Johann Michael von Althann

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Johann Michael Graf von Althann (teilw. auch Michael Johann) (* 8. Oktober 1679 in Joslowitz; † 26. März 1722 in Wien) war ein Favorit von Kaiser Karl VI. und ein Hauptvertreter der spanischen Partei am Wiener Hof.

Johann Michael Graf von Althann

Leben[Bearbeiten]

Er stammte aus dem Adelsgeschlecht Althann. Johann Michael war Kämmerer, Geheimer Rat und schließlich von 1716 bis 1722 Oberstallmeister unter Karl VI. Seine Ämter waren nicht sehr bedeutend, aber er übte als persönlicher Favorit Karls einen erheblichen Einfluss aus.

Er begleitete Karl 1703 noch zu dessen Zeit als Erzherzog während des spanischen Erbfolgekrieges nach Spanien. Am Wiener Hof hatte er, obwohl ohne besondere Fähigkeiten, erheblichen Einfluss. Ein Grund war seine katalanischen Frau, die eine Freundin des Kaisers war. Zumindest die ältere Geschichtsschreibung deutet eine Affäre an.[1] Althann war einer der führenden Personen der sogenannten „Spanischen Partei“.[2] Unter seinem Einfluss bildete der Kaiser ein an Karl V. orientiertes universalistisches bereits damals nicht mehr zeitgemäßes Staatsbild aus.[3] Die spanische Partei am Wiener Hof hat durch Intrigen zumindest zeitweise das Einvernehmen zwischen dem Kaiser und dem Prinzen Eugen von Savoyen zerstört. Althann übte bis zu seinem Tod eine einflussreiche Stellung am Hof aus. So hatte er entscheidenden Einfluss auf die Auswahl von Gesandten, ohne ein entsprechendes Amt innezuhaben.[4] Althann spielte auch insgesamt eine bedeutende Rolle im Patronagesystem am Wiener Hof.[5]

Althann ließ den Neubau des Schloss Vranov durch Johann Bernhard Fischer von Erlach fortsetzen. Seine Frau nutzte ihren Einfluss zur Förderung italienischer Künstler aber auch der Historiker Bernhard Pez und Gottfried Bessel.

Für die außerordentliche Wertschätzung des Kaisers für Althann spricht, dass Karl nach dem Tod des Grafen die Vormundschaft über dessen Kinder übernahm.[6] Seine Frau war Maria Anna Josepha Althann, die er in Barcelona geheiratet hatte. Der Ehe entstammen sechs Kinder, darunter Michael Johann, Vizepräsident der Obersten Justizstelle, und Michael Anton Ignaz, General der Kavallerie.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alfred Ritter von Arneth: Karl VI., römisch-deutscher Kaiser. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 206–219.
  2. Hans Schmidt: Karl VI. 1711–1740. In: Die Kaiser der Neuzeit 1519–1918. Heiliges römisches Reich, Österreich, Deutschland. München 1990, S. 205
  3. Hans Schmidt: Karl VI. 1711–1740. In: Die Kaiser der Neuzeit 1519–1918. Heiliges römisches Reich, Österreich, Deutschland. München 1990, S. 203
  4. Volker Jarren: Die Vereinigten Niederlande und das Haus Österreich 1648–1748. Fremdbildwahrnehmung und politisches Handeln kaiserlicher Gesandter und Minister. In: Helmut Gabel (Hrsg.): Kaufleute und Fürsten. Außenpolitik und politisch-kulturelle Perzeption im Spiegel niederländisch-deutscher Beziehungen 1648–1748. Münster u.a. 1998, S. 51
  5. Irene Kubiska: Der kaiserliche Hof- und Ehrenkalender zu Wien als Quelle für die Hofforschung. Eine Analyse des Hofpersonals in der Epoche Kaiser Karl VI. (1711–1740). Magister-/Diplomarbeit, Wien 2009, S. 123
  6. Irene Kubiska: Der kaiserliche Hof- und Ehrenkalender zu Wien als Quelle für die Hofforschung. Eine Analyse des Hofpersonals in der Epoche Kaiser Karl VI. (1711–1740). Magister-/Diplomarbeit, Wien 2009, S. 156

Weblinks[Bearbeiten]