Johann Friedrich Cotta

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Johann Friedrich Freiherr von Cotta (Lithographie, um 1830)
J. F. Cottas Ehefrau Wilhelmine (Porträt von Christian Gottlieb Schick, 1802)

Johann Friedrich Cotta, später geadelt zu Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf (seit 1817 Cotta von Cottendorf, seit 1822 Freiherr), (* 27. April 1764 in Stuttgart; † 29. Dezember 1832 in Stuttgart) war ein deutscher Verleger, Industriepionier und Politiker.

Leben und verlegerisches Wirken[Bearbeiten]

Er studierte Mathematik, Geschichte und Jura. 1787 übernahm er das 1659 in Tübingen gegründete Familienunternehmen, die Cotta'sche Verlagsbuchhandlung. Nach anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten gelang ihm mit Beharrlichkeit und Fleiß, persönlicher Bescheidenheit und Großmut gegenüber seinen Autoren der Ausbau des Unternehmens zum bedeutendsten Verlag der deutschen Klassik. Neben seinen wichtigsten Autoren Johann Wolfgang Goethe, dessen berühmte Ausgabe letzter Hand bei Cotta erschien, und Friedrich Schiller zählten auch Hölderlin, Hebel, Uhland, Schwab, Schelling, Fichte, Pestalozzi, Kleist, Annette von Droste-Hülshoff, Alexander von Humboldt, Jean Paul, Hegel, Herder, Christian Schreiber und J.G.F. Bohnenberger dazu.

1793 lernte Cotta auf Vermittlung eines gemeinsamen Bekannten den damals bereits berühmten Friedrich Schiller kennen, als dieser seine schwäbische Heimat besuchte; aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich nicht nur eine enge persönliche Verbindung, sondern auch eine intensive verlegerische Zusammenarbeit: Schiller stellte den Kontakt zu den Weimarer Klassikern um Goethe her und legte damit den Grundstein für den Aufstieg des Cottaschen Verlagshauses.

Cotta verlegte u. a. die Zeitungen und Zeitschriften Die Horen, den Musen-Almanach, die Allgemeine Zeitung, das Morgenblatt für gebildete Stände (1816–1849 mit der Beilage Kunst-Blatt) und das Literaturblatt sowie die Frauenzeitschriften Amaliens Erholungsstunden und Flora.

Am 19. Juli 1796 wurde in Tübingen sein Sohn Johann Georg von Cotta geboren.

Cottas Wohnhaus in Tübingen

Aus Parcus' Verordnung vom 16. August 1796: „Der Bürger Johann Jakob Buol von Kollmar ist zum Direktör der Revenüen, und der Bürger Friedrich Cotta zum Postdirektör ernannt.“ (Johann Michael Armbruster: Sünden-Register der Franzosen, während ihres Aufenthaltes in Schwaben und Vorder-Oesterreich. Erstes Bändchen 1797, S. XXXXf.)

1814 war Cotta Deputierter beim Wiener Kongress, wo er – angesichts der von Napoléon Bonaparte eingeführten Zensurmaßnahmen und Schutzzölle – für die Unabhängigkeit des deutschen Buchhandels eintrat.

Cotta setzte sich für die Verbreitung der Lithographie ein und gründete seine Pressemacht auf den Einsatz von Dampfmaschinen.

Seit 1822 führte er in Verbindung mit dem Maschinenbauer John Cockerill (1790–1840) und verschiedenen Geldgebern die Dampfschifffahrt im Rhein-, Main- und Donaugebiet ein, die er mit den betreffenden Regierungen regulierte und als Europäisches Wasserstraßennetz mit Überseeanschluß zu erweitern suchte. Durch die Wirtschaftskrise vom Herbst 1825 kam das Gesamtprojekt zum Erliegen, während die dazugehörigen Regionalprojekte stagnierten.

1827 gründete er mit seinem Sohn die Dependance Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung für lithographische Vervielfältigung und Kuperferdruck, nebst Buch-, Kunst- und Landkartenhandel in München.[1] Bei dieser erschienen die Zeitung Das Ausland und Das Inland.[2]

Die Bodenseeschifffahrt[Bearbeiten]

1824 führte er in Verbindung mit Edward Church, dem damaligen Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Bordeaux, und König Wilhelm I. von Württemberg die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee ein. Zu diesem Zweck gründete er mit Church und d'Hogguer die Friedrichshafener Dampfbootgesellschaft. Edward Church hatte bereits im Mai 1823 in Genf das erste Schweizer Dampfboot Guillaume Tell für den Genfersee gebaut. In den folgenden Jahren erhielt Church weitere Dampfbootaufträge für den Bielersee, den Neuenburgersee und den Zürichsee.

Von Cotta und Church, letzterer wurde in einem Zeitungsartikel auch „Direktor der Dampfschiffswerften am Bodensee“ genannt, hatten sich parallel zu den Vorbereitungen in Württemberg auch in Bayern um das Privileg zum Bau und Betrieb eines Dampfschiffes auf 12 Jahre bemüht. So wurden auf dem Friedsrichshafener Schiffsholm gleichzeitig zwei Dampfschiffe gebaut: das württembergische Schiff Wilhelm und die für den bayerischen Standort vorgesehene Max Joseph. Beide Schiffe wurden 1824 im Abstand von wenigen Wochen in Dienst gestellt.

Obwohl im Besitz des bayerischen Schifffahrtspatentes konnte von Cotta mit seinem Projekt in Bayern nie Fuß fassen. Denn anders als der württembergische König, der den alteingesessenen Schiffern die Privilegien gegen Zahlung einer Leibrente abgekauft hatte, setzte sich die Königlich Bayerische Regierung nicht für die Dampfbootgesellschaft ein. Von Cotta konnte seinen Betriebsstützpunkt Lindau nicht halten. Er versuchte daraufhin, zum badischen Bodenseeufer auszuweichen. Auch hier stieß er auf den erbitterten Widerstand der Schiffergilden.

Nach kaum sechsjährigem Betrieb war die Holzkonstruktion des Schiffes durch die Erschütterungen der Dampfmaschine soweit in Mitleidenschaft gezogen, dass die Max Joseph 1829 außer Dienst gestellt werden musste. Sie wurde zum Abbruch freigegeben, nachdem von Cotta und Church vergeblich versucht hatten, das Schiff zu einem Spottpreis an die bayerische Regierung zu verkaufen.

Aus Cottas Briefen geht hervor, dass ihm sein Misserfolg auf dem Bodensee die letzten Lebensjahre so stark wie kaum etwas anderes in seinem Leben verbitterte.

Zollvereinspolitik[Bearbeiten]

Cotta war von 1815 bis 1819 Mitglied der Ständeversammlungen und von 1819 bis 1831 der Zweiten Kammer des Landtags in Stuttgart. Durch sein Verhandlungsgeschick, seine Verbindungen und sein persönliches Engagement trug Cotta wesentlich dazu bei, dass 1824 der württembergisch-hohenzollersche Zollverein und 1828 der bayerisch-württembergischen Zollverband zustande kamen. Im Jahr 1829 schließlich war er erneut als Vermittler tätig. Dies führte zu einer Annäherung des süddeutschen Zollvereins und des preußisch-hessischen Zollvereins. Die Einigung war eine der zentralen Voraussetzungen für die Entstehung des Deutschen Zollvereins.

Namensgeber[Bearbeiten]

Das ehemalige Wirtschaftsgymnasium Stuttgart-Ost führt v. Cotta als Schulname mit der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule.

Cottas Grab befindet sich auf dem Hoppenlaufriedhof.

Literatur[Bearbeiten]

  • Enrica Yvonne Dilk: „… die Sorge um das Kunstblatt …“ Wilhelm Hauffs und Ludwig Schorns Briefe aus den Jahren 1826/27 über die Fernredaktion des [Johann-Friedrich-] Cottaschen Journals. Ein Beitrag zum 200. Geburtstag Wilhelm Hauffs. In: Reinhard Breymayer (Hrsg.): In dem milden und glücklichen Schwaben und in der Neuen Welt. Beiträge zur Goethezeit. Festschrift für Hartmut Fröschle (= Suevica. Bd. 9, Nr. 2, 2001 = Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik. Bd. 423). Heinz, Stuttgart 2004, ISBN 3-88099-428-5, S. 277–293.
  • Bernhard Fischer: Johann Friedrich Cotta. Verleger – Entrepreneur – Politiker. Wallstein, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1396-5
  • Bernhard Fischer: Der Verleger Johann Friedrich Cotta. Chronologische Verlagsbibliographie 1787–1832 (= Deutsches Literaturarchiv. Verzeichnisse, Berichte, Informationen. Bd. 30, 1–3). 3 Bände. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11632-2.
  • Bernhard Fischer: Die Verleger Johann Friedrich und Georg von Cotta auf Dotternhausen. „... auf seine Güter abgereist ...“ (= Spuren. Bd. 48). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 2000, ISBN 3-933679-36-2.
  • Bernhard Fischer: Friedrich Schiller und Johann Friedrich Cotta. Das Horen-Projekt (= Mitteilungen und Verzeichnisse aus der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars zu Trier. Bd. 22). Paulinus, Trier 2006, ISBN 3-7902-0196-0.
  • Peter Kaeding: Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta, der Verleger der deutschen Klassik. Klett-Cotta, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-7681-9712-0.
  • Hans-Joachim Lang: Im Foyer der Revolution. Als Schiller in Tübingen Chefredakteur werden sollte: die Gründerzeit von Cottas „Allgemeiner Zeitung“. Verlag Schwäbisches Tagblatt, Tübingen 1998, ISBN 3-928011-28-6.
  • Ulrike Leitner (Hrsg.): Alexander von Humboldt und Cotta. Briefwechsel (= Beiträge zur Alexander-von-Humboldt-Forschung. Bd. 29). Akademie-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004598-6.
  • Liselotte Lohrer: Cotta. Geschichte eines Verlags. 1659–1959. Cotta, Stuttgart 1959.
  • Liselotte Lohrer: Cotta v. Cottendorf, Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 376–379 (Digitalisat).
  • Helmuth Mojem: Der Verleger Johann Friedrich Cotta. (1764–1832). Repertorium seiner Briefe (= Deutsches Literaturarchiv. Verzeichnisse, Berichte, Informationen. Bd. 24). Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1998, ISBN 3-929146-87-8.
  • Roger Münch: Johann Friedrich Freiherr Cotta von Cottendorf. (1764–1832). Ein Beitrag zur Berufsgeschichte der Verleger (= Deutsche Hochschulschriften. Bd. 700). Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach bei Frankfurt am Main u. a. 1993, ISBN 3-89349-700-5 (Zugleich: Mainz, Universität, Dissertation, 1990).
  • Monika Neugebauer-Wölk: Revolution und Constitution. Die Brüder Cotta. Eine biographische Studie zum Zeitalter der Französischen Revolution und des Vormärz (= Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin. Bd. 69). Colloquium-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-7678-0765-3 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Habilitations-Schrift, 1988).
  • August Ludwig ReyscherCotta, Johann Friedrich Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 527–533.
  • Albert Schäffle: Cotta (= Geisteshelden. Bd. 18, ZDB-ID 531790-3). Hofmann, Berlin 1895.
  • Rudolf Schmidt: Cotta, Johann Friedrich Freiherr von. In: Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler, Deutsche Buchdrucker. Beiträge zu einer Firmengeschichte des deutschen Buchgewerbes. Band 1: Abel – Dyck. Weber, Berlin/Eberswalde 1902, S. 147–157.
  • Martin Siegordner: Johann Friedrich Cotta – der Verleger des 19. Jahrhunderts. GRIN, München 2002, ISBN 978-3-638-88471-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Peter Kaeding: Die Hand über der ganzen Welt. 2009, S. 404.
  2. Universität Stuttgart: Exposé zur Tagung Johann Friedrich Cotta (1764–1832) – Verleger, Unternehmer, Technikpionier. Abgerufen am 27. Februar 2013 (PDF; 133 kB, Später gründete Cotta eine Literarisch-artistische Anstalt für lithographische Vervielfältigung und Kupferdruck, die Kunstdrucke und Landkarten herstellte und bei der die Zeitschriften Das Ausland und Das Inland erschienen).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Friedrich Cotta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien