Johann Georg Schrepfer

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Johann Georg Schrepfer auch Johann Georg Schröpfer (* getauft 26. März 1738 in Nürnberg; † 8. Oktober 1774 in Leipzig), nach anderen Angaben geboren 1730, war ein deutscher Freimaurer[1], Hochstapler, Zauberkünstler, Okkultist und Geisterseher. Er war ein Pionier der Séance-Unterhaltung und hat als einer der ersten die Laterna Magica zur Projektion von Geistererscheinungen eingesetzt. Er gab Vorführungen in seinem Leipziger Kaffeehaus, wobei er das Publikum überzeugte, er könne mit Toten sprechen.

Leben[Bearbeiten]

Schrepfer kam 1770 (?) nach Leipzig und betrieb dort ein Kaffeehaus im Leipziger Barfußgäßchen (heute: Zill's Tunnel). Durch den Hauskauf war er hochverschuldet. Spätestens 1772 gründete er die "Loge der ächten Maurerey". Jedoch war er zuvor nie selbst als Freimaurer aufgenommen worden. Er befreundete sich mit dem Apotheker und Naturforscher Johann Heinrich Linck, der ihn bei der Beschaffung notwendiger optischen Geräte und Chemikalien unterstützte. Vor Mitgliedern seiner Loge gab er seine ersten Darstellungen. In diesen wurden Bühnenarbeiter und Schauspieler eingesetzt, eine davon war Schrepfers Frau. Er versuchte, seine Darstellungen zu verbessern, besonders wegen der zunehmenden Infragestellung der Legitimität seiner übernatürlichen Kräfte. Dabei entwickelte er Wege, Bilder mithilfe einer Laterna Magica zu projizieren. Schrepfers Shows nutzten weiterhin eine Vielfalt von Techniken welche von Paul Philidor und später von Étienne-Gaspard Robert übernommen wurden. Philidor hat seine Darstellungen "Schröpferesque Geisterscheinings" genannt. Diese entwickelte sich zu Phantasmagorie, einer im 18. und 19. Jahrhundert quer durch Europa sehr populären Theaterform.

Mit seinen rosenkreuzerischen "Arbeiten" und "Geister"-Zitationen warb Schrepfer zahlreiche Brüder der offiziellen Leipziger freimaurerischen Tempelherren-Loge "Minerva zu den drey Palmen" ab.

Er begann die Geheimnisse der Minerva-Loge öffentlich preiszugeben und verunsicherte somit den gesamten deutschlandweiten Orden. Die Loge rief ihren Großmeister, den Dresdner Herzog Carl von Curland, Sohn des früheren Kurfürsten Friedrich August II., um Hilfe an. Daraufhin ließ ihn Curland am 17. September 1773 illegal im Linck'schen Garten verhaften. Worauf sich Schrepfer erfolgreich beim Leipziger Rat beschwerte.[2] Die Sache wurde intern beigelegt und Schrepfer schließlich sogar nach Dresden eingeladen, wo er, im Kurländer Palais, für Mitglieder des Hoch- und Hofadels "Geister" erscheinen ließ. Die Anwesenden waren tatsächlich so begeistert, dass sie Schrepfer vertrauten.

Schrepfer nutzte das ihm geschenkte Vertrauen und erfand ein Vermögen das angeblich auf Schweizer Banken deponiert ist - churfürstlich sächsische Cammercreditcassen-Scheine im Wert von Millionen Talern. Der sächsische Adel fiel auf den Schwindel herein und gewährte Schrepfer zehntausende Taler gegen Schuldscheine. Auch der Konferenzminister Friedrich Ludwig von Wurmb, der für diese sächsischen Staatsanleihen und deren Schutz eigentlich verantwortlich war, ließ sich von Schrepfer täuschen.

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Tod[Bearbeiten]

Über den Tod von Schrepfer gibt es verschiedene Theorien. Fest steht, dass Schrepfer am Morgen des 8. Oktober 1774 im Leipziger Rosental unter mysteriösen Umständen durch eine Schussverletzung ums Leben kam. Dabei waren fünf seiner getäuschten Anhänger anwesend, darunter die Kammerherrn des sächsischen Herzogs von Carl von Curland, Hans Rudolf von Bischoffwerder und Christian Friedrich von Hopfgarten.

Eine Theorie geht davon aus, dass Schrepfer durch die von ihm erzeugten Illusionen verrückt geworden sei und sich vor Publikum selbst erschoss, um sich dann selbst wieder auferstehen zu lassen.[3]

Eine andere Theorie vermutet, dass Schrepfer keinen Selbstmord begangen hat, sondern von seinen Begleitern im Rahmen einer Verschwörung ermordet wurde.[4]

Die aufgenommenen Zeugenaussagen des Leipziger Gerichts widersprechen sich; die beiden kriegserfahrenen Kammerherren wurden laut Gerichtsakten gar nicht vernommen. Der junge Kurfürst Friedrich August III. ließ sich die Leipziger Akten sowie den beschlagnahmten Schrepfer-Briefwechsel nach Dresden kommen - letzterer kam nicht zurück und ist bis heute verschwunden. Die Dresdner Staatsregierung unterband sämtliche notwendigen weiteren Untersuchungen und so wurde der Fall als Selbstmord zu den Akten gelegt. Der Kammerherr Bischoffwerder verließ noch im gleichen Herbst Sachsen und ging ins preußische Schlesien.

Verdunkelte Affäre[Bearbeiten]

Die Mordtheorie beruft sich auf Sichtungen der Originalakten (vor allem Schrepfer-Akten im Stadtarchiv Leipzig) und neu aufgefundener Dokumente (u.a. Brief Bischoffwerders an den Konferenzminister Friedrich Ludwig von Wurmb, zeitgenössische Handschrift "Schrepfers Lehre", Briefe Schrepfers, Brief des Herzogs von Kurland an den Kommandanten der Pleißenburg). Der erhaltene Obduktionsbericht Schrepfers im Leipziger Stadtarchiv legt nach einem Gutachten (Juni 2011) eines Leipziger Rechtsmediziners nahe, dass bei dem "Selbstmord" handgreiflich nachgeholfen wurde.[5]

Zu viel stand auf dem Spiel, wenn der hochverschuldete Schrepfer vor Gericht gestellt worden wäre: Der Filz des Tempelherren-Ordens bis in höchste Kreise, die verbotene Spekulation von Mitgliedern des Hochadels mit - angeblichen - sächsischen Staatspapieren (Cammercreditcassen-Scheine), der Anteil der Gold- und Rosenkreuzer. Mehrere der Beteiligten wurden nach Schrepfers Tod Zirkelleiter der Gold- und Rosenkreuzer in Sachsen; sie hatten die Absicht, die Freimaurerei zu unterwandern, um die Aufklärungsideen mit ihrer katholisch "reinen Lehre" zurückzudrängen und somit politischen Einfluss im protestantischen Norden Deutschlands zu gewinnen. Über Bischoffwerder und Wöllner und ihre Rosenkreuzerloge am preußischen Hof ist das dann auch gelungen.[6]

Die seit mehr als 200 Jahren zirkulierenden Berichte, Aufsätze, Bücher über Schrepfer basieren vor allem auf den Legenden, die unmittelbar nach seinem Tod gestreut wurden. Die Affäre um Johann Georg Schrepfer ist symptomatisch für die Gegenbewegung in des Aufklärungszeitalters, die "dunkle" Seite der Aufklärung.

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Sonstiges[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Remember the Phantasmagoria, Oliver Grau.
  2. Brief Schrepfer's vom 22. September 1773 an den Bürgermeister und Rat der Stadt Leipzig, Stadtarchiv Leipzig
  3. Eds. Crangle, Richard, Heard, Mervyn, and van Dooren, Ine. "Devices and Desires." Realms of Light. London, England: The Magic Lantern Society, 2005. 11-45. Print.
  4. Otto Werner Förster: Tod eines Geistersehers. Johann Georg Schrepfer. Eine vertuschte sächsische Staatsaffäre, 1774. Taurus Verlag Leipzig, 2011
  5. Otto Werner Förster: Tod eines Geistersehers. Johann Georg Schrepfer. Eine vertuschte sächsische Staatsaffäre, 1774. Taurus Verlag Leipzig, 2011
  6. Otto Werner Förster: Tod eines Geistersehers. Johann Georg Schrepfer. Eine vertuschte sächsische Staatsaffäre, 1774. Taurus Verlag Leipzig, 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Werner Förster: Tod eines Geistersehers. Johann Georg Schrepfer. Eine vertuschte sächsische Staatsaffäre, 1774. Taurus Verlag Leipzig, 2011, 112 Seiten, mit Abb. von Originaldokumenten
  • Stadtarchiv Leipzig, Evangelisches Kirchenarchiv Nürnberg, Stadtarchiv Nürnberg, Archiv Holz
  • Nachricht von dem berüchtigten Johann Schroepfer in Sachsen und seinen Geisterbeschwörungen. 1775. 8 Seiten
  • Johann Salomo Semler: Sammlungen von Briefen und Aufsätzen über die Gaßnerischen und Schröpferischen Geisterbeschwörungen: Halle, 1776
  • Walter Kunz: Johann Georg Schröpfer, ein Magier des 18. Jahrhunderts. Rechtshilfe-Verlag, Zürich, 1957
  • Joachim Kalka: Phantome der Aufklärung. Von Geistern, Schwindlern und dem Perpetuum Mobile. Berenberg Verlag, Berlin, 2006
  • Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 109.
  • Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 428

Weblinks[Bearbeiten]