Johann Baptist Stahl

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Johann Baptist Stahl, 1924

Johann Baptist Stahl (franz.: Jean-Baptiste Stahl; * 20. Juni 1869 in Oberbetschdorf; † 31. Januar 1932 in Keuchingen) war ein elsässischer Porzellanbildhauer und Erfinder des Phanolith.

Leben[Bearbeiten]

Stahl war Sohn des Louis Stahl und Anna Maria Braun. Er war mit Angela Bausch verheiratet.[1] Stahl wuchs in der traditionellen elsässischen Töpferei der Familie auf. Seine Studien der Keramik und Bildhauerei führten ihn ins nahe gelegene Straßburg und nach Höhr-Grenzhausen. Mit seinen feinen Porzellanreliefs errang er eine Goldmedaille auf der Weltausstellung 1900 in Paris.[2] Ausgehend von ländlichen Themen und Darstellungen der griechischen Mythologie entwickelten sich seine Arbeiten zu eigenen Schöpfungen des Jugendstils. Seine weißen, transluzenten Figurenreliefs lassen den blauen oder grünlichen Porzellanuntergrund durchscheinen. Um die dreidimensionale Illusion zu verstärken, moduliert er diese Transparenz und erreicht hierdurch malerische Tiefenwirkung. Dunklere Bereiche des Reliefbildes erwecken den Eindruck von Schatten und eines in die Tiefe gehenden Hintergrunds. Andere Bereiche des Reliefs erscheinen in einem strahlenden Weiß, als ob die Szene von einem Licht beschienen würde. Diese einzigartige Verschmelzung von plastischem Reliefbild und malerisch-durchscheinendem Hintergrundbild erhielt die Bezeichnung Phanolith, durchscheinender Stein.[3]

Johann Baptist Stahl erreicht hierin Meisterschaft als Porzellankünstler im sogenannten Pâte sur Pâte-Stil.[4] Präzise Bleistift- und Tuschezeichnungen dienten Johann Baptist Stahl als Vorbereitung zu seinen Porzellanarbeiten. Von einigen seiner Objekte existieren kolorierte Werkstattsreinzeichnungen.[5] Sie wurden Ende des Zweiten Weltkrieges von seinem Enkel Erich Stahl (* 24. März 1931) aus dem Schutt des Fabrikgebäudes von Villeroy & Boch gesichert. Johann Baptist Stahl schuf sein Werk als Beschäftigter dieser Steingut- und Porzellanfabrik in Mettlach. Er leitete dort die Zeichenschule und war Leiter der Werkstatt der Modelleure. Sein Sohn Hans (* 22. November 1898; † 13. Januar 1978) folgte ihm in dieser Position nach.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marcel Schmitter: Die Elsässischen Steinzeugtöpfer. In: Rheinisches Jahrbuch für Volkskunde. F. Dümmler, Bonn 1982, ISBN 978-3-427-88251-0 (Zugriff am 9 February 2012).
  2. Anton Seder, Friedrich Leitschuh: Elsass-Lothringische Privatsammlungen (Sammlung Spetz-Isenheim). In: Ludolf Beust, Verlagsbuchhandlung (Hrsg.): Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. Nr. 1, Strassburg i. Els, 1901, S. 43-44, 109, 111-112, 124, 131, 140.
  3. Branko Stahl, Chris Wheeler: Jean-Baptiste Stahl. In: Ceramic Art (Hrsg.): CeramicsTECHNICAL. Nr. 35, Sheridan, Wyoming, USA, 2012, S. 102-106.
  4. Branko Stahl: Jean-Baptiste Stahl (Johann Baptist Stahl). Steinmarks.co.uk. Abgerufen am 9. Februar 2012.
  5. Jean-Baptiste Stahl - modeller - inventor and designer of the phanolith. Kuuunst.de. Abgerufen am 9. Februar 2012.