Johann Crüger

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Johann Crüger; Gedächtnisbild in der Nikolaikirche von Michael Conrad Hirt
Praxis Pietatis Melica, Titelblatt der 39.Auflage, 1721
Gedenktafel für Johann Crüger, Sankt Nikolaikirche, Berlin-Mitte

Johann Crüger (sorb. Jan Krygaŕ, * 9. April 1598 in Groß Breesen bei Guben; † 23. Februar 1662[1] in Berlin) war ein sorbischstämmiger Komponist bekannter Kirchenlieder.

Leben[Bearbeiten]

Johann Crüger war der Sohn eines Gastwirts. Bis 1613 besuchte er die Lateinschule in Guben. Auf seiner anschließenden Wanderschaft über Sorau und Breslau gelangte er nach Regensburg, wo er eine erste musikalische Ausbildung bei Paulus Homberger (1560–1634) erhielt. Auf der weiteren Wanderung kam er 1615 nach Berlin, wo Crüger sich am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster auf das Theologiestudium vorbereitete. Ab 1620 studierte er Theologie an der Universität Wittenberg und bildete sich im Selbstunterricht musikalisch weiter. Von 1622 bis zu seinem Tode war er 40 Jahre lang Lehrer am Gymnasium Zum Grauen Kloster und gleichzeitig Kantor der St.-Nicolai-Kirche in Berlin.

Eine seiner Töchter heiratete den Hofmaler Michael Conrad Hirt, der ihn auch porträtierte.

Werk[Bearbeiten]

Johann Crüger ist der Schöpfer zahlreicher Konzertwerke und musikpädagogischer Schriften. 1643 lernte er den berühmten Kirchenliederdichter Paul Gerhardt kennen, für den er verschiedene geistliche Lieder vertonte. 1640 gab er die Liedersammlung Newes vollkömliches Gesangbuch heraus.[2] Ab der zweiten Ausgabe von 1647 erschien sie unter dem Titel Praxis Pietatis Melica (Übung der Frömmigkeit in Gesängen), die zum bedeutendsten Kirchenliederbuch des 17. Jahrhunderts wurde. In einer weiteren Liedersammlung mit 161 Liedern, davon 15 von Crüger, sind auch drei vertonte Gedichte seines Landsmanns Johann Franck enthalten.

Im aktuellen Evangelischen Gesangbuch finden sich, je nach Regionalausgabe, mindestens 18 seiner Melodien oder Chorsätze, darunter Wie soll ich dich empfangen, Lobet den Herren alle, die ihn ehren, Fröhlich soll mein Herze springen und Schmücke dich, o liebe Seele.

Eine Besonderheit seiner Choralbücher ist die Einbeziehung obligater Instrumente (2 Violinen bzw. 4-5 Posaunen) zu den 4-stimmigen Sätzen der Sammlungen: Geistliche Kirchenmelodien (1649), Geistliche Lieder und Psalmen (1657) und Psalmodia Sacra (1658).

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Emanuel Christian Gottlob Langbecker (Hrsg.): Johann Crüger's Choral-Melodien: aus den besten Quellen streng nach dem Original mitgetheilt, und mit einem kurzen Abrisse des Lebens und Wirkens dieses geistlichen Lieder-Componisten begleitet. Eichler, Berlin 1835 (Digitalisat in der Deutschen Digitalen Bibliothek).
  • Holger Eichhorn, Martin Lubenow (Hrsg.): Johann Crüger - Kritische Edition ausgewählter Werke. Musiche Varie, Germersheim 2014.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Crüger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christian Bunners: Johann Crüger (1598-1662) - Berliner Musiker und Kantor, lutherischer Lied- und Gesangbuchschöpfer: Aufsätze, Bildnisse, Textdokumente (Band 11 von Kunst-, Musik- und Theaterwissenschaft, ISSN 1862-6114). Frank & Timme GmbH, 2012, ISBN 978-3-86596-371-0, S. 179 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. VD17 547:718285M
  3. Musikverlag MVSICHE VARIE