Mordfall Travis Alexander

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Der Mordfall Travis Alexander ist ein Kriminalfall der jüngeren US-amerikanischen Rechtsgeschichte mit einem außergewöhnlichen Medieninteresse.[1] Der 31-jährige Geschäftsmann Travis Alexander wurde am 4. Juni 2008 in seiner Wohnung in Mesa (Arizona) mit zahlreichen Messerstichen getötet. Das öffentliche Interesse war unter anderem deswegen so groß, weil die Gerichtsverhandlung gegen die Hauptverdächtige Jodi Arias vor laufenden Kameras stattfand, Gewalt und Pornografie zentrale Rollen spielten und sich die Angeklagte in Widersprüche verstrickte, die sie für das Schwurgericht zunehmend unglaubwürdig erscheinen ließen. Arias wurde der Mord (First Degree Murder) an ihrem Ex-Freund Travis Alexander nachgewiesen, wie das Gericht, der Maricopa County Superior Court, am 8. Mai 2013 bekannt gab.

Vorgeschichte und Mord[Bearbeiten]

Travis Alexander (* 28. Juli 1977) und Jodi Arias (* 9. Juli 1980) lernten sich 2006 auf einer Konferenz von Rechtsschutzversicherern in Las Vegas kennen. Alexander gehörte einer mormonischen Glaubensgemeinschaft, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an und führte Arias im November 2006 dort zur Taufe. Die beiden wurden im Februar 2007 ein Paar. Die Beziehung endete vier Monate später, jedoch unterhielten Alexander und Arias weiterhin eine sexuelle Beziehung. Im April 2008 zog Arias vom mormonisch geprägten Mesa in Arizona zu ihren Großeltern nach Kalifornien. Laut beim Prozess vorgelegten Indizien betrieb Arias gegenüber ihrem Ex-Freund Stalking, kaperte sein Facebook-Konto, hörte seinen Anrufbeantworter ab. Am 28. Mai fand im Haus der Großeltern ein vermeintlicher Einbruch statt, bei dem eine Schusswaffe im Kaliber .25 ACP[2] abhanden kam. Am 2. Juni mietete Jodi Arias in Kalifornien einen Wagen an, mit dem sie in den folgenden drei Tagen 4500 km zurücklegte.

Am 4. Juni 2008 starb Travis Alexander. Freunde fanden seinen durch 27 bis 29 Stichwunden verstümmelten Körper fünf Tage später in der Dusche seines Apartments in Mesa. Alexanders Hals war durchtrennt, sein Kopf von einer Schusswaffe des Kalibers 6.35 durchlöchert.

Ermittlungen und Gerichtsverfahren[Bearbeiten]

Die Polizei fand im Bad die DNA von Alexander und Arias. In der Waschmaschine befand sich eine kürzlich von Alexander gekaufte Digitalkamera; auf dem gelöschten Speicherchip fanden die Ermittler Fotos, die die beiden in sexuell zweideutigen Posen zeigten, aufgenommen am frühen Nachmittag des Mordtags. Das letzte Foto, auf dem Alexander lebendig zu sehen war, stammte von 17:29 Uhr. Minuten später aufgenommene Fotos zeigten ihn stark blutend im Bad.

Jodi Arias wurde am 15. Juli in Kalifornien verhaftet und nach Arizona überführt. Sie lieferte im Laufe der Ermittlungen und des am 10. Dezember 2012 beginnenden Prozesses mehrere Versionen der Tat. Zunächst behauptete sie, sie hätte Alexander zuletzt im April 2008 gesehen und sei am Tag der Tat gar nicht in Arizona gewesen. Später gab sie zu, am fraglichen Tag in Alexanders Wohnung gewesen, aber von zwei Eindringlingen überfallen worden zu sein, die sie angegriffen und Alexander getötet hätten. In der letzten Version gab sie zu, Alexander selbst getötet zu haben, in Notwehr gegen häusliche Gewalt. An den Händen des Opfers fanden sich jedoch nur Schnittwunden, die auf eine Verteidigung hinwiesen, nicht auf einen Angriff.

Der Staatsanwalt forderte von Anfang an die Todesstrafe, während die Verteidigung auf verminderte Schuldfähigkeit wegen Notwehr plädierte. Mehrere Psychologen traten als Sachverständige auf; zeitweise standen eine posttraumatische Belastungsstörung Arias' wegen Misshandlung durch ihre Eltern und eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zur Diskussion. Später gab Arias an, von Alexander sexuell missbraucht worden zu sein; ein Sachverständiger legte die Theorie nahe, Alexander sei schon tot gewesen, als die Angeklagte ihn aufsuchte und ihm in den Kopf schoss.

Am 4. Februar 2013 trat die Angeklagte selbst in den Zeugenstand. In den achtzehn live von CNN übertragenen Prozesstagen verstrickte sie sich in so grobe Widersprüche, dass es die Jury am 8. Mai 2013 als bewiesen ansah, Arias sei des Mordes schuldig, also ein Urteil fällte, das in der Regel die Todesstrafe zur Folge gehabt hätte. Die Geschworenen konnten sich jedoch am 23. Mai 2013 nicht auf die Todesstrafe einigen, weswegen das Verfahren den Status mistrial (fehlgeschlagenes Verfahren) bekam und möglicherweise mit neuen Geschworenen zu Ende geführt wird, die dann nur noch darüber zu entscheiden haben, ob die Todesstrafe verhängt wird oder nicht. In den meisten anderen US-Bundesstaaten, die die Todesstrafe vollstrecken, erhält ein verurteilter Mörder bei über das Strafmaß unentschiedener Jury automatisch lebenslänglich.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Quellen zum Prozess bei CNN (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Huffington Post Jodi Arias Trial: An Over-The-Top Media-Spectacle vom 22. Mai 2013
  2. http://www.foxnews.com/opinion/2013/04/02/four-reasons-why-jodi-arias-should-be-found-guilty-murder/
  3. New York Times Mistrial Set in Penalty for a Killer in Arizona vom 24. Mai 2013