Johann Friedrich Bachstrom

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Jan Fryderyk oder Johann Friedrich Bachstrom, (* 24. Dezember 1686 bei Rawicz (deutsch: Rawitsch); † Juni 1742 in Njaswisch) war ein lutherischer Theologe, Mediziner, Techniker, Schriftsteller und Pädagoge. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er in der niederländischen Stadt Leiden. In verschiedenen Quellen wird er auch Bachstroem oder Bachstrohm genannt.

Bachstrom publizierte zumeist in lateinischer, deutscher oder französischer Sprache und passte dabei die Schreibweise seiner Vornamen, mit Joannis Friderici oder Jean-Frédéric, der jeweils verwendeten Sprache an. Da er seine bekanntesten Schriften in Leiden veröffentlichte, wird er bisweilen auch als niederländischer Autor beschrieben.

Herkunft und frühes Leben[Bearbeiten]

Bachstrom wurde im Jahr 1686[1] oder 1688[2] als Sohn eines Goldschmieds[1] oder eines Barbiers[3] in der Nähe der schlesischen Stadt Rawicz, heute Polen, geboren. Ab 1710 studierte er Theologie in Jena. Im Jahr 1717 wurde er Professor am Thorner Gymnasium. Nachdem er in seinen Predigten mehrfach die Sitten und Zustände in Thorn scharf kritisiert hatte, wurde er 1720 der Stadt verwiesen. Er ging nach Węgrów (deutsch Wengrow) in Masowien, zu jener Zeit ein Zentrum der Reformation in Polen mit einer polnischen und einer deutschen Gemeinde, die eng mit der Deutschen Gemeinde der Augsburger Konfession in Warschau zusammenarbeitete, und betätigte sich dort als Arzt und Pastor.

Von 1729 bis 1730 (oder 1731) muss sich Bachstrom in Konstantinopel aufgehalten haben und gründete dort eine Druckerei. Durch seine Arbeit an einer Bibelübersetzung in die türkische Sprache, war er gezwungen, aus Konstantinopel zu fliehen.

Universelle Studien[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren arbeitete Bachstrom in Breslau, Görlitz, Freiberg, Dresden und Leiden, wo in den frühen 1730er Jahren seine Schriften erschienen. Er widmete sich medizinischen, theologischen und geologischen Studien. Er reiste, besuchte und beschrieb die Schlesischen Bergwerke auf eigene Kosten und 1733 besuchte er London[4].

In vielen seiner Ansichten scheint er seiner Zeit vorausgewesen zu sein. So regte er an, dass Frauen zum Studium der Medizin zugelassen werden sollten, um Ärzte zu werden. Seeleuten empfahl er Unterricht im Schwimmen. In seiner Schrift L'Art de Nager (deutsch: Die Kunst des Schwimmens) befasst sich Bachstrom mit Methoden der Lebensrettung und beschreibt seine Erfindung einer aus Kork gefertigten Rettungsweste[5].

In einer seiner berühmtesten Schriften forderte er die Verwendung von frischem Obst und Gemüse zur Heilung von Skorbut.

Die Inquiraner[Bearbeiten]

1736 veröffentlichte Bachstrom unter dem Pseudonym A. B. C. einen Roman, der eine von schiffbrüchigen religiösen Dissidenten (die Inquiraner) gegründete utopische Gesellschaft beschreibt, in der es absolute Religionsfreiheit gibt. Der Roman scheint durch seine eigenen Erfahrungen in Konstantinopel angeregt worden zu sein, aber auch durch französische und englische Romane, wie Montesquieus Lettres persanes und Defoes Robinson Crusoe.

Verhaftung und Tod[Bearbeiten]

Ab 1737 wirkte Bachstrom als Arzt am Hof der Fürstin Anna Radziwill in Litauen. Vermutlich wegen seiner liberalen Ansichten über Religion wurde er inhaftiert. Er starb im Juni 1742 in der Haft in Njaswisch (heute Weißrussland). Das genaue Datum und die Ursache seines Todes sind ungeklärt.

Im Jahr 1959 benannte das UK Antarctic Place-Names Committee, das britischen Komitee zur Empfehlung geografischer Namen im Britischen Antarktisterritorium, die Landspitze „Bachstrom-Point“ an der Südwestküste der antarktischen Halbinsel nach Johann Friedrich Bachstrom.[6]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Observationes circa scorbutum: ejusque indolem, causas, signa, et curam, institutæ, eorum præprimis in usum, qui Groenlandiam & Indiam Orientis petunt. Leiden, Conrad Wishoff, 1734 (Digitalisat).
  • Nova aestus marini theoria, Leiden, 1734.
  • Kurtze und resolute Declaration eines Treu-Gesinnten Schweitzers, Auff die falsche Beschuldigung Christiani Democriti, Auffrichtigen Protestanten, und orthodoxen Annihilatoris, oder Zernichteren Der Microcosmischen neuen Schöpffung zum Vorspiel eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Frankfurt und Leipzig 1734. (Digitalisat in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern)
  • Bey zwei hundert Jahr lang unbekannte, nunmehro aber entdeckte vortreffliche Land der Inqviraner: Aus der Erzehlung Eines nach langwieriger Kranckheit in unsern Gegenden verstorbenen Aeltesten dieses glückseligen Landes, Nach allen seinen Sitten, Gebräuchen, Ordnungen, Gottesdienst, Wissenschafften, Künsten, Vortheilen und Einrichtung umständlich beschrieben, Und dem gemeinen Wesen zum Besten mitgetheilet, Frankfurt und Leipzig 1736 (Digitalisat).
  • L'Art de Nager, ou Invention à l'aide de laquelle on peut toujours se sauver du Naufrage; &, en cas de besoin, fair passer les plus larges Rivières à les Armées entières. Amsterdam, Zacharie Chatelain, 1741 (Digitalisat).
  • Die Kunst zu schwimmen, oder Erfindung, vermittelst welcher man sich allemal aus einem Schiffbruch retten, und bedürfenden Falls ganze Arméen über die breitesten Flüsse bringen kan, Berlin 1742 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hermann Ullrich: Bachstrom, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 55, Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 664–667.
  2. Personennamendatei der Deutschen Nationalbibliothek
  3. Hugh James Rose: A New General Biographical Dictionary, Band 2, London 1857, S. 445
  4. Johann Bernoulli: Archiv zur neuern Geschichte, Geographie, Natur- und Menschenkenntnis, Verlag Georg Emanuel Beer, Leipzig 1787
  5. Susanne Schulz-Falster (PDF; 324 kB)
  6. Bachstrom Point im Geographic Names Information System der United States Geological Survey