Joel Sweeney

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Joel Sweeney

Joel Walker Sweeney (* 1810; † 29. Oktober 1860), auch bekannt als Joe Sweeney, war US-amerikanischer Musiker und Vertreter des frühen Blackface-Minstrel-Shows-Genres.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Geboren in eine Familie aus Buckingham County (jetzt Appomattox in Virginia), hat Sweeney nach eigenen Angaben das Banjospiel von ortsansässigen Afroamerikanern gelernt; er ist der erste, in schriftlichen Dokumenten benannte, Banjospieler mit weißer Hautfarbe und zugleich der erste Banjospieler, von dem Bühnenauftritte bekannt sind. [1] Neben seiner Rolle bei der Popularisierung dieses Instruments wird ihm oft der Bau des modernen fünfsaitigen Banjos zugeschrieben. Während zuvor die Resonanzkammer des Instruments aus einem gourd (wie bei den afrikanischen Vorläufern des Banjos und verwandten Instrumenten) bestand, führte Sweeney eine trommelartige Resonanzkammer ein. Der Legende nach soll er dafür eine Käseschachtel verwendet haben.[2] Ihm wird darüber hinaus die Einführung einer fünften Banjosaite zugeschrieben. Allerdings sind keine Belege dafür bekannt, dass diese Erfindungen tatsächlich von Sweeney eingeführt wurden; eine hochgestimmte, Daumen- oder Bordun-Saite (beim modernen Banjo die fünfte) ist bereits auf Instrumenten aus dem 18. Jahrhundert und auf Abbildungen aus der Zeit vor Sweeney zu sehen.[3]

Bis zu den 1830er Jahren wurde das Banjo ausschließlich von Afroamerikanern gespielt. Einige Musiker traten gegen Mitte der Dekade mit Musikstücken im „Louisiana Banjou style“ auf, setzen dabei jedoch eine Violine ein.[4]. 1839 trat Sweeney in mehreren Blackface-Minstrel Gruppen in New York auf. Der früheste dokumentierter Auftritt, bei dem er auf der Bühne Banjo spielte, war im April 1839. Im selben Monat spielte er an der Seite von James Sanford beim Broadway Circus in New York City mit einer Blackface-Burleske The Dying Moor's Defence of His Flag names "Novel Duetts, Songs, &c". Dieser Auftritt wurde von einem "Comic Border Morris by the whole company" (einem komischen Border-Morris-Tanz) begleitet.[5] Nach Billy Whitlock von den Virginia Minstrels, gab Sweeney diesem einige Banjo-Stunden.

Ab 1841 popularisierte Sweeney das Banjo als Musikinstrument für die Mittelklasse. In seinen Anzeigen wurde die „wissenschaftliche fundierte Perfektion“[6] gepriesen, mit der er das Instrument spiele. „Nur die, die Sweeny gehört haben, wissen, welche Musik im Banjo steckt.“[7] behauptete eine andere. Für einige Jahre setze Sweeneys Spiel den Standard, an dem andere Spieler gemessen wurden. Nach einem Auftritt von Dan Emmett im Bowery Amphitheatre Circus schrieb der New York Herald "Emmit's [sic] Banjospiel kann sich an dem Jo [sic] Sweeney's messen lassen und übertrifft das anderer Banjospieler aus den Vereinigten Staaten bei weitem."[8] Jenny Get Your Hoe Cake Done und Knock a Nigger Down wurden zwei von Sweeney's Signaturstücken.

Mit Einsetzen seines Erfolgs 1843 brach Sweeney zu einer Tour durch Europa auf mit Auftritten in London und Edinburgh. Im Juli 1843 spielte Sweeney während des Vorhangs (entr'acte) im Adelphi Theatre in Edinburgh. Dort lernte ihn Frank Brower, Mitglied der Virginia Minstrels, kennen und spielte während seines Auftritts die Brettchenklapper (engl. Bones). Danach tourten sie gemeinsam und traten im Oktober im Theatre Royal in Birmingham und im später selben Monat in einem Zirkus in Leicester auf. Brower trennte sich für eine Weile von Sweeney um mit Dan Emmett aufzutreten; bis er dann im Frühjahr wieder gemeinsam mit ihm auftrat.

Zu dieser Zeit traf sich Dick Pelham mit Sweeney und Brower, woraufhin sich das Trio entschloss, die Virginia Minstrels mit Sweeney as Banjospieler neu zu besetzen. Sie überredeten Emmett und überzeugten diesen davon, mitzumachen obgleich Sweeney von nun an Bandleader sein sollte. Die neuen Virginia Minstrels traten in Dublin im Theatre Royal während des Hauptvorhangs zwischen dem 24. April und dem 7. Mai auf, anschließend bis Ende Mai, sowohl als Entracte wie auch mit vollständiger Minstrelshow in Cork, Belfast, danach in Glasgow auf. Es schlossen sich Shows im Adelphi Theatre in London, später in den Waterloo Rooms in Edinburgh, gefolgt von einem weiteren Auftritt diesmal in der Glasgow City Hall an.

Joe Sweeneys starb 1860 in Appomattox; sein Grab kann im Appomattox Court House National Historical Park besichtigt werden.

Auch Joe Sweeney's jüngere Brüder Sampson ("Sam"), Richard ("Dick"), und seine Schwester Missouri waren ebenso talentierte Banjo- und Fiddlespieler.

Songs, die Sweeney zugeschrieben werden oder von ihm aufgeführt wurden[Bearbeiten]

Sweeny's Virginia Melodies
  • Jonny Boker
  • Jim Along Josey
  • Lynchburg Town
  • Alabama Joe
  • Jenny Get Your Hoecake Done
  • Old Tar River
  • Where Did you Come From? (Knock a Nigger Down)
  • Old Jim River (Mr. Brown)
  • Lucy Long
  • Ole Jaw Bone
  • Ole Virginny Breakdown

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. s. Cockrell, S. 148.
  2. s. Rice, S. 22.
  3. Carlin, Bob (2007). Birth of the Banjo: Joel Walker Sweeney and Early Minstrelsy. Jefferson, NC and London: McFarland & Co.
  4. The Boston Post vom 15. Oktober 1834. Zitiert bei Cockrell, S. 147
  5. New York Herald vom 26. Dezember 1839. Zitiert in Cockrell, S. 52.
  6. 18. März 1841. Playbill, Bowery Theatre. Zitiert nach Cockrell, S. 148.
  7. 9. Dez 1841. The Boston Post. Zitiert nach Cockrell, S. 148.
  8. 31. Januar 1842 . New York Herald. Zitiert in Cockrell, S. 149.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cockrell, Dale (1997). Demons of Disorder: Early Blackface Minstrels and Their World. Cambridge University Press.
  • Nathan, Hans (1962). Dan Emmett and the Rise of Early Negro Minstrelsy. Norman: University of Oklahoma Press.
  • Carlin, Bob (2007). Birth of the Banjo: Joel Walker Sweeney and Early Minstrelsy. Jefferson, NC and London: McFarland & Co.
  • Rice, Edward LeRoy (1911). Monarchs of Minstrelsy: From "Daddy" Rice to Date. New York: Kenny Publishing.

Weblinks[Bearbeiten]