey dar.[10] VOLMA lancierte 1990 die preislich etwa 25 % teurer als Jockey angesetzte Premium-Marke Moonday. Mitte der 1990er Jahre wurde noch vornehmlich in Portugal, Italien, Hongkong und Thailand gefertigt, ab Ende der 1990er wurde die Produktion immer mehr ins osteuropäische Ausland verlagert. [11][12] Im Laufe der Jahre kamen ab den 1970ern zum deutschen Jockey-Portfolio Bademoden, Herren-Nachtwäsche, eine Strick-Kollektion und schließlich sogar Oberhemden hinzu. Im KaDeWe in Berlin gab es einen Jockey/Moonday Shop-in-Shop. Ab den 2000er Jahren wurde VOLMA auch Polen als Lizenz-Markt zugeteilt.

VOLMA ging nach einer Krise auf dem Wäschemarkt und dem zunehmenden Schwund von Wäsche-Einzelhändlern 2002 in die Insolvenz.[13] Im gleichen Jahr war die Jockey Europe GmbH mit Firmensitz in Hechingen gegründet worden, ein Tochterunternehmen der amerikanischen Jockey-Muttergesellschaft, welche seither als Europa-Zentrale für Jockey fungiert. Die ca. 120 VOLMA-Mitarbeiter wurden entlassen, da die neue Jockey-Tochter, welche bezüglich Produktion und Beschaffung von Jockey International versorgt wurde, nur noch wenig Personal benötigte. Zuletzt machte VOLMA mit Jockey-Unterwäsche 50-60 % des Gesamt-Umsatzes von 30 Mio. Euro, der Rest entfiel auf Jockey-Sportswear und die eigene Marke Moonday. Die Sportswear-Kollektion (Pullover, Hemden,Poloshirts, und Bademoden) wurde infolge bis auf wenige Ausnahmen eingestellt. Die Marke Moonday wurde 2004 als Moonday-Fashion GmbH in Hirrlingen unabhängig von Jockey ausgegliedert. Die vier von Jockey International für Europa vergebenen Lizenzen, welche bis dahin uneinheitlich geführt worden waren, wurden zurückgeholt und einheitlich koordiniert. Erst 2008 wurde auch in Deutschland erstmals Damen-Wäsche von Jockey präsentiert; allerdings wurde dieses Segment 2010 wieder aufgegeben.[14] Von der on-web AG in Bietigheim-Bissingen wird ein Jockey-Onlineshop betrieben. In Europa gibt es zudem seit 2007 die hochpreisige Jockey by Coopers Heritage-Kollektion, eine Reihe neu aufgelegter Klassiker wie den Einteiler aus den Anfangsjahren des Unternehmens, die in Folge weltweit angeboten wurde. 2010 stellte die deutsche Jockey-Sparte die Damenwäsche ein.

General Manager der Europa-Zentrale von Jockey in Hechingen ist seit Mitte 2010 der Münchner Michael Dodt, ein ehemaliger Unterwäsche-Produktmanager bei Triumph International, Huber Tricot und Tommy Hilfiger. Deutschland stellt in Europa den größten Absatzmarkt für Jockey mit 50 % des europäischen Umsatzes dar. In Deutschland gibt es ca. 20 Jockey Shops-in-Shop, hauptsächlich in Karstadt-Warenhäusern. Das Unternehmen betreibt Outlets in Hechingen und in Uster.

Die Huber Tricot GmbH (heute: Huber Holding) war ab 1954 der österreichische Jockey-Lizenznehmer und ab 1972 auch der schweizerische, nachdem der vorherige Lizenznehmer, die Schweizer Vollmoeller AG aus Uster, aufgekauft worden war.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jockey-Firmengeschichte, jockey.de, abgerufen: 8. Oktober 2010
  2. Jockey Brand History - 1930s, jockeygear.com.au (engl.), abgerufen: 8. Oktober 2010
  3. Zerlegt -- Links- oder Rechtsträger?, NZZ Folio, Mai 2005
  4. Jockey 75th Y-Front Brief anniversary, dianepernet.typepad.com, 12. Dezember 2008
  5. Volker Goerhardt, Drapers Online, 18. April 2009
  6. Jockey Brand History - 1980s, jockeygear.com.au (engl.), abgerufen: 8. Oktober 2010
  7. Modemesse Düsseldorf: Wer hat, darf zeigen, Stern, 24. Juli 2006
  8. Jockey unveils new logo, Insider Retailing (engl.), 30 Juni 2006
  9. Jockey Brand History - 1940s, jockeygear.com.au (engl.), abgerufen: 8. Oktober 2010
  10. Jockey-Manager Michael Dodt: "Aus Hechingen kam die stärkste Power", Südwest-Presse, 16. Juli 2010
  11. Jockey: Neue Wege im Vertrieb, intensive Werbung auch in Zeiten des Umsatzrückgangs, Textilwirtschaft, 10. Oktober 1996
  12. Volma baut 60 Stellen ab, Zollern-Alb-Kurier, 22. September 1999
  13. Jockey-Lizenznehmer Volma insolvent, Textilwirtschaft, 18. Dezember 2002
  14. Jockey Europe stellt Damenwäsche-Linie ein, Textilwirtschaft, 20. Mai 2010