Joe Cocker

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Joe Cocker, 28. März 2003 in Hallandale, Florida

John Robert „Joe“ Cocker OBE (* 20. Mai 1944 in Sheffield, England) ist ein britischer Rock/Blues-Sänger. Er interpretiert oft Stücke anderer Interpreten.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biografie

Joe Cocker, von Beruf Gasinstallateur, begann seine Musikerkarriere im Alter von 15 Jahren in mehreren kleineren Bands in seiner Heimatstadt Sheffield. Seine erste Band war Vance Arnold and the Avengers (sein Künstlername war Vance Arnold), die immerhin einen Auftritt der Rolling Stones eröffnete. Die nächste Band hieß Big Blues (1963). Damals unterzeichnete Cocker einen Vertrag bei Decca Records, beendete seine Installateurtätigkeit und gründete schließlich The Grease Band (1966).

Cocker mit der Grease Band in Woodstock, August 1969

Sein erster großer Hit war Ende 1968 eine Cover-Version des Beatles-Liedes With a Little Help from My Friends, Platz 1 im Vereinigten Königreich,[1] in Deutschland Rang 3.[2] Um Finanzen oder Verträge kümmerte sich Cocker zunächst nur sehr nachlässig, so dass er im selben Jahr eine 56-tägige US-Tournee absolvieren musste, obwohl er sich gerade von seiner Band getrennt hatte und aufgrund der Vertragsbedingungen kaum finanziellen Nutzen daraus ziehen konnte. Seine Manager ließen ihn auf zahlreichen Festivals auftreten, um ihn zu bewerben.

Während der Gitarrist im Hintergrund spielt, ähneln seinen Bewegungen die Gesten Cockers. Hier in Amfi Hagilboa, Israel, 26. August 2008.

Beim Woodstock-Festival im August 1969 war er eine der Hauptattraktionen. Seine zappelnde und zuckende Bühnengestik, die er vor dem Mikrofon pflegte, wurden von da an sein Markenzeichen. Während des Gitarrensolos von With a Little Help from My Friends bildete er die Musik mit bloßen Händen nach und prägte so die Bewegungsformen der Luftgitarre. Ebenfalls 1969 trat er in den USA in Ed Sullivans Fernsehshow auf.

Auch ein Großteil seiner weiteren Plattenerfolge waren Cover-Versionen wie She Came in Through the Bathroom Window, ebenfalls von den Beatles, oder The Letter von The Box Tops, beide 1970. Andere frühe Hits hatte Cocker mit Cry Me a River (1970), im Original 1955 von Julie London, Dave Masons Feelin’ Alright (1969/1972) und das von Billy Preston und Bruce Fisher geschriebene You Are so Beautiful (1974), die sich allesamt, teilweise als Live-Versionen, in den Top-40 der US-Billboard-Charts platzieren konnten.[3]

Ein wichtiger Songwriter für Cocker war Leon Russell, der für ihn unter anderem den britischen Top-Ten-Hit Delta Lady[1] im Jahr 1969 komponierte, die als Mad Dogs & Englishmen bekannte Tournee organisierte und auch selbst als Gitarrist und Keyboarder zur Band gehörte. Während der 56-tägigen Tour quer durch die USA, von Detroit nach San Bernardino (Kalifornien), spielte Cocker 1970 zusammen mit einer Big Band von 40 Musikern das gleichnamige Live-Album ein, das in Großbritannien bis auf Platz 16 der LP-Charts kam.[4] So klapperte die Combo 48 Städte mit ihrer energetischen Blues-Show ab.

Zusammen mit dem ebenfalls in Sheffield 1944 geborenen Bassisten und Tastenmann Chris Stainton verfasste Cocker aber auch eigene Songs. Stainton war schon in Cockers frühen Bands Mitglied, gehörte zur Live-Formation beim Woodstock-Festival und auf der Mad Dogs & Englishmen Tour, und war bis einschließlich des 1972 erschienenen Albums Something to Say an nahezu allen Aufnahmen beteiligt. Während dieser Zusammenarbeit entstanden Lieder wie High Time We Went (Platz 22 in den USA[3]), Pardon Me Sir oder Woman to Woman, dessen Groove und markantes Piano-Riff unter anderem von 2Pac in dessen 1996er Top-Hit California Love gesampelt wurde.[3]

Anfang der 1970er Jahre bekam Cocker Probleme mit verschiedenen Suchtmitteln, was sich negativ auf die Qualität und den Verkauf seiner Musik auswirkte. Jahrelang nahm er nichts Neues auf, sondern tourte permanent, um seine Rechnungen zahlen zu können. Psychische Probleme machten seine Konzerte oftmals zu einem Risiko und führten 1974 sogar zu einem Haftaufenthalt. Wegen dieses Haftaufenthaltes aufgrund von verschiedenen Straftaten (unter anderem Drogendelikten und Körperverletzung) konnte ein Konzert in Wien nicht stattfinden.

In den 1980er Jahren ging es dank einer Kooperation mit den Crusaders bergauf. Das Album Sheffield Steel (1982) katapultierte ihn wieder nach ganz oben. Cocker landete in den folgenden Jahren mehrere große Charts-Hits wie When The Night Comes (US Platz 11[3]), N’oubliez jamais, Unchain My Heart oder Up Where We Belong im Duett mit Jennifer Warnes (Platz 1 in den USA [3], 7 im UK[1], 6 in D[5]). Für Up Where We Belong, den Titelsong des Films Ein Offizier und Gentleman, erhielt Cocker einen Oscar. Randy Newmans You Can Leave Your Hat On wurde in Cockers Version 1986 weltberühmt. Dieser Song wurde im Film 9 1/2 Wochen gespielt und wird seitdem gelegentlich bei Stripteases benutzt.

Am 11. Oktober 1987 heiratete Joe Cocker die US-amerikanische Erzieherin Pam Baker[6] und lebt seither recht zurückgezogen in Crawford, Colorado, wo er eine Ranch namens Mad Dog Ranch betreibt. Er besaß dort eine Eisdiele, die seine Frau führte.[7]

Joe Cocker, 28. Juli 2007

Ebenfalls 1987 kam es zur Zusammenarbeit mit dem deutschen Rocksänger und Komponisten Klaus Lage. Unter anderem entstand der Titelsong Now, That You’re Gone für die WDR-Kinoproduktion „Zabou“. Im Jahr 1988 durfte Cocker als einer von wenigen westlichen Musikern zweimal vor insgesamt 170.000 Menschen[8] in der DDR auftreten, nämlich in Berlin und in Dresden, wo seitdem die Cockerwiese im Volksmund seinen Namen trägt.

Im Werbespot war Cockers Sail Away lange mit dem Bild des „Beck’s-Schiffes“ Alexander von Humboldt verbunden.

Cocker sang 1995 den Beck’s-Bier-Werbesong Sail Away für die Bremer Brauerei Beck & Co.. 1996 trat er in der Fernsehproduktion Crossroads zusammen mit der Kelly Family auf. Unter anderem präsentierte er dort Up Where We Belong zusammen mit Kathy Kelly.

Am 16. Juni 2007 wurde Joe Cocker von Queen Elizabeth II. zum Officer des Order of the British Empire geschlagen und am 22. September 2007 im Rahmen des SWR3 New Pop Festivals für sein Lebenswerk mit dem „Pioneer of Pop“ ausgezeichnet. Ebenfalls 2007 war Cocker in dem Film Across the Universe in einer Nebenrolle als Tramp, Zuhälter und Hippie zu sehen und dabei zum ersten Mal als Filmschauspieler tätig.[9]

[Bearbeiten] Diskografie

[Bearbeiten] Alben

  • 1969: With a Little Help from My Friends
  • 1969: Joe Cocker!
  • 1970: Mad Dogs & Englishmen
  • 1972: Joe Cocker (auch bekannt als Something to Say)
  • 1972: Live in LA
  • 1974: I Can Stand a Little Rain
  • 1975: Jamaica Say You Will
  • 1976: Stingray
  • 1976: Space Captain (live)
  • 1978: Luxury You Can Afford
  • 1982: Sheffield Steel
  • 1984: Civilized Man
  • 1986: Cocker
  • 1987: Unchain My Heart
  • 1989: One Night of Sin
  • 1990: Joe Cocker Live
  • 1991: Night Calls
  • 1992: U.S.A. live (wurde nach kurzer Zeit vom Markt genommen, da das Label dieses Album noch nicht freigab)
  • 1994: Have a Little Faith
  • 1996: Organic
  • 1997: Across from Midnight
  • 1999: No Ordinary World
  • 2002: Respect Yourself
  • 2004: Heart & Soul
  • 2007: Hymn for My Soul

[Bearbeiten] Kompilationen

  • 1970: Cocker Happy
  • 1972: Pop Giants Vol. 29 Brunswick Silber Serie 2911 539
  • 1977: Greatest Hits
  • 1991: Feeling Alright ’68–’78 (Zounds, alle Titel digital remastert)
  • 1993: The Very Best of Joe Cocker
  • 1995: The Long Voyage Home
  • 1998: Greatest Hits
  • 2003: The Ultimate Collection 1968–2003

[Bearbeiten] Literatur

  • Julian P. Bean: Joe Cocker. The Authorised Biography. Virgin Books, London 2003, ISBN 1-852270-43-8. Ursprünglich als:
  • Julian P. Bean: Joe Cocker. With a Little Help from My Friends. The Authorized Biography. Omnibus Press, London/New York 1990, ISBN 0-711922-26-8. Deutsche Übersetzung:
  • Julian P. Bean: With a Little Help from My Friends. Joe Cocker. Durch die Hölle zum Erfolg. Autorisierte Biographie. Hannibal-Verlag, Wien 1991, ISBN 3-85445-064-8.
  • Petra Zeitz: Joe Cocker. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1993, ISBN 3-404-61256-6.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Joe Cocker – Bilder, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c everyhit.com, Suchmaske, „Joe Cocker“.
  2. Hit-Bilanz. Deutsche Chart Singles 1956–1980. Taurus-Press, ISBN 3-922542-24-7.
  3. a b c d e Joel Whitburn: The Billboard Book of Top 40 Hits. ISBN 0-8230-7690-3.
  4. everyhit.com, Suchmaske, „Joe Cocker“, Kategorie: Album.
  5. Hit-Bilanz. Deutsche Chart Singles 1981–1987. Taurus-Press, ISBN 3-922542-34-4.
  6. Julian P. Bean: Joe Cocker. The Authorised Biography. Virgin Books, London 2003, ISBN 1-852270-43-8, S. 171.
  7. Der Rock- und Blues-Altmeister Joe Cocker zu Gast bei den NRW-Lokalradios. Interview von Monique van Schijndel mit Joe Cocker, 9. Mai 2007. Auf: RadioNRW.de, abgerufen am 30. April 2009.
  8. Kultur in der DDR. Exodus und kulturelle Eiszeit. Auf der Seite des Department of Germanic Studies, Trinity College, Dublin, tcd.ie, Version vom 23. April 2006, archiviert im Internet Archive.
  9. Joe Cocker in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database.
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