Johann Friedrich Benzenberg

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Johann Friedrich Benzenberg

Johann Friedrich Benzenberg (* 5. Mai 1777 in Schöller bei Elberfeld; † 8. Juni 1846 in Bilk bei Düsseldorf) war ein deutscher Physiker, Geodät und Publizist.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken [Bearbeiten]

BW

Benzenberg studierte 1795 bis 1797 in Marburg Theologie, von September 1797 bis Ostern 1799 in Göttingen Astronomie bei Georg Christoph Lichtenberg und Mathematik bei Abraham Gotthelf Kästner. Der Kurfürst von Bayern ernannte ihn 1805 zum Professor für Physik und Astronomie am Lyzeum in Düsseldorf. Auch wurde ihm die Leitung der Landvermessung übertragen.

Benzenberg gründete eine eigene Schule für Landvermesser, für die er auch das grundlegende Werk Handbuch der angewandten Geometrie (3 Bde., Düsseldorf 1815) verfasste. Weiter entwarf er eine Landmesser-Ordnung. Infolge der Regierungsveränderung im Großherzogtum Berg ging er 1810 in die Schweiz. Nach dem Sturz Napoleons wandte er sich nach Paris, ging aber später nach Deutschland zurück.

Mit politischen Schriften über den Fürsten Hardenberg und König Friedrich Wilhelm III. machte er sich bei den Preußen unbeliebt. Kurz vor seinem Tod errichtete er in Bilk eine private Sternwarte, die er der Stadt vermachte.

In der Physik machte Benzenberg sich besonders durch seine Fallversuche vom Turm der Hamburger Michaelis-Kirche einen Namen. Das Experiment aus dem Jahr 1802 diente dem Nachweis der Erdrotation, die Vincenzo Viviani schon 1661 mit dem später Foucaultsches Pendel genannten Versuch zeigte. Benzenberg bestieg den Turm des "Michel" und ließ in dessen Innerem aus 76,30 Metern Höhe Bleikugeln zu Boden fallen. Während des freien Falls der Kugeln, die ihre Bahngeschindigkeit um die Erde beibehielten, trafen sie nicht genau im Lot auf der Erde auf, sondern im Mittel leicht nach Osten versetzt. Benzenberg stellte eine mittlere Abweichung um neun Millimeter vom Lotpunkt fest. Einen ähnlichen Versuch unternahm er 1803 in dem vorübergehend stillgelegten Schacht Zur alten Roßkunst der Zeche Trappe mit einer Fallhöhe von 42 Lachtern (~ 84 Meter). Der Versuch in dem Schacht hatte den Vorteil, dass Benzenberg dort den störenden Luftzug abstellen konnte.

Die Ergebnisse wurden von Heinrich Wilhelm Olbers und Carl Friedrich Gauß diskutiert. Gauß berechnete die theoretisch zu erwartende Ablenkung auf 8,7 Millimeter. Benzenbergs Fallversuche am "Hamburger Michel" zum Nachweis der Erddrehung waren also erfolgreich.

Während seines kurzen Aufenthalts in Hamburg versuchte Benzenberg auch, die Höhe von Sternschnuppen in der Erdatmosphäre durch gleichzeitige Beobachtungen an verschiedenen Orten zu bestimmen, und kam auf 90 bis 110 km.

Johann Friedrich Benzenberg starb am 8. Juni 1846 in Bilk bei Düsseldorf. Sein Grab befindet sich auf dem alten Golzheimer Friedhof in Düsseldorf-Golzheim.

In Düsseldorf wurde die Benzenberg-Realschule nach ihm benannt.[1]

Werke [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

  • Karl Christian BruhnsBenzenberg, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 348 f.
  • Heinz GollwitzerBenzenberg, Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 60 (Digitalisat).
  • Nachlass Johann Friedrich Benzenberg. Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Signatur: slg 50/Dok. Recherchierbar über das KALLIOPE-Portal
  • Julius Heyderhoff: Johann Friedrich Benzenberg - der erste Rheinische Liberale. Edition Lintz, Düsseldorf 1909
  • Julius Heyderhoff: Der junge Benzenberg. Freundschaftsbriefe eines rheinischen Naturforschers der Goethezeit. Edition Lintz, Düsseldorf 1927
  • Julius Heyderhoff (Hrsg.): Johann Friedrich Benzenberg. Der Rheinländer und Preusse. 1815–1823. Politische Briefe aus den Anfängen der preussischen Verfassungsfrage. (= Rheinisches Archiv Heft 7). F. Klopp, Bonn 1928
  • Carl Reinhertz: J. F. Benzenberg als Geodät. In: Zeitschrift für Vermessungswesen, 32. Jg. 1903, S. 17–25, 52–57, 65–92
  • Harald Horst: Der Physiker und Publizist Johann Friedrich Benzenberg - Binterims „Nachbar“ in Bilk. In: Der Bilker Pastor Anton Josef Binterim, Seelsorger und Kirchenhistoriker im wiedererrichteten Erzbistum Köln. (= Libelli Rhenani; Bd. 10). Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Köln 2005, S. 209–306
  • Harald Lucht: Johann Friedrich Benzenberg. Jugendliebe in Bremen. Sein Wirken für Landesvermessung und Kataster. In: Kurt Kröger (Hrsg.): Wegbereiter in der deutschen Landesvermessung. Wittwer, Stuttgart 1999, ISBN 3-87919-267-7, S. 55–73
  • Anton Vaillant: Johann Friedrich Benzenberg. Ein rheinischer Geograph und politischer Publizist. In: Analecta Coloniensia. Jahrbuch der Diözesan- und Dombibliothek Köln. Bd. 7/8. 2007/08. Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Köln 2009, S. 233-256
  • Anton Vaillant: Die Sternwarten des Herrn Benzenberg. In: Die Bilker Sternwarte. Düsseldorf, 53 (2007), Heft 1, S. 5-8

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Schulchronik der Benzenberg-Realschule