Johan Micoud

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Johan Micoud

Johan Micoud 2006

Spielerinformationen
Geburtstag 24. Juli 1973
Geburtsort CannesFrankreich
Größe 185 cm
Position Mittelfeld
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1992–1996
1996–2000
2000–2002
2002–2006
2006–2008
AS Cannes
Girondins Bordeaux
AC Parma
Werder Bremen
Girondins Bordeaux
127 (17)
127 (27)
47 0(9)
123 (31)
61 (10)
Nationalmannschaft
1999–2004 Frankreich 17 0(1)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Johan Micoud [ʒɔˈɑ̃ miˈku] (* 24. Juli 1973 in Cannes) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler. Er spielte im offensiven Mittelfeld auf der Position des sogenannten Spielmachers. Er ist heute Winzer in der Region Pomerol.[1]

Karriere[Bearbeiten]

Verein[Bearbeiten]

Micoud begann seine Profikarriere 1992 in der ersten französischen Liga bei AS Cannes. 1996 wechselte er zu Girondins Bordeaux, wo er 1999 mit der französischen Meisterschaft seinen ersten Titel gewann. 2000 wechselte er in die italienische Serie A zum AC Parma[2], mit dem er 2001/02 italienischer Pokalsieger wurde.

2002 wechselte Micoud dann in die Bundesliga zu Werder Bremen, wo er als „le chef“ schnell zum unumstrittenen Führungsspieler wurde. Sein Erstligadebüt in Deutschland gab der Franzose am 10. September 2002 gegen den 1. FC Nürnberg. Im gleichen Spiel gelang ihm sein erster Ligatreffer für den SVW.[3] In seiner Bremer Zeit zählte er zu den besten Mittelfeldspielern der Bundesliga. Über vier Jahre prägte er den spielerischen Stil der Werder-Elf und hatte großen Anteil an ihrem Aufstieg zur Spitzenmannschaft. Mit Johan Micoud gewann Werder 2004 das sogenannte Double, das heißt die Deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal, und qualifizierte sich dreimal in Folge für die Champions League. Gerade in den Champions-League-Spielen für Werder Bremen wuchs Johan Micoud regelmäßig über sich hinaus und glänzte als Stratege wie auch als Schütze wichtiger Tore.

Micoud war torgefährlich und an vielen Toren auch als Vorbereiter beteiligt. Seine großen Stärken waren die ausgefeilte Technik, die glänzende Spielübersicht, die Mannschaftsdienlichkeit und eine schnelle Auffassungsgabe - all dies ließ ihn zur Schlüsselfigur des schnellen und technisch anspruchsvollen Kombinationsspiels werden. Werder-Trainer Thomas Schaaf sagte über seine ehemalige Nummer 10: „Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der das Spiel so schnell verlagern kann.“ 2006 wechselte Micoud zurück in seine Heimat zu Girondins Bordeaux.[4] Am 10. Mai 2008 gab Laurent Blanc, Trainer von Girondins de Bordeaux, bekannt, dass Johan Micoud für die kommende Saison keinen neuen Vertrag bekommt.[5]

Am 18. September 2008 gab Johan Micoud in einem Interview mit der französischen Sportzeitung L’Équipe das Ende seiner 18-jährigen Profi-Karriere bekannt. Trotz einiger Angebote französischer Vereine sei „dies der richtige Moment, um aufzuhören“.[6]

Nach seiner Karriere kaufte sich Micoud zusammen mit anderen Spielern (Matthieu Chalmé) ein Weingut und brachte 2009 seinen ersten Merlot heraus.[7]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Trotz seiner Klasse blieb Johan Micoud der große internationale Durchbruch, vor allem mit der Nationalmannschaft seines Landes, verwehrt. Einer der Hauptgründe hierfür heißt Zinédine Zidane. Der dreimalige Weltfußballer spielte auf der gleichen Position, pflegte eine ähnliche Spielweise und war im gleichen Alter wie Micoud, kurz: Er blockierte dessen Entwicklung im Nationalteam, so dass Micoud hier letztlich nur zu 17 Einsätzen kam. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2000 stand er im Kader der französischen Mannschaft und gewann mit ihr den Titel (ein Einsatz).[8] Auch bei der WM 2002 stand Micoud im französischen Aufgebot und kam in zwei Spielen zum Einsatz.[9] Sein WM-Debüt gab der Mittelfeldspieler am 6. Juni 2002 im Vorrundenspiel gegen Uruguay, wo er über die vollen 90 Minuten den verletzten Zidane ersetzte.[10] Nach der WM 2002 wurde Micoud eineinhalb Jahre nicht mehr nominiert, ehe Jacques Santini den Mittelfeldspieler für das Testspiel am 29. März 2004 in Rotterdam gegen die Niederlande einlud.[11] In jenem Spiel kam er auch zum Einsatz. Es sollte auch sein letztes Länderspiel sein. Nachdem er nicht für den französischen Kader für die EM 2004 nominiert worden war, erklärte Micoud seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.[12]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Micoud gilt als eigenwilliger und öffentlichkeitsscheuer Spieler, der den Mechanismen des Fußballgeschäfts und den Ansprüchen der Öffentlichkeit distanziert gegenübersteht. So mied er während seiner Zeit bei Werder Bremen phasenweise Interviews, insbesondere mit deutschen Medien. Er betont häufig die Bedeutung des Kollektivs für den Erfolg[13] und äußert sich skeptisch zu seinem Status als Star.
  • Der Bremer Spielmacher war – für viele unverständlich – von Equipe-Trainer Jacques Santini nicht für die EM 2004 berücksichtigt worden. Im Viertelfinalspiel der Franzosen gegen Griechenland war der Bremer Teamkollege Angelos Charisteas als einziger Akteur erfolgreich. Im Moment des Erfolgs hatte dieser eine ganz besondere Geste parat. Nach dem Treffer hob er sein Trikot und auf dem T-Shirt darunter kam der Name „Micoud“ zum Vorschein.

Erfolge[Bearbeiten]

Verein

Nationalmannschaft

  • 2000 Europameister mit der französischen Nationalmannschaft
  • 2000 Gewinner des Hassan II-Pokals mit der französischen Nationalmannschaft

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Micoud, la dernière recrue du club des footballeurs-vignerons
  2. Micoud set for Parma vom 18. Mai 2000 auf news.bbc.co.uk, englisch
  3. Werder verpasste höheren Sieg auf fussballdaten.de
  4. Micoud geht vorzeitig vom 6. Juni 2006 auf stern.de
  5. Kein Vertrag für Micoud vom 16. Mai 2005 auf goal.com
  6. Karriereende: Adieu, Johan Micoud vom 19. September 2008 auf tagesspiegel.de
  7. Offizielle Homepage vom Weingut Chateau La Connivence auf chateaulaconnivence.com
  8. Frankreich: Kader EM 2000 in Holland/Belgien auf weltfussball.de
  9. Frankreich: Einsätze WM 2002 auf weltfussball.de
  10. Spielbericht: Frankreich - Uruguay 0:0 (0:0) auf weltfussball.de
  11. Der Spiegel (Hrsg.): Höhenflug: Micoud wieder in Frankreichs Nationalteam. 25. März 2004, abgerufen am 23. Juli 2013.
  12. RP-Online (Hrsg.): Micoud schließt das Buch Nationalmannschaft. Abgerufen am 23. Juli 2013.
  13. Interview: „Mich fasziniert die Freiheit des Geistes“ auf rund-magazin.de