Johann Georg Zimmermann (Arzt)

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Johann Georg Zimmermann

Johann Georg Ritter von Zimmermann (* 8. Dezember 1728 in Brugg (Kanton Aargau); † 7. Oktober 1795 in Hannover) war ein Schweizer Arzt, Gelehrter, Philosoph und Schriftsteller, der seit 1768 in Hannover wirkte.

Leben[Bearbeiten]

Johann Georg Zimmermann studierte erst Rhetorik, Geschichte und Philosophie in Bern, danach Medizin in Göttingen, wo er Schüler seines Schweizer Landsmannes Albrecht von Haller war. Nach der Promotion war er seit 1752 Arzt in Bern, ab 1754 in seiner Geburtsstadt Brugg. 1755 begann seine zeitlebens außerordentlich fruchtbare Karriere als Schriftsteller. 1760 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt.

Seit 1768 war er „Königlich-Großbritannischer Hofrat und Leibarzt“ in Hannover am Hof des Georgs III., das Wirkungsstätte seiner letzten drei Lebensjahrzehnte wurde. Zimmermann wurde auch Arzt und medizinischer Berater vieler gekrönter Häupter. Der preußische König Friedrich II. rief ihn als Gesprächspartner und Mediziner 1786 nach Potsdam. Zimmermann hielt sich vom 23. Juni bis 11. Juli 1786 zur Behandlung Friedrichs in Potsdam und Sanssouci auf. Seine Aufzeichnungen über den Fortgang der Behandlung und seine Gespräche mit dem Todkranken veröffentlichte er 1788 unter dem Titel „Ueber Friedrich den Grossen und meine Unterredungen mit Ihm kurz vor seinem Tode“.

Johann Georg Zimmermann

Zimmermann begegnete mehrmals Goethe. Sein Hauptwerk Über die Einsamkeit, in der das damals aktuelle Thema der Melancholie eine große Rolle spielte, erschien 1784/85 und machte Zimmermann im damaligen gebildeten Europa weithin bekannt. Die russische Zarin Katharina II. erhob ihn 1786 in den Ritterstand. In seinen letzten Lebensjahren entwickelte sich Zimmermann zum Gegner der Aufklärung, ja sogar zum Denunzianten von progressiven Persönlichkeiten. Er verstrickte sich in einen Rechtsstreit mit Adolph Freiherrn Knigge, dem Verfasser des berühmten Buches Über den Umgang mit Menschen, und wurde schließlich zum Objekt der Satire von Georg Christoph Lichtenberg.

Johann Georg Zimmermann war der Leibarzt des hannoverschen Bürgermeisters Ernst Anton Heiliger. Der Überlieferung nach soll Zimmermann den hannoverschen Hofbotaniker Friedrich Ehrhart über die Entdeckung der Heilquelle Heiligers Brunnen in der Eilenriede informiert haben.[1]

Zimmermanns Grab ist auf dem Neustädter Friedhof in Hannover. Teil-Nachlässe befinden sich in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek sowie im Stadtarchiv Hannover.[2]

Heinrich Matthias Marcard, ebenfalls Hof- und Leibarzt,[3] war mit Zimmermann befreundet und veröffentlichte posthum ein Biographie über ihn.[4]

Wichtige Werke[Bearbeiten]

  • Dissertatio physiologica de irritabilitate (1751)
  • Betrachtungen über die Einsamkeit (1756), Von der Einsamkeit (1773), Über die Einsamkeit (1783/84)
  • Von dem Nationalstolze (1758)
  • Von der Ruhr unter dem Volke im Jahr 1765, und denen mit derselben eingedrungenen Vorurtheilen, nebst einigen allgemeinen Aussichten in die Heilung dieser Vorurtheile (1767).
  • Über Friedrich den Großen und meine Unterredung mit ihm kurz vor seinem Tode (1788)

Literatur[Bearbeiten]

  • Mit Skalpell und Federkiel. Ein Lesebuch. Hrsg. von Andreas Langenbacher. Bern: Haupt 1995. (Schweizer Texte. N.F. Bd. 5) ISBN 3-258-05132-1
  • Memoire an Seine Kaiserlichkönigliche Majestät Leopold den Zweiten über den Wahnwitz unsers Zeitalters und die Mordbrenner, welche Deutschland und ganz Europa aufklären wollen. Nach der Handschrift im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien mit einem Nachwort hrsg. von Christoph Weiß. St. Ingbert: Röhrig 1995. (Kleines Archiv des achtzehnten Jahrhunderts. 24) ISBN 3-86110-067-3
  • Drei Gedichte zum Erdbeben von Lissabon. Hrsg. von Martin Rector und Matthias Wehrhahn. Laatzen: Wehrhahn. ISBN 3-86525-019-X
  • Eveline Hasler, "Tells Tochter" (Roman mit J.G.Zimmermann als einer der Schlüsselfiguren), 2004, Nagel & Kimche, ISBN 3-312-00342-3
  • Heinrich Matthias Marcard: Beytrag zur Biographie des seel. Hofraths und Ritters von Zimmermann, veranlaßt durch die vom Herrn Leibmedicus Wichmann in Hannover herausgegebene Krankheits-Geschichte, Hamburg: Benjamin Gottlob Hoffmann, 1796; online über VD18

Literatur über Zimmermann[Bearbeiten]

  • Rudolf Ischer: Johann Georg Zimmermann's Leben und Werke. K. J. Wyss, Bern 1893 Digitalisat
  • Rudolf Ischer: Zimmermann, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 273–277.
  • Karl Goedeke, Edmund Goetze: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band 4,1. 3. Auflage, Dresden 1916, S. 480–484 (Internet Archive).
  • Edith Rosenstrauch-Königsberg: Die Denunziation der Aufklärung durch Johann Geoerg Zimmermann. Zimmermanns Mémoire an Kaiser Leopold II. In: „Sie, und nicht Wir“. Die Französische Revolution und ihre Wirkung auf Norddeutschland und das Reich. Politik und Recht, Literatur und Musik. Hrsg. von Arno Herzig, Inge Stephan, Hans G. Winter. Bd. 1. Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1989 ISBN 3-926174-13-7, S. 227–244
  • Seelenarzt und armer Tropf. Königlicher Leibarzt Johann Georg Zimmermann, 1728-1795. Beschreibung der Zimmermanniana im Stadtarchiv Hannover. Projekt der Fachhochschule Hannover, Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen 1994/1995. Mit einer Einleitung von Klaus Mlynek. Leitung: Hans-Peter Schramm. Hannover 1995.
  • Johann Georg Zimmermann - königlich großbritannischer Leibarzt (1728-1795). Vorträge, gehalten anlässlich eines Arbeitsgespräches vom 4. bis 7. Oktober 1995 in der Herzog August Bibliothek. Hrsg. von Hans-Peter Schramm. Wiesbaden: Harrassowitz 1998. ISBN 3-447-04120-X
  • Hugo Thielen in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 399.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • In der Halle des Neuen Rathauses in Hannover wurde eine Portraitkartusche von Zimmermann angebracht
  • 1931 wurde die Zimmermannstraße in Hannover-Linden nach dem Königlich Großbritannischen Leibarzt benannt
  • 1972 verlieh der von der Deutschen Hypothekenbank gegründete Johann-Georg-Zimmermann-Fonds (heute: eingetragener Verein) erstmals die jährliche Johann-Georg-Zimmermann-Medaille
  • seit 2002 wird jährlich der Johann-Georg-Zimmermann-Preis für Krebsforschung verliehen, einer der höchstdotierten Medizinpreise in Deutschland

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Georg Zimmermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rainer Ertel, Ernst-Friedrich Roesener: Heilkräftige Brunnen, in: Hannoversches Brunnenbuch. Wasserspiele und Brunnen in Hannover. Exemplarisches und Dokumentarisches, Hannover: Fackelträger-Verlag, 1988, ISBN 3-7716-1497-X, S. 58ff.
  2. Hugo Thielen: Zimmermann, Johann Georg, in: Stadtlexikon Hannover, S. 690f.
  3. Klaus Mlynek: MARCARD, H(e)inrich Matthias, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 246; online über Google-Bücher
  4. Heinrich Matthias Marcard: Beytrag zur Biographie ... (siehe Literatur)