Johann Gottfried Brügelmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Medaillon mit dem Portrait Brügelmanns
Zeitgenössisches Portraitgemälde

Johann Gottfried Brügelmann (* getauft 6. Juli 1750 in Elberfeld, heute Stadtteil von Wuppertal; † 27. Dezember 1802 in Ratingen) war ein deutscher Industrieller und als Gründer der ersten Fabrik auf dem europäischen Festland einer der Wegbereiter der Industriellen Revolution.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Johann Gottfried Brügelmann entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie aus Elberfeld, die Teil der Garnnahrung war, einer kartellähnlichen Verbindung der führenden Kaufmannsfamilien des Bergischen Landes, die so den Garnmarkt in dieser Region kontrollierten.[1] Er wurde als zweites von vier Kindern des Elberfelder Bürgermeisters Johann Wilhelm Brügelmann (1721–1784) und dessen erster Ehefrau Anna Gertrud Kühnen (1721–1754) geboren und am 6. Juli 1750 getauft.[2]

Brügelmann hörte von der Mechanisierung von Spinnereien in England und beschloss Anfang der 1780er-Jahre, selbst eine mechanische Spinnerei zu eröffnen. Da er jedoch den Unmut der Garnnahrung über diese Pläne fürchtete und als Wortführer der Unternehmer in einem Streit mit den Elberfelder Leinenwebern lag, suchte er nach einem geeigneten Standort in sicherer Entfernung von Elberfeld. Schließlich fand er ihn in der Mairie Eckamp unweit der Stadtmauern Ratingens: die spätere Textilfabrik Cromford. Er konnte dort preisgünstig ein Mühlenrecht mitsamt einer Ölmühle an der Anger erwerben. Arbeitskräfte waren wesentlich günstiger zu haben als im reichen Elberfeld, und vor allem erhielt er für diesen Standort von Kurfürst Karl Theodor 1783 das Privileg, eine Fabrik wie diese für 12 Jahre als Einziger im Rheinland betreiben zu dürfen. Heute gilt die Anlage als die erste voll mechanisierte Baumwollspinnerei und damit als erste Fabrik überhaupt auf dem europäischen Festland.[1]

Das Vorgehen Brügelmanns wird von Historikern als bemerkenswert eingestuft, da die Wirtschaft der damaligen Zeit vor allem von Traditionen und den von den Berufsständen selbst auferlegten Regeln geprägt war. Nicht nur die Idee einer mechanisierten Produktion in großem Stil war ungewöhnlich, sondern auch die Art und Weise, wie er gezielt überregional Standortbedingungen prüfte, Technologien aus dem Ausland erforschte, kopierte (die Waterframe, ein Patent von Richard Arkwright) und dabei die Traditionen der „Garnnahrung“ unbeachtet ließ.[1][3]

Dabei betrieb er in Großbritannien Industriespionage über seinen Freund Carl Albrecht Delius, der eine damals mit Exportverbot belegte Waterframe aus England schmuggelte und einen Facharbeiter mitbrachte, der sie bedienen konnte.[4]

Brügelmanns Pionierarbeit war überaus ertragreich. Rasch erweiterte er seinen Betrieb um ein (aus damaliger Sicht riesiges) 5-stöckiges Fabrikgebäude, ließ sich das noch heute zu besichtigende luxuriöse Herrenhaus und ausgedehnte Parkanlagen (u. a. den Poensgenpark) bauen. Brügelmanns Vermögen wurde nach seinem Tod auf 380.000 Reichstaler beziffert - ohne Immobilien und Maschinen. Als er 1802 im Alter von 52 Jahren starb, zählte Brügelmann zu den reichsten Menschen des Rheinlandes.[1]

Seit dem 7. November 1774 war er mit Anna Christina Brügelmann geb. Bredt (1745–1805) verheiratet. [5] Sein Erbe wurde auf seine Söhne Jakob Wilhelm (1776–1826) und Johann Gottfried junior (1777–1808) verteilt.[1] Zu seinen Nachfahren zählt die Sopranistin Pauline Horson.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Gemmert: Die Entwicklung der ältesten kontinentalen Spinnerei: eine betriebswirtschaftlich-historische Untersuchung, Dissertation an der Universität Köln, Leipzig, Jänecke, 1927
  • Marie-Luise Baum: Johann Gottfried Brügelmann (1750–1802). In: Rheinische Lebensbilder. Bd. 1, 1961, ISSN 0080-2670, S. 136–151.
  • Eckhard Bolenz: Johann Gottfried Brügelmann. Ein rheinischer Unternehmer zu Beginn der Industrialisierung und seine bürgerliche Lebenswelt (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 4). Rheinland-Verlag, Köln 1993, ISBN 3-7927-1372-1.
  • Burkhard Dietz: Aufbruch zu neuen Ufern. Johann Gottfried Brügelmanns Entscheidung für den Standort Cromford und die Vorbildfunktion einer erfolgreichen Firmengründung. In: Cornelia Frings (Red.): „Die öde Gegend wurde zum Lustgarten umgeschaffen ...“. Zur Industriearchitektur der Textilfabrik Cromford 1783–1977 (= Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Industriemuseum. Schriften 5). Rheinland-Verlag u. a., Köln u. a. 1991, ISBN 3-7927-1201-6, S. 16–34.
  • Gabriele Harzheim: „Treffliche von Wasser getriebene Spinnmaschinen“. Eine Dokumentation der Technik des Baumwollspinnens am Beispiel der Firma Johann Gottfried Brügelmann in Ratingen, 1780–1830 (= Beiträge zur Industrie- und Sozialgeschichte. Bd. 5). Rheinland-Verlag, Köln 1995, ISBN 3-7927-1492-2.
  • Marga Ludemann: Brügelmann, Johann Gottfried. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 658 (Digitalisat).
  • Herbert Vogler: Johann Gottfried Brügelmann – Begründer der deutschen Textilindustrie. In: Melliand Textilberichte. Bd. 83, 2002, ISSN 0341-0781, S. 888–889.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Eckhard Bolenz: Vom Ende des Ancien régime bis zum Ende des Deutschen Bundes (ca. 1780–1870). In: Eckhard Bolenz et al.: Ratingen. Geschichte 1780 bis 1975. Klartext-Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-943-9, S. 11–74.
  2. Edmund Strutz: Die Ahnentafeln der Elberfelder Bürgermeister und Stadtrichter von 1708–1808 (= Bergische Forschungen. Bd. 3, ISSN 0405-4520). 2. Auflage. Martini & Grüttefien, Neustadt a. d. Aisch 1963, S. 114 f.
  3. Burkhard Dietz: Aufbruch zu neuen Ufern. 1991.
  4. Johanna Lutteroth Preußens PlagiateVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter Financial Times Deutschland vom 18. November 2012
  5. http://www.guelcher-chronik.de/Stichworter/Johann_Gottfried_Brugelmann/johann_gottfried_brugelmann.html