Johann II. Kasimir
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Gesichtet | ||
Dies ist die letzte gesichtete Version,
(zeige alle), freigegeben am 13. Mai 2008. Die Seite kann bearbeitet werden.
|
|
Das Königreich Polen-Litauen in den international anerkannten Grenzen von 1656 inkl. Preußen, Livland und Estland und dessen Gebietsverluste durch die Verträge von 1657, 1660 und 1667. Vertrag von Wehlau 1657: Übergabe der Souveränität über das Herzogtum Preußen an die Person des Herzogs von Preußen (auf der Karte nicht als ehemaliges polnisches Territorium eingezeichnet); Vertrag von Oliva 1660: völkerrechtliche Anerkennung von Estland und Livland mit Riga als Eigentum des Königreichs Schweden (bereits bis 1626 vollständig von König Gustav Adolf erobert); Vertrag von Andrusowo 1667: Anerkennung des Status quo, das heutige Westrussland mit Smolensk, sowie die Ostukraine mit Kiew befinden sich im Besitz des Zarentums Russland (bereits ab 1654 durch russische Truppen okkupiert);
|
Johann II. Kasimir (polnisch Jan II Kazimierz Waza, litauisch Jonas Kazimieras Vaza; * 21. März 1609 in Krakau, Polen; † 16. Dezember 1672 in Nevers, Frankreich) war ab 1648, als König von Polen und Großfürst von Litauen, der Regent des Staates Polen-Litauen, sowie bis 1660 Titularkönig von Schweden. Johann entstammte dem Adelsgeschlecht der Wasa und war auch Mitglied im Orden vom Goldenen Vlies.
[Bearbeiten] Leben
Johann Kasimir trat als zweiter Sohn Sigismunds III. zunächst 1640 in den Jesuitenorden ein und wurde wenig später von Papst Innozenz X. zum Kardinalpriester ernannt. Nach dem Tod seines Halbbruders König Władysław IV. Wasa bestieg er am 20. November 1648 den polnischen Thron. Wenig später heiratete er mit Marie Luise von Nevers-Gonzaga die Witwe Władysławs.
Noch vor seinem Amtseintritt kam es Ende 1647 zu Aufständen der Saporoger Kosaken unter ihrem Ataman Bohdan Chmelnyzkyj, der mit Unterstützung der Krimtataren die polnischen Armeen schon in den ersten Schlacht des Aufstandes besiegt hatte und nun in den von ihm besetzten Gebieten blutige Massaker an den katholischen Polen und an Juden verübte. Die Zahl der Opfer wird auf ein Viertel einer Million geschätzt. Der Aufstand dauerte bis 1654 an, dem Jahr des Vertrages von Perejaslaw, wonach es zu einem Krieg zwischen Polen und Russland kam.
Als die schwedische Königin Christina I. am 16. Juni 1654 abdankte, machte Johann II. als Urenkel Gustav I. Wasas Ansprüche auf den schwedischen Thron geltend. Dies führte als Erbauseinandersetzung mit Karl X. Gustav zum Krieg zwischen Polen und Schweden, der als Schwedische Sintflut in die polnische Geschichte einging.
Diesen Krieg führte Johann II. mit wechselvollem Erfolg, so verlor er bereits zu Anfang des Krieges die Schlacht von Warschau 1656 gegen Karl X. Gustav und den mit diesem verbündeten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der formell ein Vasall des polnischen Königs war und ihn durch Lehnsbruch hinterging. Außerdem kam der Siebenbürgerfürst Georg II. Rákóczi dem Schwedenkönig zur Hilfe, indem er weite Teile Polens durch seine siebenbürgisch-kosakische Reiterei mit 40.000 Mann verheeren und plündern ließ.
In den folgenden Kriegsjahren konnte er zwar sein Reich behaupten, musste jedoch im Vertrag von Wehlau auf die Lehnshoheit über das Herzogtum Preußen verzichten, um Friedrich Wilhelm zu einem Seitenwechsel zu bewegen. Dieser Vertrag sollte sich später als eine der entscheidenden Wegmarken in der Entwicklung Brandenburg-Preußens zu einer europäischen Großmacht erweisen. Der schwedisch-polnische Krieg endete schließlich im Frieden von Oliva am 3. Mai 1660. Der polnische König war darin gezwungen, auf alle seine Ansprüche auf den schwedischen Thron, Livland mit Riga und Estland zu verzichten.
Im Russisch-Polnischen Krieg hatte Johann II. noch weniger Glück. Zwar konnte er das Gebiet des Großfürstentums Litauen von russischen Truppen befreien, war jedoch im Vertrag von Andrusowo 1667 gezwungen, auf weite Teile des heutigen Westrusslands mit Smolensk und der Ostukraine mit Kiew bis an den Dnepr zu verzichten.
Die 20 Jahre dauernde Regierungszeit Johanns II., in der es nur zu Kriegen kam, gilt als der Anfang vom Ende der militärisch, politisch und wirtschaftlich zerrütteten polnisch-litauischen Adelsrepublik. Durch die Verwüstungen der sechs Invasionshorden - Kosaken, Schweden, Moskowiter, Siebenbürger, Türken und Brandenburger - ging die Bevölkerungszahl von 13–14 Millionen (bis 1648) auf ungefähr 10,5 Millionen Einwohner zurück (um 1668).
Durch diese außenpolitischen Niederlagen und eine interne Magnatenrebellion 1665–66 unter Fürst Jerzy Sebastian Lubomirski geplagt, dankte Johann II. entnervt im September 1668 ab und starb vier Jahre später im Kloster St. Martin in Nevers.
Als Staatsoberhaupt von Polen und Litauen folgte ihm der Magnat Michael Wiśniowiecki nach.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| Władysław IV. | König von Polen 1648–1668 |
Michael |
| Władysław II. | Großfürst von Litauen 1648–1668 |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Johann II. Kasimir |
| ALTERNATIVNAMEN | Jan II Kazimierz |
| KURZBESCHREIBUNG | König von Polen |
| GEBURTSDATUM | 21. März 1609 |
| GEBURTSORT | Krakau, Polen |
| STERBEDATUM | 16. Dezember 1672 |
| STERBEORT | Nevers, Frankreich |

