Johann Joachim Winckelmann

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Johann Joachim Winckelmann, Gemälde Ferdinand Hartmann (1794) nach Angelika Kauffmann (1764), Gleimhaus Halberstadt

Johann Joachim Winckelmann (* 9. Dezember 1717 in Stendal; † 8. Juni 1768 bei Triest) war ein deutscher Archäologe, Antiquar und Kunstschriftsteller der frühen Aufklärung. Er gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie und der Kunstgeschichte. Auch dem zur Zeit des Renaissance-Humanismus wirkenden Flavio Biondo wird diese Rolle zugeschrieben; Winckelmann ist in seiner Nachwirkung jedoch ungleich bedeutender als der italienische Humanist. Ist zudem Biondo eher ein Antiquar, so ist Winckelmann der Kunst des Altertums mit kunsthistorischen Methoden nähergetreten. Sein Wertmaßstab ist in der Ästhetik begründet. Winckelmann gilt als geistiger Begründer des Klassizismus im deutschsprachigen Raum.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Werdegang[Bearbeiten]

Winckelmann wurde als Sohn eines Schusters am 9. Dezember 1717 in Stendal geboren. Zu Hause in Stendal lebte er in dürftigen Verhältnissen. Dem erblindeten Rektor der Stendaler Lateinschule, Esaias Wilhelm Tappert, ging er zur Hand, wurde dafür drei Jahre in dessen Haus aufgenommen und über die Schule hinaus gefördert.[1] Er besuchte zunächst die Stendaler Stadtschule, dann bis Ende 1735 die Stendaler Lateinschule, von 1736 bis etwa Michaelis 1736 das Köllnische Gymnasium in Berlin und von Michaelis 1736 bis Ende 1737 das Altstädtische Gymnasium in Salzwedel.[2]

Ein Stipendium ermöglichte Winckelmann 1738 die Aufnahme eines Studiums der Theologie an der Universität von Halle (Saale), das er jedoch 1740 ohne Abschluss aufgab, um als Hauslehrer bei der Familie von Grolmann in Osterburg bei Stendal zu arbeiten. Von 1741 bis 1742 studierte er Medizin an der Universität Jena. Vom Sommer 1742 bis Frühjahr 1743 war Winckelmann Hauslehrer in der Familie des Oberamtmanns Lamprecht in Hadmersleben und von 1743 bis 1748 Konrektor der Lateinschule im altmärkischen Seehausen. [3]

Aus der Retrospektive bewertet Winckelmann in seinen Briefen die Studienjahre und die Tätigkeit als Lehrer durchweg als Fron- und Leidenszeit. Nebenbei betrieb er philologische, philosophische und historische Studien. Die Exzerpte, die er dabei anlegte, befinden sich heute in seinem Nachlass in der Bibliothèque nationale de France in Paris.

Anstellung als Bibliothekar[Bearbeiten]

Porträt von Raphael Mengs, 1755

1748 wurde Winckelmann Bibliothekar bei Heinrich Graf von Bünau in Nöthnitz bei Dresden, wo er an der Kayser- und Reichs-Historie des Grafen und am gedruckten Katalog seiner Bibliothek mitarbeitete. Bünaus Bibliothek war weit über Dresden hinaus bekannt. Zu ihren Besuchern gehörte auch der päpstliche Nuntius in Sachsen, Alberico Archinto, der von Winckelmann so beeindruckt war, dass er ihm die Stelle eines Bibliothekars in Rom anbot. In den dortigen Galerien könne er seinen Sinn für bildende Kunst entwickeln. Voraussetzung sei freilich, dass Winckelmann zum Katholizismus konvertiere.

In dieser Zeit wurde König August III. von Polen sein Gönner; er erkannte die bahnbrechenden Ideen Winckelmanns und unterstützte ihn mit 200 Talern. Am 17. September 1754 quittierte Winckelmann den Dienst in Nöthnitz und zog zunächst zu seinem Freund, dem Maler Adam Friedrich Oeser in die Dresdner Königstraße 17 (heute 10), um bei ihm, wie später auch Goethe, zeichnen zu lernen, damit er das Angebot von Archinto wahrnehmen und seinen Dienst unter verschiedenen Kardinälen in Rom aufnehmen konnte.

Winckelmann in Italien[Bearbeiten]

In den Jahren 1758, 1762, 1764 und 1767 unternahm Winckelmann vier Reisen nach Italien. Dabei besuchte er Neapel und Pompeji und sammelte Material für seine künftigen Schriften.

Als 1758 Archinto starb, der ihn in Rom aufgenommen hatte, erhielt Winckelmann eine Unterkunft durch den Kardinal Alessandro Albani; für ihn gestaltete er gemeinsam mit dem Maler Anton Raphael Mengs künstlerisch die Villa Albani. Noch im selben Jahr reiste er nach Florenz, wo er bis 1759 die Sammlung des Barons Philipp von Stosch bearbeitete. Eine der Ehrungen, die er dafür erhielt, war die Aufnahme in die Accademia Etrusca.

1763 lernte Winckelmann den Freiherrn Friedrich Reinhold von Berg (1736–1809) kennen und wohl auch lieben. Seine Liebe sollte allerdings unerwidert bleiben. Nach dessen Abreise verfasste Winckelmann die Abhandlung von den Fähigkeiten der Empfindung des Schönen in der Kunst, und dem Unterrichte in derselben. Die Abhandlung gilt sowohl als Grundlagenwerk der Kunsttheorie als auch als Schlüsseltext seiner eigenen Persönlichkeit, d. h. vor allem seiner homoerotischen Neigung.[4]

Ebenfalls 1763 wurde Winckelmann durch Papst Clemens XIII. zum Aufseher der Altertümer (Commissario delle Antichità) sowie zum Scrittore an der Bibliotheca Vaticana ernannt.

Tod[Bearbeiten]

Porträt von Anton von Maron, 1768

Im April 1768 reiste Winckelmann zusammen mit dem Bildhauer Bartolomeo Cavaceppi nach Deutschland, wurde unterwegs jedoch von einem melancholischen Anfall überwältigt und brach die Reise ab. Auf dem Rückweg über Augsburg nach Rom machte er in Triest im Hotel Locanda Grande Station und traf dort auf den vorbestraften Francesco Arcangeli, der sein Zimmernachbar war.

In den folgenden Tagen trafen sich die beiden Männer häufig. Winckelmann zeigte Arcangeli Gold- und Silbermünzen. Daraufhin versuchte Arcangeli, Winckelmann mit einem Strick zu erdrosseln. Als dies nicht gelang, stach er mit einem Messer auf ihn ein. Winckelmanns Gegenwehr war so heftig, dass beide Hände verletzt wurden, als er zur Abwehr des Messers in die Klinge fasste. Fünf der sieben Stiche, die den Körper Winckelmanns trafen, waren tödlich. Winckelmann konnte jedoch den Behörden noch genaue Angaben zum Geschehenen machen und starb etwa sechs Stunden nach dem Anschlag.

Die Prozessakten der für damalige Verhältnisse sehr akribisch durchgeführten Untersuchung des Tathergangs liegen auch in deutscher Übersetzung vor.[5] Laut Geständnis des Täters war das Mordmotiv, sich die beträchtliche Reisebörse Winckelmanns anzueignen. Mögliche Hintergründe der Tat, etwa erotische, konnten nie zweifelsfrei geklärt werden. Arcangeli wurde zum Tod durch Rädern verurteilt, nachdem ihm der Mord nachgewiesen worden war.

Winckelmann wurde in Triest begraben. Sein Grab geriet zunächst in Vergessenheit; 1802, zur Zeit von Johann Gottfried Seumes Italienreise, über die der Spaziergang nach Syrakus berichtet, war das Grab nahezu unbekannt. Zufällig übernachtete Seume in demselben Hotel, in dem Winckelmann ermordet worden war.

Etwa 40 Jahre nach dem Ereignis bemühte sich Domenico Rossetti als Erster um eine möglichst detailgetreue Darstellung des Tathergangs nach den Prozessakten. Auf seine Initiative hin wurde in Triest ein Grabmonument für Winckelmann errichtet, fast 60 Jahre nach dessen Tod.

Werk und Bedeutung[Bearbeiten]

Die wichtigsten Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Titelseite der Gedanken. 2. Auflage, 1756

1755 gab Winckelmann seine erste Schrift in einer Auflage von nur knapp 50 Exemplaren heraus: Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst (Dresden). Dieses epochemachende Werk wurde schnell sehr erfolgreich, so dass Winckelmann bereits 1756 eine zweite Auflage veröffentlichte, der er eine von ihm selbst verfasste Gegenschrift (Sendschreiben über die Gedanken Von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst) sowie eine wieder unter seinem Namen veröffentlichte Gegen-Gegenschrift (Erläuterung der Gedanken Von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst; und Beantwortung des Sendschreibens über diese Gedanken) anhängte und so die öffentliche Aufmerksamkeit für seinen Erstling deutlich vergrößerte. Die Gedanken enthalten bereits in nuce die meisten seiner Ideen und Konzepte in einer formvollendeten Sprache: „Der einzige Weg für uns, groß, ja, wenn es möglich ist, unnachahmlich zu werden, ist die Nachahmung der Alten“.[6]

Hierauf erhielt er die Einladung zu einer Reise nach Rom, wo er nach kurzer Zeit als Bibliothekar bei Kardinal Archinto arbeitete, später in der gleichen Stellung bei Kardinal Alessandro Albani, einem ebenso liberalen wie kunstbeflissenen Mäzen. Im Jahr 1763 wurde Winckelmann als erster Ausländer mit der Oberaufsicht über die Antiken in und um Rom beauftragt und verfasste in dieser Zeit unter anderem Schriften zu den neuesten Ausgrabungen bei Herculaneum, die er interessiert verfolgte. 1764 schließlich konnte er sein Hauptwerk Geschichte der Kunst des Altertums (2 Quartbände, Dresden) herausgeben. Winckelmann stellte darin nicht lediglich die Geschichte der Kunst dar, sondern auch ein entwickeltes System der griechischen Kunst auf. Im Kern ist es eine Charakteristik des Stils der Plastik nach den Bestandteilen und nach Typen und Klassen des Idealschönen. Winckelmann war es auch, der für die Beurteilung der antiken Kunst den Entwicklungsgedanken einführte.

Grundgedanken[Bearbeiten]

Apollonios’ Torso vom Belvedere, von Winckelmann in einer schwärmerischen Ekphrasis beschrieben

Für Winckelmann war es die höchste Aufgabe der Kunst, die Schönheit darzustellen. Hierfür fand er die Formel „edle Einfalt und stille Größe“, welche er dem Verspielten und Überladenen des Barock und Rokoko entgegenstellte. Seine Begeisterung für die männlichen Helden- und Götterstatuen der Antike war zugleich ein Ausdruck seiner homosexuellen Neigung, die sich auch in seinen Briefwechseln zeigt.[7]

Wenn Winckelmann versuchte, die Vorbildlichkeit der antiken griechischen Kunst auch mit geografischen (mildes Klima, Landschaft) und politischen (perikleische Demokratie) Umständen zu begründen, ergab sich daraus ein Widerspruch: Einerseits betonte er die Einmaligkeit der griechischen Kunst, andererseits forderte er ihre Nachahmung. Letzteres war streng genommen nicht möglich, da die Voraussetzungen im damaligen Deutschland nicht gegeben waren. Winckelmann war sich dieses Widerspruchs nicht bewusst.[8]

Eine Besonderheit des Winckelmannschen Klassizismus liegt in der Bevorzugung des griechischen Erbes gegenüber der lateinisch-römischen Antike. Dies hatte auch politische und zeitkritische Gründe: Die französische Kultur, die damals auch den deutschen Höfen gelebt wurde, berief sich auf die römische Antike. Der Aufklärer Winckelmann stellte dem römischen Despotismus die griechische Demokratie gegenüber. Außerdem betonte er die vermeintlich größere Originalität der griechischen Werke. Die Römer hatten in seinen Augen nur schlechte Imitate geschaffen, die nicht an die griechischen Originale heranreichten. Diese Einschätzung beruhte indessen auf einem Irrtum: Was Winckelmann auf seinen Reisen in Rom sah und für griechische Schöpfungen hielt, waren in Wahrheit „nur“ römische Kopien. Friedrich Nietzsche kommentierte später:

„Winckelmanns und Goethes Griechen, V. Hugo’s Orientalien, Wagners Edda-Personnagen, W. Scotts Engländer des 13. Jahrhunderts – irgend wann wird man die ganze Komödie entdecken: es war Alles über alle Maaßen historisch falsch, a b e r – modern, w a h r !“[9]

Winckelmanns Bedeutung für die Rezeption der Antike[Bearbeiten]

Sein großes Verdienst ist es, die Rezeption der griechischen Antike aus dem Feld der antiquarischen Buchgelehrsamkeit hinausgeführt zu haben, hin zu einer sinnlich-erotischen Rezeption antiker Kunst. Winckelmanns Bild der römischen und griechischen Antike beeinflusste sehr wesentlich den Geist des deutschen Klassizismus, ganz besonders den der Weimarer Klassik. Wie einflussreich Winckelmann war, belegt Goethe mit seiner in Tübingen erschienenen Schrift von 1805 Winckelmann und sein Jahrhundert.

Auch die Vorstellung, dass die antike Architektur und damit auch die Plastik zumeist weiß gewesen sei, geht letzten Endes auf Winckelmann zurück. Archäologisch lässt sich allerdings belegen, dass die Architektur in der Regel bemalt war. Auch in der Plastik haben wir keineswegs nur unbemalte Beispiele, sondern auch bemalte, die sich belegen lassen. Beispielsweise hierfür nennen lässt sich ein Blonder Kopf von der Akropolis. Mit seiner Idealvorstellung von der weißen Kunst der Antike beeinflusste Winckelmann nachhaltig auch die Diskussionen um die antike Polychromie, die ihm mehr als manchen seiner Nachfolger bewusst war.

Winckelmann gehörte zu den Personen, die Grabungen anmahnten, um das historische Olympia freizulegen. Im Januar 1768 nahmen die Reisepläne Winckelmanns konkrete Formen an; sein gewaltsamer Tod brachte diese Initiative aber zum Erliegen. Erst in den Jahren 1875 bis 1881 begann unter der Leitung von Ernst Curtius durch das Deutsche Archäologische Institut die systematische Ausgrabung. Die unter Curtius’ Leitung wie auch die von Wilhelm Dörpfeld und Georg Treu erbrachten Ergebnisse gaben Winckelmann postum hinsichtlich seiner Forderung nach einer Ausgrabung Olympias in vollem Umfang recht.

Einfluss auf nachfolgende Autoren[Bearbeiten]

Winckelmanns Griechenlandbild zeigte utopische Züge der Idealisierung, was auch die ihm nachfolgenden Autoren beeinflusste. Die Gleichsetzung Antike – Schönheit – Lebenssteigerung durchzieht die Werke sowohl Goethes, Schillers, Lessings und Hölderlins „und führt sie trotz mehrerer wichtiger Unterschiede zu einem gemeinsamen Ausgangspunkt – Winckelmanns Griechenbild – zurück“.[10]

Das besonders an den Formen ausgerichtete Empfinden der Kunstwerke und ihre Rezeption bei Winckelmann wirkte sowohl bei Goethe als auch Schiller prägend. Goethe war 1786 bis 1788 in Italien. Seine Reisebeschreibung (Italienische Reise) enthält zahlreiche Rückbezüge auf Winckelmann.

Goethe sollte später den Klassizismus Winckelmanns für sich überwinden. Während Winckelmann noch forderte, im Geist der Griechen diese nachzuahmen (d. h. nicht einfach nachzumachen), schuf Goethe sich einen Raum, welcher auch dem Geist der eigenen Zeit sein Recht gab. Dies zeigt sich schon in der Iphigenie, für welche Goethe zwar einen antiken Stoff wählte, in der jedoch die Humanität nicht als ewiges griechisches Eigentum erscheint, sondern erst erkämpft werden muss. Goethe war sich bewusst, dass Mythos und griechische Realität auch blinde Grausamkeit enthielten – ihnen stellte er das Moderne, Sensible, Humane gegenüber, wie auch Schiller bemerkt. In seiner späteren Schaffensphase im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts setzte sich Goethe erneut mit dem Thema auseinander (Faust II). Nun war bereits die Historisierung der antiken Stoffe weiter vorangeschritten und in einem für Goethe blutleeren Bildungskanon kondensiert. Winckelmann hatte zur Historisierung indirekt beigetragen, indem er zum einen, wie bereits erwähnt, die geoklimatische Einzigartigkeit der griechischen Antike betonte, zum anderen hatte er in seiner Geschichte der Kunst einen ebenfalls einzigartigen Entwicklungsweg des Werdens und Vergehens der griechischen Kunst gezeichnet. Damit stellte sich aber für Goethe die Frage, wie die historisch einmalige Epoche noch für die Gegenwart von Bedeutung sein konnte. Sinnbild hierfür wurde im Faust II Helena, die schönste aller Griechinnen: Sie zeigt die Schönheit als überzeitlich und ewig, zugleich aber muss sie sich lebendig verwirklichen. Goethe löste also den Konflikt, indem er als Wert der klassischen Kunst die produktive, schöpferische Lebenskraft herausstellte und deren Nutzen für die Gegenwart betonte.

Auch Hölderlin wehrte sich später gegen das Nachahmungsprinzip Winckelmanns, da es die lebendige Kraft ersticke. Dennoch blieb er den antiken Stoffen treu, denn sie ermöglichten es „dem eigenen Ursprung als einem fremden zu begegnen.“ Lessing wiederum kritisierte Winckelmanns Interpretation der Laokoon-Gruppe. Winckelmann hatte die Tatsache, dass der Laokoon nicht schreit, als Bestätigung seiner These gesehen, dass die Griechen grundsätzlich alles Schmerzhafte und Hässliche aus ihrer Kunst fernhielten. Lessing hingegen versuchte in seiner Schrift Laokoon zu zeigen, dass der neutrale Gesichtsausdruck nicht auf diesen Grundsatz, sondern auf den Unterschied von bildenden Künsten und Literatur zurückzuführen sei.

Würdigungen[Bearbeiten]

Denkmal für Winckelmann in Stendal

Rund um den 9. Dezember gedenken Archäologen jährlich Winckelmanns als des „Urvaters“ ihres Faches, der die wissenschaftliche Archäologie begründete. Dort gehaltene Vorträge werden als Winckelmannsprogramme veröffentlicht.

An der Universität in Halle wurde von 1905 bis 1939 seines Geburtstages durch Festvorträge gedacht, die als „Hallesche Winckelmannsblätter“ erschienen sind. Nach langer Pause konnte diese Tradition im Jahr 2004 erneuert und in anderer Form wiederbelebt werden. Die Halleschen Winckelmann-Vorträge finden nunmehr jeweils zu Beginn des Sommersemesters statt, und zwar zeitnah zum Jahrestag seiner Immatrikulation am 4. April 1738 und in Kooperation zwischen der Zentralen Kustodie der Martin-Luther-Universität, dem Seminar für Klassische Archäologie und dem Archäologischen Museum der MLU. Am 29. April 2013 wurde mit einem Winckelmann-Tag und dem interdisziplinären Kolloquium Sein Kapital war die Zeit des 275. Jahrestages seiner Einschreibung und seiner Studienzeit (1738–1740) an der „Universität der Aufklärung“ gedacht.

In Stendal wurde 1940 die Winckelmann-Gesellschaft gegründet, die seit 2000 auch das 1955 gegründete Winckelmann-Museum betreut. Seit 1960 wird ebenfalls in Stendal jährlich die Winckelmann-Medaille vergeben. Schon seit 1929 vergibt das Deutsche Archäologische Institut in sehr unregelmäßigen Abständen eine Winckelmann-Medaille. Das Klassisch-Archäologische Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin heißt Winckelmann-Institut.

Schriften[Bearbeiten]

  • Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst. Zweyte vermehrte Auflage. Walther, Dresden/Leipzig 1756 (online).
  • Sendschreiben von den Herculanischen Entdeckungen. Walther, Dresden 1762, urn:nbn:de:bsz:16-diglit-59649.
  • Geschichte der Kunst des Alterthums. Walther, Dresden 1764. (Bd. 1 als Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv, Bd. 2 als Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv, urn:nbn:de:bsz:16-diglit-13431). Faksimileneudruck der 1. Auflage 1966 (Studien zur deutschen Kunstgeschichte. Bd. 343.)
  • Alte Denkmäler der Kunst. 2 Bände. Aus dem Italienischen übersetzt von Friedrich Leopold Brunn. Christian Gottfried Schöne, Berlin 1791/92 (Digitalisat).
  • Joseph Eiselein (Hrsg.): Johann Winckelmanns sämtliche Werke: dabei Porträt, Facsimile und ausführliche Biographie des Autors; unter dem Texte die frühern und viele neue Citate und Noten; die allerwärts gesammelten Briefe nach der Zeitordnung, Fragmente, Abbildungen und vierfacher Index. 12 Bände. Verlag Deutscher Classiker, Donaueschingen 1825–1829 (Digitalisat).
  • Briefe. 4 Bände. Hrsg. von Walther Rehm und Hans Diepolder. De Gruyter, Berlin 1952–1957.
  • Kleine Schriften, Vorreden, Entwürfe. Hrsg. von Walther Rehm, mit einer Einleitung von Hellmut Sichtermann. De Gruyter, Berlin 1968.
  • Schriften und Nachlaß. Hrsg. von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Zabern, Mainz 1996 ff.

Literatur[Bearbeiten]

(Chronologisch)

  • Johann Wolfgang von Goethe: Winckelmann und sein Jahrhundert. Tübingen 1805 (mit Beiträgen von Meyer and Wolf).
  • Carl Justi: Winckelmann und seine Zeitgenossen. 2. Auflage. 3 Bände. Leipzig 1898.
  • Julius Vogel: Winckelmann, Johann Joachim. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 343 f.
  • Wilhelm Schäfer: Winckelmanns Ende. 1. Auflage limitiert auf 500 Exemplare. Verlag Georg Müller, München 1925.
  • H. C. Hatfield: Winckelmann and his German Critics. 1755–1781. A prelude to the Classical Age, New York 1943.
  • Horst Rüdiger: Winckelmann und Italien. Scherpe, Krefeld 1956
  • Horst Rüdiger: Winckelmanns Tod. Die Originalberichte. Insel-Verlag, Wiesbaden 1959 (Insel-Bücherei 695/1)
  • Heinrich Alexander Stoll: Winckelmann, seine Verleger und seine Drucker, Berlin 1960.
  • Heinrich Alexander Stoll: Tod in Triest - Leben, Taten und Wunder Johann Joachim Winckelmann, 2. Auflage Berlin 1970.
  • Thomas W. Gaehtgens (Hrsg.): Johann Joachim Winckelmann. 1717–1768. (= Studien zum achtzehnten Jahrhundert, hrsg. von der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts, Bd. 7) Felix Meiner Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-7873-0666-8.
  • Jutta Hecker: Traum der ewigen Schönheit. Der Lebensroman Johann Joachim Winckelmanns. Verlag der Nation, Berlin 1989, ISBN 3-373-00126-9.
  • Franco Farina, Endpunkt Triest. Leiden und Tod von Johann Joachim Winckelmann. Drama in 12 Stationen. Deutsch von Helgalinde Staudigel. Hrsg. von Max Kunze und Volker Riedel. Stendal 1992.
  • Martin Disselkamp: Die Stadt der Gelehrten. Studien zu Johann Joachim Winckelmanns Briefen aus Rom, Tübingen 1993
  • A. Potts: Flesh and the Ideal. Winckelmann and the Origins of Art History, New Haven and London 1994.
  • Wolfgang Leppmann: Winckelmann. Ein Leben für Apoll. Propyläen, Berlin 1996 ISBN 3-549-05595-1 (Biographie).
  • Élisabeth Décultot: Johann Joachim Winckelmann. Enquête sur la genèse de l’histoire de l’art, Paris 2000.
  • Élisabeth Décultot: Untersuchungen zu Winckelmanns Exzerptheften. Ein Beitrag zur Genealogie der Kunstgeschichte im 18. Jh. (Stendaler Winckelmannforschungen Band 2), Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding/Stendal o. J. [um 2004], ISBN 3-910060-57-9
  • Esther Sophia Sünderhauf: Griechensehnsucht und Kulturkritik. Die deutsche Rezeption von Winckelmanns Antikenideal 1840–1945. Akademie-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-05-004100-5
  • Wolfgang von Wangenheim: Der verworfene Stein, Verlag Matthes-Seitz, Berlin 2005, ISBN 3-88221-861-4 (Biographie).
  • Mathias Schmoeckel: Fiat Iustitia! Thema und Variationen über einen Mord in Triest, Stendal 2005; Akzidenzen 15, Flugblätter der Winckelmann-Gesellschaft, herausgegeben von Max Kunze, ISBN 3-910060-71-4.
  • Urs Müller: Feldkontakte, Kulturtransfer, kulturelle Teilhabe. Winckelmanns Beitrag zur Etablierung des deutschen intellektuellen Felds. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2005, ISBN 3-86583-035-8 (= Transfer – Die deutsch-französische Kulturbibliothek; 24).
  • Efthalia Rentetzi: Johann Joachim Winckelmann und der altgriechische Geist. In: Philia Bd. 1, 2006, S. 26–30, ISSN 0936-1944
  • Ekaterini Kepetzis: WINCKELMANN, Johann Joachim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 18, Bautz, Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7, Sp. 1530–1559.
  • Wouter Soudan: Normativiteit en Historisch Bewustzijn in de Achttiende Eeuw: Winckelmanns kunstpedagogie en de epistemologie van het Schone. Diss. PhD Leuven, 2008. (Volltext als PDF mit ausführlicher Bibliographie)
  • Klaus-Werner Haupt: Johann Winckelmann. Begründer der klassischen Archäologie und modernen Kunstwissenschaften. (2014. Weimarer Verlagsgesellschaft) ISBN 978-3-86539-718-8

Periodika:

  • Stendaler Winckelmannforschungen (erscheinen seit 2003 im Verlag Franz Philipp Rutzen in Ruhpolding/Stendal), hrsg. von der Winckelmann-Gesellschaft Stendal

Film[Bearbeiten]

Hörspiel[Bearbeiten]

  • Präfekt mit Stichwunden. Sentimentale Dokumentation zur Ermordung Winckelmanns. Hörspiel von Guntram Vesper, Radio Bremen, Saarländischer Rundfunk 1975.
  • Die Affäre Winckelmann, Hörspiel von Rolf Schneider, Regie Walter Niklaus, mit Jürgen Hentsch, Walter Kreye, Klaus Manchen, Rolf Hoppe, Angelica Domröse u. a., Ton Dietmar Hagen, Produktion MDR/ORF 2009, 54'42
  • Schöne Welt wo bist du? Wege zu Johann Joachim Winckelmann, Hörspiel von Jean-Claude Kuner, mit Fritz Lichtenhahn, Ulrich Matthes, Walter Giller, Nadja Tiller, Alexander Khuon, Max von Pufendorf, Johannes Schäfer, Sabin Tambrea, im Interview: Wolfgang von Wangenheim, Ton Peter Kainz, Autorenproduktion im Auftrag des Deutschlandfunks 2011, 73'39 und 54'43

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Joachim Winckelmann – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Johann Joachim Winckelmann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Arthur Schulz: Johann Joachim Winckelmann. Ein Altmärker, der eine neue Wissenschaft schuf. In: Der Altmarkbote. Kulturblätter für Stadt und Land. Heft 5, Salzwedel Januar 1957, S. 8.
  2. Heinrich Alexander Stoll:Tod in Triest - Leben, Taten und Wunder Johann Joachim Winckelmann, 2. Auflage Berlin 1970, S. 602.
  3. Heinrich Alexander Stoll: Tod in Triest - Leben, Taten und Wunder Johann Joachim Winckelmanns 2. Auflage Berlin 1970, S. 602.
  4. Vgl. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. S. 742; Vgl. Heinrich Detering: Das offene Geheimnis. Zur literarischen Produktivität eines Tabus von Winckelmann bis zu Thomas Mann. Göttingen 1994, S. 39-77.
  5. Auf ihnen beruht die Darstellung Der Tod des Gelehrten in dem von G. H. Mostar und R. A. Stemmle herausgegebenen Buch Die Höllenmaschinen des Dandy Keith aus der Reihe Justitia. Sensationelle Kriminalfälle, München 1967, Seite 71-88.
  6. Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst. 2. vermehrte Auflage. Waltherische Handlung, Dresden und Leipzig 1756, S. 2
  7. Vgl. Paul Derks: Die Schande der heiligen Päderastie, Homosexualität und Öffentlichkeit in der deutschen Literatur 1750–1850. Berlin 1990, S. 174–231.
  8. Vgl. Lorella Bosco: Das furchtbar-schöne Gorgonenhaupt des Klassischen, Deutsche Antikebilder (1755–1875). Würzburg 2004, S. 32–34; auch als digitale Dissertation
  9. Zitiert nach: D. Bochmeyer/J. Salaquarda: Nietzsche und Wagner. Stationen einer epochalen Begegnung. 2 Bde., Frankfurt/M. 1994, Bd. 2, S. 1025.
  10. Lorella Bosco: Das furchtbar-schöne Gorgonenhaupt des Klassischen, Deutsche Antikebilder (1755–1875). Würzburg 2004, S. 94; auch als digitale Dissertation