Joe Biden

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Joe Biden (2013)
Unterschrift von Joe Biden

Joseph Robinette „Joe“ Biden, Jr. (* 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Seit dem 20. Januar 2009 gehört er als 47. Vizepräsident der Vereinigten Staaten der Regierung von Präsident Barack Obama an. Er war von 1973 bis 2009 Mitglied des US-Senats und vertrat dort den US-Bundesstaat Delaware.

Frühe Karriere, Leben und Familie[Bearbeiten]

Biden wurde in Scranton (Pennsylvania) als Sohn von Joseph R. Biden, Sr. und Catherine Eugenia „Jean“ Finnegan geboren.[1][2] Er hat zwei Brüder, James Brian Biden und Francis W. Biden, und eine Schwester, Valerie (Biden) Owens.[3] Als er 10 Jahre alt war, siedelte seine Familie nach Claymont[2] über, wo er im vorstädtischen New Castle County aufwuchs. Bidens Vater arbeitete als Autoverkäufer. Im Jahr 1961 schloss Biden die katholische Archmere Academy in Claymont, Delaware ab[2], 1965 graduierte er an der University of Delaware in Newark[4] in den Schwerpunkten Geschichte und Politikwissenschaft.[2] Biden schloss 1968 am College of Law der Syracuse University mit dem Juris Doctor ab und arbeitete ab 1969 als Anwalt in Delaware. Seit 1991 leitet er ein Seminar über US-amerikanisches Verfassungsrecht an der Widener University School of Law.

Am 27. August 1966 heiratete Biden seine Highschool-Liebe Neilia Hunter in Skaneateles, New York. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Joseph Robinette III (* 1969), Robert Hunter (* 1970) und Naomi Christina (* 1971). Am 18. Dezember 1972 kamen Neilia und Naomi bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben, als ein Lastwagen mit ihnen kollidierte. Die beiden Söhne, die ebenfalls im Wagen waren, überlebten verletzt. Am 17. Juni 1977 heiratete Biden in New York City Jill Tracy Jacobs, mit der er eine weitere Tochter hat. Sowohl Joe als auch Jill Tracy sind katholisch.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Senator Joe Biden (links) mit seinem Kollegen Frank Church und dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat im Jahr 1979

Biden trat 1973 zu seiner ersten Amtszeit als US-Senator an und gewann seitdem fünf weitere Wahlen. Als regelmäßiger Bahnfahrer vertrat er im Senat die Interessen von Amtrak und sah sich als Interessenvertreter der Dover U.S. Airforce Base und der Hühnerverarbeitungsindustrie Delawares. Als Redner ist er bekannt für seine artikulierten und emotionalen, wenn auch oft langen Reden. Viele Jahre saß er im United States Senate Committee on the Judiciary und United States Senate Committee on Foreign Relations, in letzterem war er zuletzt Vorsitzender.

Im Justizausschuss war er von 1987 bis 1995 Vorsitzender und von 1981 bis 1987 sowie von 1995 bis 1997 als Ranking Minority Member. In seine Amtszeit als Vorsitzender fielen die stark umstrittenen Verhandlungen zu den Nominierungen der konservativen Supreme-Court-Richter Robert Bork (1987, vom Senat abgelehnt) und Clarence Thomas (1991).

Er war maßgeblich am Violent Crime Control and Law Enforcement Act (1994) beteiligt, der Waffenbesitz einschränkte, die Todesstrafe auf Bundesebene ausweitete und eine Reihe neuer Verbrechen in den Bereich der Bundesbehörden definierte wie bestimmte Immigrationsverbrechen, Hate Crimes, Bandenverbrechen oder Sexualverbrechen. Teil des Gesetzes war der Violence Against Women Act, der die Rechte von Frauen ausweitete. Ebenso war er 2003 Autor des RAVE Acts (Reducing Americans' Vulnerability to Ecstasy Act), der aufgrund seiner sehr umfassenden Maßnahmen Kritik der elektronischen Musikszene auf sich zog.[5]

Als Vorsitzender des International Narcotics Control Caucus beschäftigte sich Biden mit Gesetzen zur Anti-Drogenpolitik der USA. Als Mitglied des Ausschusses setzt sich Biden für weitere Maßnahmen gegen Flunitrazepam, MDMA (Ecstasy), Ketamin oder Steroide ein.[5]

Außenpolitisch war er bereits früh Anhänger einer aktiven und notfalls gewaltsamen US-Außenpolitik im Balkan. Er nannte Slobodan Milošević schon früh einen Kriegsverbrecher, setzte sich dafür ein, das Waffenembargo gegen die Gegner der Serben aufzuheben und bosnische Muslime militärisch zu trainieren. Sein Einsatz für Lufteinsätze der NATO war mit ausschlaggebend, Bill Clinton von dieser Option zu überzeugen.[5]

Nach den Anschlägen vom 11. September unterstützte Biden US-Präsident George W. Bush und forderte mehr Bodentruppen in Afghanistan; ebenso pflichtete er der Einschätzung bei, dass Saddam Hussein eliminiert werden müsse. Im Senat stimmte er der endgültigen Resolution zum Irak-Krieg zu, bereut diese Entscheidung wie andere führende Demokraten aber heute.[5]

Präsidentschaftskandidat[Bearbeiten]

Joe Biden mit Barack Obama in Springfield, Illinois, nach der offiziellen Vorstellung als Vizepräsidentschaftskandidat

Bei der Präsidentschaftswahl 1988 stieg Biden aus dem Rennen aus, nachdem Plagiatsvorwürfe gegen ihn erhoben worden waren. Er hatte eine Rede des britischen Labour-Vorsitzenden Neil Kinnock kopiert, die Einzelheiten zum persönlichen Leben enthielt, die in Kinnocks Fall stimmten, bei Biden aber nicht.[6] 2004 galt er aufgrund seiner Erfahrung als möglicher Außenminister unter einem Präsidenten John Kerry.

Für die Präsidentschaftswahl 2008 galt er seit 2004 als potenzieller Kandidat der Demokraten und erklärte am 27. März 2006, dass er kandidieren werde.[7] Nachdem er bei den Vorwahlen der Demokraten im US-Bundesstaat Iowa nur ein knappes Prozent der Stimmen auf sich hatte vereinen können, erklärte Biden 2008 seinen Ausstieg aus dem Rennen um die Präsidentschaft.[8]

Vizepräsidentschaft[Bearbeiten]

Biden bei seiner Vereidigung zum Vizepräsidenten, 20. Januar 2009
Biden im Oval Office mit Präsident Obama nach der Verabschiedung des Budget Control Act, Juli 2011
Vizepräsident Biden spricht am 11. September 2011 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum 10. Jahrestag der Terroranschläge vor dem Pentagon

Am 23. August 2008 erklärte Barack Obama ihn zum Vizepräsidentschaftskandidaten. Biden hatte nach seiner Resignation für die Präsidentschaftskandidatur angedeutet, er werde sich zwar nicht aktiv um die Vizekandidatur bemühen, sie jedoch annehmen, falls sie ihm angeboten werden würde. Der politisch erfahrene Biden sollte insbesondere in außenpolitischen Fragen die geringere Erfahrung Barack Obamas im Wahlkampf kompensieren. Auch galt Biden unter weißen Arbeitern als angesehen, womit er dem demokratischen Ticket weitere Stimmen bringen sollte. Am 4. November 2008 gingen Obama und Biden als Sieger der Präsidentschaftswahl hervor. Sie konnten in 28 Staaten die Mehrheit erringen, was 365 Stimmen im Electoral College brachte, während das republikanische Team aus John McCain und Sarah Palin nur 173 Stimmen erhielt.

Biden wurde am 20. Januar 2009 im Rahmen einer großen Zeremonie vor dem Kapitol in Washington als Vizepräsident vereidigt, wenige Minuten bevor Barack Obama den Eid für das Präsidentenamt leistete. Er löste damit George W. Bushs Vizepräsidenten Dick Cheney ab. Während sein Vorgänger das Vizepräsidentenamt äußerst energisch ausgeübt hatte, änderte Biden den Stil der Amtsführung. Er wolle im Hintergrund ein wichtiger Berater Präsident Obamas sein, so Biden.[9] Als Vizepräsident unterstützt er maßgeblich den Kurs des Präsidenten in Innen- und Außenpolitik. Mehrmals reiste Biden auch als Repräsentant Barack Obamas ins Ausland für Gespräche mit anderen Regierungen oder die Wahrnehmung zeremonieller Aufgaben, die häufig auch Vizepräsidenten zufallen. Biden galt ebenfalls als strenger Unterstützer der 2010 verabschiedeten Gesundheitsreform in den USA, die Präsident Obama vehement vorantrieb. Durch die Reform erhielten mehrere Millionen Amerikaner Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung. Im Sommer 2011 war Vizepräsident Biden einer der zentralen Figuren bei der Verabschiedung des Budget Control Act von 2011. Hintergrund war, dass aufgrund der steigenden amerikanischen Staatsausgaben die Schuldengrenze erhöht werden musste. Da jedoch die Republikanische Partei bei den Zwischenwahlen im November 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus errang (während die Demokraten nach wie vor in Kontrolle des Senats blieben) war eine Konsensfindung mit den Republikanern für die Obama-Regierung unausweichlich. Da sich die Verhandlungen über einen entsprechend langen Zeitraum hinzogen, drohte ohne gesetzliche Anhebung der Schuldengrenze die Zahlungsunfähigkeit des Staates. Beim Durchbruch, der im August 2011 gelang, war der Vizepräsident ein wichtiger Verhandlungsführer mit den Republikanern und deren Oppositionsführer John Boehner.[10] Auch in der Verabschiedung von arbeitspolitischen Gesetzen und der Steuerpolitik spielte Biden bisweilen eine wichtige Rolle in der Obama-Administration. Im Mai 2012 sorgte Joe Biden landesweit für Schlagzeilen, als er sich deutlich dafür aussprach in den ganzen USA homosexuelle Ehen zu ermöglichen. Bei einem Interview wenige Monate später erklärte Präsident Obama dies ebenfalls.

Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2012 konnten Obama und Biden erneut gewinnen. Im Vorfeld hatte es in US-Medien Spekulationen um Bidens Ersetzung (etwa durch Außenministerin Hillary Clinton oder New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo) gegeben, die Obama jedoch im Sommer 2012 ausräumte. Am 6. September 2012 wurde Biden gemeinsam mit Barack Obama auf dem Demokratischen Parteitag in Charlotte, North Carolina für eine zweite Amtszeit nominiert. Den Wahlkampf der Demokraten prägte er u. a. mit einem Ausspruch, den er mangels Wiederholungsmöglichkeit des Yes We Can aus 2008 immer wieder als Slogan einstreut: “Bin Laden is dead and General Motors is alive.” ([11], deutsch: „Bin Laden ist tot und General Motors lebt.“) Am 11. Oktober 2012 traf Biden im Rahmen einer Fernsehdebatte auf Paul Ryan, den republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten von Mitt Romney.[12] Ein klarer Gewinner der Debatte wurde jedoch nicht genannt.[13]

Biden wurde am 20. Januar 2013 im Weißen Haus erneut zum US-Vizepräsidenten vereidigt. Da der in der Verfassung festgeschriebene Tag, der 20. Januar nach der Wahl, auf einen Sonntag fiel, wurde die öffentliche Zeremonie zu seiner Vereidigung und jener Präsident Obamas am 21. Januar 2013 vor dem Kapitol abgehalten.

Nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School im Dezember 2012 erklärte Barack Obama, sein Stellvertreter Biden werde den Vorsitz über eine Arbeitsgruppe übernehmen, die sich mit einem künftigen gesetzlichen Verbot von assault weapons befasse. Bereits als US-Senator war Biden in ähnliche Arbeitsgruppen im Kongress involviert gewesen.[14]

Während des Bürgerkrieges in Syrien forderte Biden ein Eingreifen und sagte, dass Baschar al-Assad sein Volk nicht mehr regieren könne.[15]

Schriften[Bearbeiten]

  • Administration’s Missile Defense Program and the ABM Treaty: Hearing Before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, December 2004) ISBN 0-7567-1959-3
  • Examining The Theft Of American Intellectual Property At Home And Abroad: Hearing before the Committee On Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, May 2004) ISBN 0-7567-4177-7
  • Hearings to Examine Threats, Responses, and Regional Considerations Surrounding Iraq: Hearing before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, November 2003) ISBN 0-7567-2823-1
  • Strategies for Homeland Defense: A Compilation by the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, September 2003) ISBN 0-7567-2623-9
  • Putin Administration’s Policies toward Non-Russian Regions of the Russian Federation: Hearing before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, September 2003) ISBN 0-7567-2624-7
  • Threat of Bioterrorism and the Spread of Infectious Diseases: Hearing before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, September 2003) ISBN 0-7567-2625-5
  • How Do We Promote Democratization, Poverty Alleviation, and Human Rights to Build a More Secure Future: Hearing before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, June 2003) ISBN 0-7567-2478-3
  • Political Future of Afghanistan: Hearing before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, January 2003) ISBN 0-7567-3039-2
  • International Campaign Against Terrorism: Hearing before the Committee on Foreign Relations, U.S. Senate Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, January 2003) ISBN 0-7567-3041-4
  • Halting the Spread of HIV/AIDS: Future Efforts in the U.S. Bilateral & Multilateral Response: Hearings before the Comm. on Foreign Relations, U.S. Senate edited by Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, 2002) ISBN 0-7567-3454-1
  • Hague Convention On International Child Abduction: Applicable Law And Institutional Framework Within Certain Convention Countries Report To The Senate by Jesse Helms, Joseph R. Biden Jr. (Diane Publishing, April 2000) ISBN 0-7567-2250-0
  • Homeland security law and policy edited by William C. Nicholson with a foreword by Joseph Biden (C. C Thomas, 2005) ISBN 0-398-07582-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Joseph Biden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWilliam Addams Reitwiesner: Ancestry of Joe Biden. In: wargs.com. Abgerufen am 26. August 2003 (englisch).
  2. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJoe Biden Timeline. In: biden.senate.gov. Abgerufen am 26. August 2008 (englisch).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJoe Biden biography. In: 4biden.com. Abgerufen am 26. August 2008 (englisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBiden, Joseph Robinette, Jr. In: bioguide.congress.gov. Abgerufen am 26. August 2008 (englisch).
  5. a b c d  Michael Barone: The Almanac of American Politics. Univ of Chicago Pr, 2007, ISBN 978-0892341160.
  6. David Greenberg: The Write Stuff. Why Biden's Plagiarism Shouldn’t Be Forgotten. In: Slate, 25. August 2008.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBiden In; Gore Out. In: RollingStone.com. Rolling Stone, 21. März 2006, abgerufen am 26. August 2008 (englisch).
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJeff Zeleny: New Face and a Call for Change Shake Up the Democratic Field. In: NYTimes.com. The New York Times Company, 4. Januar 2008, abgerufen am 26. August 2008 (englisch).
  9. NY-Times Speaking Freely, Biden Finds Influential Role
  10. Politico: Joe Biden, Mitch McConnell and the making of a debt deal
  11. http://www.cbsnews.com/8301-503544_162-57505234-503544/biden-we-are-better-off-bin-laden-is-dead-and-general-motors-is-alive/
  12. Debates.org 2012 presidential debates
  13. Süddeutsche.de Biden attackiert, Ryan hält dagegen vom 12. Oktober 2012
  14. Obama will alle Waffenkäufer überprüfen lassen in DieZeit vom 16. Januar 2013
  15. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/sicherheitskonferenz-in-muenchen-biden-fordert-eingreifen-in-syrien-12048345.html