Johann Georg Heine

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Johann Georg Heine

Johann Georg Heine (* 3. April 1771 in Lauterbach, Schwarzwald; † 7. September 1838 in Scheveningen) war ein deutscher Orthopädiemechaniker. Er gilt als Begründer der Orthopädie in Deutschland.

Vom Messerschmied zum Orthopädiemechaniker[Bearbeiten]

Heine wurde am 3. April 1771 in Lauterbach im Schwarzwald als Sohn eines Bierbrauers geboren. Er erlernte in Überlingen des Handwerk eines Messerschmieds und ging in den folgenden Jahren auf Wanderschaft, die ihn nach Esslingen am Neckar, Mannheim und Straßburg führte. Schließlich verließ er Süddeutschland und hielt sich von 1794 bis 1798 in Berlin auf, wo er mit Barthel von Siebold, dem Sohn des Würzburger Chirurgen Karl Kaspar von Siebold, Kontakt hatte. Im Mai 1798 siedelte Heine nach Würzburg um und wurde Instrumentenmacher für die Julius-Maximilians-Universität. Er heiratete die Würzburgerin Anna Förtsch und hatte zwei Kinder, Anna (* 1801) und Joseph Heine (* 1803), der später Arzt in der Pfalz wurde.

Eigene Werkstatt und eigenes Institut[Bearbeiten]

Bald hatte Heine eine eigene Werkstatt, in der Prothesen, Streckbetten, Rollstühle und weitere orthopädische Hilfsmittel hergestellt und zum Vertrieb angeboten wurden. 1807 veröffentlichte Heine ein „Systematisches Verzeichnis chirurgischer Instrumente, Bandagen und Maschinen“ als Katalog für die Ärzteschaft.[1] Seine weiteren Veröffentlichungen fanden rasch Anerkennung in der medizinischen Fachwelt. Einen Ruf nach Berlin lehnte Heine ab; er blieb in Würzburg und erhielt aus der Hand des bayerischen Kronprinzen die „Goldene Zivil-Verdienst-Medaille“. Johann Wolfgang von Goethe kannte die Veröffentlichungen Heines und nahm sie in seine Bibliothek auf. Er lernte den „Operateur Heine“ an der Tafel des Großherzogs Karl August kennen und war von ihm so angetan, dass er ihn in sein Haus am Weimarer Frauenplan einlud.[2]

1816 eröffnete Johann Georg Heine im ehemaligen Stephans-Kloster die erste orthopädische Anstalt auf deutschem Boden, die später unter dem Namen Karolinen-Institut, benannt nach der bayerischen Königin Karoline, weithin bekannt wurde.

Als Heine begann, auch nicht-orthopädische Gebrechen heilen zu wollen, kam es zum Konflikt mit der Würzburger Ärzteschaft, und die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit war beendet.

Gedenktafel für Heine in seinem Geburtsort Lauterbach

1829 übergab Heine das Institut an seinen Neffen Bernhard Heine und siedelte nach Holland über.[3] Er erwarb in Brüssel und Den Haag Häuser für die Errichtung von Instituten. Zwischen Den Haag und Scheveningen errichtete er eine Seebadeanstalt. Heine erkannte den Wert des medizinischen Bades – neben die Orthopädie setzte er die Balneologie.

Als er versuchte, die Cholera mit Senfmehlbädern zu heilen, geriet er erneut in Konflikt mit der lokalen Ärzteschaft. Auch die holländischen Ärzte schickten ihm keine Patienten mehr.

Grabdenkmal Johann Georg Heines in Würzburg (von Ernst Mayer, 1841)

Aus Bayern erreichte Heine die Nachricht, dass ihm die Ausübung der Orthopädie verboten sei. Er erkrankte an der Brustwassersucht und starb am 7. September 1838 in Scheveningen. Er wurde in Würzburg begraben. Dort wurde ihm 1841 von Ernst Mayer ein großes Grabdenkmal errichtet, das den Orthopäden bei seiner Arbeit zeigt. In seiner Heimatgemeinde Lauterbach gibt es eine Gedenktafel, die 1971 an der Kirchenmauer angebracht wurde. In Lauterbach gibt es auch eine Heinestraße.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Georg Heine:Systematisches Verzeichnis chirurgischer Instrumente, Bandagen und Maschinen, Würzburg 1807
  2. Goethes Tagebucheinträge am 16. und 20. April1824
  3. Über Heines Motive, nach Holland zu gehen und seine dortige Tätigkeit, siehe Doris Schwarzmann-Schafhauser: Über Johann Georg Heines niederländische Spätzeit (1828–1838) in Ortho, Orthopädie und ihre Grenzgebiete, Band 127 (1989), S. 257–264