Johann Karl von Thüngen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Siehe auch Gerichtspräsident Hans Carl von Thüngen.
Hans Karl von Thüngen um 1700
Büste in der Ruhmeshalle München

Johann (Hans) Karl von Thüngen (* 5. Februar 1648; † 8. Oktober 1709) war Inhaber eines Infanterieregiments und von 1696 bis 1698 kaiserlicher Generalfeldmarschall. Er erhielt den Schwarzen Adlerorden und wurde in den Reichsgrafenstand erhoben.

Johann Karl von Thüngen wird standesgemäß auch mit dem Namenszusatz Freiherr bzw. später Graf geführt. Es sind auch Namensvarianten wie „Hans“ oder „Carl“ bekannt. In Kommandosachen war er derart ernsthaft, dass er durch seine gewöhnliche Beteuerung „so wahr ich Hans Carl heiße“ seine Untergebenen zu schleuniger Vollstreckung seiner Befehle antrieb.[1] In Kampfhandlungen hatte Thüngen das rechte Auge verloren. Einmal, vom Kaiser an einen deutschen Fürstenhof entsandt, wurde er von einem General empfangen und willkommen geheißen, der ihn zum Hof geleiten sollte. Zufällig hatte der begrüßende General ebenfalls nur noch ein Auge, da man an seinem Hof entweder nichts von der Versehrtheit des Feldherrn wusste oder man nicht darauf geachtet hatte. Hierüber empfindlich, entgegnete der Feldmarschall dem General, dass er hoffe, dass man ihn nicht vorsätzlich wegen der gleichen Behinderung zum Willkommensgruß ausgewählt habe.[2]

Johann Karl von Thüngen im Familienkontext[Bearbeiten]

Johann Karl von Thüngen stammt aus der alten fränkischen Adelsfamilie von Thüngen. Sie ist benannt nach dem unterfränkischen Ort Thüngen. Auch andere Familienmitglieder sind zu hohen Würden gekommen, so z. B. Neidhardt von Thüngen (1545–1599) als Fürstbischof von Bamberg und Konrad von Thüngen, Fürstbischof von Würzburg (1519 - 1540). Johann Karl von Thüngen, Sohn von Wolff Albrecht von Thüngen und dessen zweiter Frau Helena von Ebersberg gen. Weyers, war mit Maria Johanna Faust von Stromberg (* 14. Juli 1663; † 3. November 1739) verheiratet, der Tochter von Franz Ernst Faust von Stromberg, hochfürstlich-würzburgischer Geheimer Rat und Oberamtmann zu Haßfurt, und dessen Frau Maria Susanna Kottwitz von Aulenbach. Die 1678 geschlossene Ehe zwischen Johann Karl und Maria Johanna blieb kinderlos. Johann Karls Bruder, Johann Friedrich Freiherr von Thüngen, hatte neben zwei Töchtern einen Sohn, Hans Carl Freiherr von Thüngen, der 1723 unvermählt als letzter dieser Linie verstarb.

Karriere im Militär[Bearbeiten]

Der spätere Graf von Thüngen wurde zunächst zum Fähnrich und 3 Jahre danach zum Oberstwachtmeister befördert. 1673 erhielt er das Kommando einer Truppenabteilung bei dem er Marquis von Listenois, der einen Aufstand in Burgund anstiftete, bei einem Kampf schlug. Kurz darauf wurde Herr Karl zum Oberstleutnant und Kommandeur in Besançon. Im Mai 1674 wurde Besançon jedoch an die Franzosen übergeben. Seine Stelle als Adjutant des Prinzen von Baudement, wo er die Schlacht in Genf führte, verließ der Reichsherr kurz darauf, um wieder nach Hause zurückzukehren. Einige Jahre später trat er als Oberleutnant der fränkischen Kreistruppen ein und erwarb 1676 das Kommando in Würzburg. Im selben Jahr erhielt er das Kommando für ein Regiment, das er in zwei Feldzügen gegen Frankreich führte. 1683 wurde er bambergisch-würzburgischer Generalwagenmeister. 1688 kommandierte er als Generalwachtmeister die Truppen des fränkischen Reichskreises, mit denen er auch die Belagerung und Erstürmung von Reuhäufel durchführte. Mit Bravur wurde er im Oktober 1684 zum kaiserlichen Generalfeldwachtmeister ernannt. Mit dieser Beförderung durfte er, durch kaiserliche Zustimmung, sein Regiment auf 2500 Mann verstärken. 1688 wurde er zum Generalfeldmarschallleutnant. 1689 stand er in den Diensten von Bonn und Mainz. 1690 ernannte ihn der Kurfürst von Mainz Anselm Franz von Ingelheim zum Generalfeldzeugmeister und Oberkommandanten für die Truppen und Festungen, insbesondere auch der Festung Mainz. Im Januar 1690 wurde er zum kurmainzischen Feldzeugmeister ernannt. 1692 führte er die Infanterie der Reichsarmee und wurde zum kaiserlichen Feldzugmeister ernannt. Im Jahre 1696 beförderte ihn der Kaiser zum Generalfeldmarschall. Im selben Jahr, als er im Lager des Markgrafen Ludwig gewesen war, fiel er einer französischen Partei aus Philippsburg in die Hände, wurde aber nach vier Wochen gegen Erlegung von 5000 Franzosen freigelassen. 1698 war Johann Karl Kommandant der Festung Philippsburg. Als der Spanische Erbfolgekrieg anfing, leitete er 1702 den Angriff auf die Festung von der Nordwestseite in Landau. 1703 trug er das Kommando in Philippsburg, rückte dann nach Stollhofen und übernahm dort das Sagen am Oberrhein. Im März 1704 wurde er zum Reichsfeldzeugmeister ernannt und befehligte die Truppen am Oberrhein und in Schwaben und war Bevollmächtigter bei den Verhandlungen des Austausches der 800 Preußen, die in der Schlacht bei Höchstädt im September 1703 in Gefangenschaft geraten und in Ulm untergebracht waren. Jedoch waren die Gespräche erfolglos. 1704 führt er Johann Karl in Donauwörth die kaiserliche Armee in den Krieg und wurde bei diesem Angriff verwundet. Ende August zog er die eingesetzte Armee von Ulm ab und übernahm die Belagerung bis zur erfolgenden Kapitulation. Nach dem Sieg über Landau, Trier und Trarbach erhielt er das Kommando über die Postierung am Rhein und am Neckar. Von König Friedrich I. von Preußen erhielt er kurz darauf den Schwarzen Adlerorden. 1705 führte Johann Karl die Reichsarmee von Lautenburg und leitete dann im September die Belagerung von Hagenau. 1707 befand er sich als Kommandant in Philippsburg und übernahm, trotz seines schlechten Zustandes durch Gicht, das Armeekommando vom Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover. 1708 wurde er von Kaiser Joseph I. in den Reichsgrafenstand erhoben. Johann Karl starb am 8. Oktober 1709 im Lager bei Speyer.

Gedenktafel in der Ruhmeshalle in München

Ruhmeshalle in München[Bearbeiten]

Ihm zu Ehren wurde 1853 durch den bayerischen König Ludwig I. in der Ruhmeshalle in München, linke Flügelwand, eine Büste aufgestellt. Die Büste wurde 1944 zerstört und nicht restauriert oder nachgebildet. Heute erinnert eine Gedenktafel daran.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jakob Christoph Iselin, Johann Franz Buddeus, Allgemeines Historisches Lexicon 1722, S. 531 (Digitalisat)
  2. Johann Georg Krünitz, Heinrich Gustav Flörke, Friedrich Jakob Floerke, Johann Wilhelm David Korth, Oeconomische Encyclopädie, Band 74 (1798), S. 629 ([Digitalisat])

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Karl von Thüngen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien