Johann Kasimir Kolb von Wartenberg

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Johann Kasimir Kolb Graf von Wartenberg
Wartenberg-Palais 1702–1889 im Nikolaiviertel, Spreeseite, Ecke heutige Rathausstraße.[1]

Graf Johann Kasimir Kolb(e) von Wartenberg auch als Freiherr Johann Kasimir Kolb von Wartenberg (* 6. Februar 1643 in Metz bei Münzenberg (Wetterau); † 4. Juli 1712 in Frankfurt an der Oder) war ein preußischer Premierminister und führender Kopf des Drei-Grafen-Kabinetts.

Biografie[Bearbeiten]

In jungen Jahren trat Kolb als Oberstallmeister und Geheimer Rat in die Dienste von Marie von Oranien (1642–1688), der Schwägerin des Großen Kurfürsten und Frau des Pfalzgrafen Ludwig Heinrich von Simmern (1640–1674). Nach deren Tod trat er 1688 in die Dienste des Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg. Dort stieg er schnell auf: 1690 war er Hauptmann von Oranienburg, 1691 Schlosshauptmann von Berlin und 1694 Hauptmann der Dompropstei Havelberg, 1696 Oberstallmeister sowie Oberkammerherr.

Nach dem Sturz des Ersten Ministers Eberhard von Danckelman 1697 Minister und Chef der Generalökonomiedirektion, entledigte er sich bald mittels gezielter Intrigen der Konkurrenten Hans Albrecht von Barfus und Paul von Fuchs und verstand es, wichtige Hofstellen mit seinen Handlangern zu besetzen. 1699 wurde Kolb von Wartenberg von Kaiser Leopold I. in den Rang eines Reichsgrafen (1707 wurden seine pfälzischen Güter zur Reichsgrafschaft Wartenberg) erhoben.[2] Am 18. Januar 1701 durfte er Friedrich I. bei dessen eigenhändiger Krönung in Königsberg den Purpurmantel umhängen. Im selben Jahr wurde er dazu noch Premierminister. Sein Wirken ist durch eine beispiellose Ämterhäufung gekennzeichnet, die es ihm gestattete, nach Belieben zu schalten und walten: Er hatte nicht nur die bereits genannten Funktionen inne, sondern war darüber hinaus auch noch Marschall des Königreichs Preußen, Protektor der Königlichen Akademien, Kanzler des Ordens vom Schwarzen Adler, Oberstallmeister, Oberaufseher der Königlichen Schlösser, Oberhauptmann aller Schatullenämter, Generalpostmeister, und bekleidete diese Stellungen nicht etwa nacheinander, sondern in Personalunion. So konnte er den Hof mit einem System von Korruption überziehen und sich schamlos bereichern.

Ihm assistierte dabei seine Frau Katharina Rickers (* 1670 in Lobith; † 1734 in Den Haag). Tochter des aus Emmerich stammenden höchsten Zollbeamten Kurbrandenburgs im klevischen Raum, war sie bürgerlicher Herkunft. Als Gattin des geheimen Kammersekretärs Peter Biedekap war sie nach Berlin gekommen und wurde dort zunächst Kolbs Geliebte, später seine Ehefrau. Nach der Heirat der beiden überredete Kolb den König, sie zur Aufwertung des königlichen Renommés zur offiziellen Mätresse zu ernennen. Friedrich schlief zwar nie mit ihr, aber ihr Status vergrößerte den politischen Einfluss ihres Gatten erheblich[3].

Kolb von Wartenberg und seine Minister, Oberhofmarschall Graf August von Wittgenstein (1663–1735) und Generalfeldmarschall Graf Alexander Hermann von Wartensleben (1650–1734) − die „drei großen Wehs“ von Preußen – verschwendeten Staatsgelder und erhöhten die Steuern. August Reichsgraf zu Sayn-Wittgenstein etwa, dem Wartenberg 1705 die Position eines Direktors des Salzwesens verschafft hatte, nutzte die Gelegenheit, erhöhte die Salzsteuer um das Zehnfache und strich die Einnahmen ein. Als sich die Beschwerden in der Bevölkerung häuften und der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Soldatenkönig 1710 schließlich eingriff, flog der Schwindel auf. Anfang 1711 wurde Wartenberg entlassen und ging außer Landes.

Wartenberg war Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft mit dem Gesellschaftsnamen „der Bessere“. Wartenberg initiierte heute kurios anmutende Abgaben wie Jungfernsteuer, Perückensteuer, Hutsteuer, Strumpfsteuer, Kutschensteuer und den Vorläufer einer Kaffeesteuer (wer Kaffee, Tee oder Kakao trinken wollte, musste einen Erlaubnisschein erwerben, der pro Jahr zwei Taler kostete).

Familie[Bearbeiten]

Johann Kasimir war mit Anna Katharina Rickers (* 1670; 19. März 1734) verheiratet. Das Paar hatte folgende Kinder:

  • Friedrich Kasimir (* 9. Januar 1697; † 19. Oktober 1719)
  • Kasimir (* 6. Mai 1699; † 2. Oktober 1772) ∞ Marie Sophie Eleonore Wilhelmine zu Solms-Rödelheim und Assenheim (* 4. Juli 1698; † 1. Oktober 1766)
  • Friedrich Karl (* 29. Juli 1704; † 20. September 1757) ∞ Anna Regina Wagner (* 25. September 1711; † 2. September 1782)
  • Wilhelm Anton (* 31. August 1705; † 6. September 1778)
  • Sophie Dorothea (* 10. Februar 1707)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Kasimir Kolb von Wartenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Geschichte Berlins: Spreeufer im Nikolaiviertel (Burgstraße)
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon BandVI, Band 91 der Gesamtreihe, Limburg (Lahn) 1987, S. 397 f.
  3. Vgl. Hans-Dieter Otto: Nach uns die Sintflut. Höfisches Leben im absolutistischen Zeitalter, Ostfildern 2010, S. 84.