Johann Kaspar Riesbeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Kaspar Riesbeck (* 21. Januar 1754 in Höchst am Main; † 8. Februar 1786 in Aarau) war ein deutscher Jurist, Schriftsteller, Schauspieler und Illuminat.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Riesbeck wurde als siebentes von acht Kindern in Höchst bei Frankfurt am Main geboren. Sein Vater war Weber und betrieb eine kleine Textilmanufaktur. Der bescheidene Wohlstand der Familie ermöglichte ihm eine gute Schulbildung bei den Antonitern. 1768 nahm er ein Studium in Mainz auf. Hier und in Gießen kam er mit aufklärerischen Strömungen in Kontakt. Er unterbrach mehrmals seine Studien und unternahm größere Reisen durch Deutschland. Riesbeck lernte die Vertreter des Sturm und Drang Lenz, Klinger und Wagner kennen. In Frankfurt traf er auch mit Goethe zusammen. Eine tätliche Auseinandersetzung mit einem Domherren zwang ihn, 1775 die Stadt Mainz zu verlassen.

In Salzburg und Wien lebte er dann als Privatmann, Schauspieler (in komischen Rollen), Übersetzer, Journalist und Schriftsteller. Auf Fürsprache Goethes wurde er der erste Redakteur der 1780 gegründeten halbwöchentlich erscheinenden Zürcher Zeitung. Daneben war er unermüdlich als politischer Schriftsteller tätig. Den Hass der Kleriker zog er sich mit der anonym erschienenen Schrift Briefe über das Mönchswesen (1780) zu. 1783 erschien ebenfalls unter Pseudonym sein Buch Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris, mit einer berühmt gewordenen Charakteristik der Bayern im Allgemeinen und der Münchner im Besonderen.[1] Der Erfolg war außerordentlich, in kurzer Zeit wurde das Buch in mehrere Sprachen übersetzt. Seine Leser haben dabei wohlwollend übersehen, dass Riesbeck weite Teile der von ihm auf Papier erkundeten Weltwinkel nie mit eigenen Augen gesehen hat, sondern sich durch Literaturstudium und andere Quellen kundig gemacht hat.[2]

Das unstete Leben und die rastlose Arbeit hatten seine Gesundheit ruiniert. Einsam, verbittert und verarmt starb er, von seinen Freunden verlassen, am 8. Februar 1786 im eidgenössischen Aarau.

Die bald nach seinem Tod beginnende Französische Revolution, die nachfolgende Napoleonzeit und die bis 1815 dauernden gesellschaftlichen Umwälzungen raubten seinem Werk den Charakter der Aktualität. Die Restaurationspolitik nach dem Wiener Kongress tat ein Übriges, um Leben und Werk dieses „ruchlosen Atheisten“ vergessen zu machen. Im 28. Band der Allgemeinen Deutschen Biographie vom Jahr 1889 heißt es über die Briefe eines reisenden Franzosen: „Wie in allen seinen seitherigen Arbeiten, so zeigt sich auch in diesem Werke wol eine gewisse Gewandtheit der Darstellung, aber man vermißt den Ernst der Forschung und Beobachtung, wie nicht minder das Streben nach Unparteilichkeit und Wahrheit.“ Jeder, der sich in eines seiner Bücher vertieft, wird die Einseitigkeit dieses Urteils erkennen.

Spätestens um 1900 war Riesbeck aus dem Kanon des deutschen Bildungsbürgertums verschwunden. Für uns aber sind seine brillant geschriebenen Bücher eine wichtige Quelle der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und Österreich im Zeitalter des Absolutismus.

Riesbeck wird verschiedentlich als Entdecker des romantischen Rheins angesehen.

Karte Berlins in Riebecks Voyage en Allemagne (1788)

Werke[Bearbeiten]

anonym erschienen[Bearbeiten]

  • 1780 Briefe über das Mönchswesen von einem catholischen Pfarrer an einen Freund (zwei Bände)
  • 1781 Neue Briefe für und wider das Mönchswesen, mit unparteyischer Feder entworfen (zwei Bände)
  • 1783 Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris (zwei Bände)

Neuausgabe[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Pezzl: Biographisches Denkmal Risbeck’s, Verfasser der Briefe eines reisenden Franzosen und anderer Schriften. Kempten 1786 MDZ München
  • Karl Georg Bockenheimer: Riesbeck, Johann Kaspar. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 28, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 575.
  • Rudolf Schäfer: Johann Kaspar Riesbeck, der „reisende Franzose“ aus Höchst. Sein Leben, sein Werk und seine Zeit. 2. Aufl. Höchster Geschichtshefte 1a. Frankfurt-Höchst 1971: Verein für Geschichte u. Altertumskunde. 2. Aufl.
  • Clarissa Höschel: Die letzten Briefe des „Reisenden Franzosen“. In: Literatur in Bayern, Heft 104 (Juni 2011), S. 57-60.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Kaspar Riesbeck – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clarissa Höschel: Die letzten Briefe des „Reisenden Franzosen“. In: Literatur in Bayern, Heft 104 (Juni 2011), S. 57-60.
  2. Harro Zimmermann: Hoppla, hier kommt die Nation, Literarische Welt, 18. Januar 2014, S. 8