Joe Cocker

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Cocker beim Festival du Bout du Monde in Crozon, Frankreich (2013)
Joe Cocker mit typischer Bühnengestik (2003)

John Robert „Joe“ Cocker OBE (* 20. Mai 1944 in Sheffield, England; † 22. Dezember 2014 in Crawford (Colorado), USA) war ein britischer Rock- und Blues-Sänger.

Leben

Von 1944 bis Ende der 1960er Jahre

Cocker mit der Grease Band beim Woodstock-Festival (1969)

Joe Cocker wuchs in seinem Geburtsort Sheffield auf. Der gelernte Gasinstallateur begann seine Musikerkarriere im Alter von 15 Jahren in mehreren kleineren Bands in seiner Heimatstadt Sheffield. Seine erste Band war Vance Arnold and the Avengers (sein Künstlername war Vance Arnold), die immerhin einen Auftritt der Rolling Stones eröffnete. Die nächste Band hieß Big Blues (1963). Damals unterzeichnete Cocker einen Vertrag bei Decca Records, beendete seine Installateurtätigkeit und gründete schließlich The Grease Band (1966). 1968 schaffte er es zum ersten Mal mit seiner Musik in die britischen Singlecharts. Mit dem Song „Marjorine“, den er zusammen mit Chris Stainton komponierte, kletterte der Song im Mai 68 bis Platz 48.

Der große Durchbruch gelang ihm dann Ende 1968, mit einer Coverversion des Beatles-Liedes With a Little Help from My Friends, Platz 1 im Vereinigten Königreich,[1] in Deutschland Rang 3.[2] Um Finanzen oder Verträge kümmerte sich Cocker zunächst nur sehr nachlässig, so dass er im selben Jahr eine 56-tägige US-Tournee absolvieren musste, obwohl er sich gerade von seiner Band getrennt hatte und aufgrund der Vertragsbedingungen kaum finanziellen Nutzen daraus ziehen konnte. Seine Manager ließen ihn auf zahlreichen Festivals auftreten, um ihn zu bewerben.

Im August 1969 eröffnete er den dritten Tag des Woodstock-Festivals. Seine gefühlvolle zappelnde und zuckende Bühnengestik, die er vor dem Mikrofon pflegte, wurde von da an sein Markenzeichen. Ebenfalls 1969 trat er in den USA in Ed Sullivans Fernsehshow auf.

In den 1970er Jahren

Auch ein Großteil seiner weiteren Plattenerfolge waren Cover-Versionen wie She Came In Through the Bathroom Window, ebenfalls von den Beatles, oder The Letter von The Box Tops, beide 1970. Andere frühe Hits hatte Cocker mit Cry Me a River (1970), im Original 1955 von Julie London, Dave Masons Feelin’ Alright (1969/1972) und das von Billy Preston und Bruce Fisher geschriebene You Are so Beautiful (1974), die sich allesamt, teilweise als Live-Versionen, in den Top-40 der US-Billboard-Charts platzieren konnten.[3]

Ein wichtiger Songwriter für Cocker war Leon Russell, der für ihn unter anderem den britischen Top-Ten-Hit Delta Lady[1] im Jahr 1969 komponierte, die als Mad Dogs & Englishmen bekannte Tournee organisierte und auch selbst als Gitarrist und Keyboarder zur Band gehörte. Während der 56-tägigen Tour quer durch die USA, von Detroit nach San Bernardino (Kalifornien), spielte Cocker 1970 zusammen mit einer Big Band von 40 Musikern das gleichnamige Live-Album ein, das in Großbritannien bis auf Platz 16 der LP-Charts kam.[4]

Zusammen mit dem ebenfalls in Sheffield 1944 geborenen Bassisten Chris Stainton verfasste Cocker aber auch eigene Songs. Stainton war schon in Cockers frühen Bands Mitglied, gehörte zur Live-Formation beim Woodstock-Festival und auf der Mad Dogs & Englishmen Tour, und war bis einschließlich des 1972 erschienenen Albums Something to Say an nahezu allen Aufnahmen beteiligt. Während dieser Zusammenarbeit entstanden Lieder wie High Time We Went (Platz 22 in den USA[3]), Pardon Me Sir oder Woman to Woman, dessen Groove und markantes Piano-Riff unter anderem von 2Pac in dessen 1996er Top-Hit California Love gesampelt wurde.[3]

Joe Cocker in Dublin, Irland (1980)

Anfang der 1970er Jahre bekam Cocker Probleme mit verschiedenen Suchtmitteln, was sich negativ auf die Qualität und den Verkauf seiner Musik auswirkte. Nach seinen ersten Erfolgen hatte er bald wieder Geldprobleme. Laut eigener Aussage vergaß Cocker zudem einen 100.000 Dollar-Scheck in seiner Jeans, die seine Mutter in der Waschmaschine gewaschen hatte. Er habe sich auch nicht darum bemüht, einen Ersatzscheck zu bekommen, weil er drogenabhängig war.[5]

Jahrelang nahm er nichts Neues auf, sondern tourte permanent, um seine Rechnungen zahlen zu können. Psychische Probleme machten seine Konzerte oftmals zu einem Risiko und führten 1974 sogar zu einem Haftaufenthalt. Wegen dieses Haftaufenthaltes aufgrund von verschiedenen Straftaten (unter anderem Drogendelikten und Körperverletzung) konnte ein Konzert in Wien nicht stattfinden.

Seit den 1980er Jahren

1981 ging er eine Kooperation mit den Crusaders ein. Er veröffentlichte den Titel I'm So Glad I'm Standing Here Today und das Album Sheffield Steel (1982). Cocker landete in den folgenden Jahren mehrere große Charts-Hits wie When The Night Comes (US Platz 11[3]), N’oubliez jamais, Unchain My Heart (von Bobby Sharp) oder Up Where We Belong im Duett mit Jennifer Warnes (Platz 1 in den USA,[3] 7 im UK,[1] 6 in D[6]). Randy Newmans You Can Leave Your Hat On wurde in Cockers Version 1986 weltberühmt. Der Song wurde im Film 9½ Wochen gespielt.

Am 11. Oktober 1987 heiratete Joe Cocker die US-amerikanische Erzieherin Pam Baker[7] und lebte danach recht zurückgezogen in Crawford, Colorado, wo er eine Ranch namens Mad Dog Ranch betrieb. Er besaß dort auch eine Eisdiele, die seine Frau führte.[8]

Ebenfalls 1987 kam es zur Zusammenarbeit mit dem deutschen Rocksänger und Komponisten Klaus Lage sowie dem Sänger, Komponisten, Liedermacher und Texter Diether Dehm. Unter anderem entstand der Titelsong Now, That You’re Gone für die WDR-Kinoproduktion Zabou. Im Jahr 1988 durfte Cocker als einer von wenigen westlichen Musikern zweimal vor insgesamt 170.000 Menschen[9] in der DDR auftreten, nämlich in Berlin und in Dresden, wo seitdem die Cockerwiese im Volksmund seinen Namen trägt. Cocker sang 1995 den Beck’s-Bier-Werbesong Sail Away (im Original von Hans Hartz) für die Bremer Brauerei Beck & Co.. 1996 trat er in der Fernsehproduktion Crossroads zusammen mit der Kelly Family auf. Unter anderem präsentierte er dort Up Where We Belong zusammen mit Kathy Kelly.

Seit den 2000er Jahren

2002 trat er zusammen mit Phil Collins und Brian May bei der Party at the Palace auf, das anlässlich des goldenen Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. stattfand.

Am 16. Juni 2007 wurde Joe Cocker von Königin Elisabeth II. zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt und am 22. September 2007 im Rahmen des SWR3 New Pop Festivals für sein Lebenswerk mit dem „Pioneer of Pop“ ausgezeichnet. Ebenfalls 2007 war Cocker in dem Film Across the Universe in einer Nebenrolle als Tramp, Zuhälter und Hippie zu sehen und dabei zum ersten Mal als Filmschauspieler tätig.[10]

Das im Oktober 2010 veröffentlichte Album Hard Knocks erreichte auf Anhieb die Spitze der deutschen Charts. Am 2. Februar 2013 erhielt er die Goldene Kamera für sein Lebenswerk.

Joe Cocker starb laut seinem Management in der Nacht auf den 22. Dezember 2014 in seinem Haus in Crawford, Colorado (USA) an den Folgen einer langjährigen Lungenkrebserkrankung.[11]

Galerie

Diskografie

Hauptartikel: Joe Cocker/Diskografie

Studioalben

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DeutschlandDeutschland OsterreichÖsterreich SchweizSchweiz Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
1969 Joe Cocker /
With a Little Help from My Friends
82
(3 Wo.)
29
(4 Wo.)
35 Gold
(37 Wo.)
Erstveröffentlichung: 23. April 1969
Verkäufe: + 500.000
Joe Cocker! 11 Gold
(53 Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. November 1969
Verkäufe: + 500.000
1972 Something to Say 50
(4 Wo.)
30
(21 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1972
1974 I Can Stand a Little Rain 11
(36 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1974
1975 Jamaica Say You Will 42
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: April 1975
1976 Stingray 70
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: April 1976
1978 Luxury You Can Afford 76
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1978
1982 Sheffield Steel 46
(13 Wo.)
105
(23 Wo.)
Erstveröffentlichung: 22. Mai 1982
1984 Civilized Man 7 Gold
(29 Wo.)
19
(2 Wo.)
5
(13 Wo.)
100
(1 Wo.)
133
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. Mai 1984
Verkäufe: + 250.000
1986 Cocker 4 Platin
(36 Wo.)
15
(14 Wo.)
3
(26 Wo.)
50
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Februar 1986
Verkäufe: + 500.000
1987 Unchain My Heart 2 3-fach Gold
(43 Wo.)
5
(46 Wo.)
6 2-fach Platin
(15 Wo.)
89
(27 Wo.)
Erstveröffentlichung: 9. Oktober 1987
Verkäufe: + 850.000
1989 One Night of Sin 2 Gold
(33 Wo.)
1 Platin
(44 Wo.)
1 Platin
(23 Wo.)
52
(30 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. Juni 1989
Verkäufe: + 320.000
1991 Night Calls 6 Platin
(40 Wo.)
4 Gold
(16 Wo.)
5 Gold
(27 Wo.)
25 Silber
(14 Wo.)
111
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. Oktober 1991
Verkäufe: + 595.000
1994 Have a Little Faith 3 Platin
(34 Wo.)
2 Gold
(17 Wo.)
2 Platin
(26 Wo.)
9 Gold
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. September 1994
Verkäufe: + 660.000
1996 Organic 5 Gold
(21 Wo.)
4
(16 Wo.)
8 Gold
(11 Wo.)
49
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 29. Oktober 1996
Verkäufe: + 275.000
1997 Across from Midnight 3 Platin
(48 Wo.)
3 Gold
(20 Wo.)
4 3-fach Gold
(28 Wo.)
Erstveröffentlichung: 29. August 1997
Verkäufe: + 585.000
1999 No Ordinary World 3 Platin
(21 Wo.)
5
(11 Wo.)
4 Gold
(14 Wo.)
63
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 9. September 1999
Verkäufe: + 525.000
2002 Respect Yourself 3
(14 Wo.)
12
(7 Wo.)
5 Gold
(18 Wo.)
51
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 10. Mai 2002
Verkäufe: + 20.000
2004 Heart & Soul 14
(11 Wo.)
23
(9 Wo.)
17
(7 Wo.)
61
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. September 2004
2007 Hymn for My Soul 8
(12 Wo.)
9
(8 Wo.)
4 Gold
(15 Wo.)
9 Silber
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. März 2007
Verkäufe: + 75.000
2010 Hard Knocks 1 Platin
(29 Wo.)
4
(13 Wo.)
2
(10 Wo.)
61
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. Oktober 2010
Verkäufe: + 200.000
2012 Fire It Up 5 Platin
(45 Wo.)
9
(7 Wo.)
5
(14 Wo.)
17
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. November 2012
Verkäufe: + 200.000

Auszeichnungen

sowie

Literatur

  • Julian P. Bean: Joe Cocker. The Authorised Biography. Virgin Books, London 2003, ISBN 1-85227-043-8. Ursprünglich als:
  • Julian P. Bean: Joe Cocker. With a Little Help from My Friends. The Authorized Biography. Omnibus Press, London/New York 1990, ISBN 0-7119-2226-8. Deutsche Übersetzung:
  • Julian P. Bean: With a Little Help from My Friends. Joe Cocker. Durch die Hölle zum Erfolg. Autorisierte Biographie. Hannibal-Verlag, Wien 1991, ISBN 3-85445-064-8.
  • Petra Zeitz: Joe Cocker. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1993, ISBN 3-404-61256-6.

Weblinks

 Commons: Joe Cocker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c everyhit.com, Suchmaske, „Joe Cocker“.
  2. Hit-Bilanz. Deutsche Chart Singles 1956–1980. Taurus-Press, ISBN 3-922542-24-7.
  3. a b c d e Joel Whitburn: The Billboard Book of Top 40 Hits, ISBN 0-8230-7690-3.
  4. everyhit.com, Suchmaske, „Joe Cocker“, Kategorie: Album.
  5. tagesspiegel.de: Sonntagsinterview: „Ich schrie – und der Himmel öffnete sich“
  6. Hit-Bilanz. Deutsche Chart Singles 1981–1987. Taurus-Press, ISBN 3-922542-34-4.
  7. Julian P. Bean: Joe Cocker. The Authorised Biography. Virgin Books, London 2003, ISBN 1-85227-043-8, S. 171.
  8. Der Rock- und Blues-Altmeister Joe Cocker zu Gast bei den NRW-Lokalradios. Interview von Monique van Schijndel mit Joe Cocker, 9. Mai 2007. Auf: RadioNRW.de, abgerufen am 30. April 2009.
  9. Kultur in der DDR. Exodus und kulturelle Eiszeit. Auf der Seite des Department of Germanic Studies, Trinity College, Dublin, tcd.ie, Version vom 23. April 2006, archiviert im Internet Archive.
  10. Joe Cocker in der Internet Movie Database (englisch)Vorlage:IMDb Name/Wartung/Gleiche Kenner in Wikipedia und Wikidata.
  11. Rocksänger Joe Cocker ist tot, Seite auf www.zeit.de, abgerufen am 22. Dezember 2014.
  12. Swr3.de: Joe Cocker - Sein Schrei machte ihn zur Rocklegende von Jörg Lange vom 23. Oktober 2014 abgerufen am 26. Dezember 2014
  13. Theguardian.com: Joe Cocker, Grammy-winning singer, dies at age of 70 abgerufen am 25. Dezember 2014
  14. " Mojo – Top 100 Singers Of All Time – Issue 66 – May 1999 abgerufen am 25. Dezember 2014
  15. Rolling Stone: "100 Greatest Singers of All Time Dezember 2010 abgerufen am 25. Dezember 2014