Johann Nepomuk Czermak
Johann Nepomuk Czermak (* 17. Juni 1828 in Prag; † 17. September 1873 in Leipzig) war Physiologe und Begründer der Laryngoskopie.
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Leben und Werdegang [Bearbeiten]
Johann Nepomuk Czermak studierte Medizin 1845/1846 an der Universität Wien, danach 1847 an den Universitäten Breslau und Prag bei Jan Evangelista Purkyně und seit 1849 in Würzburg, wo er zum Doktor der Medizin promoviert wurde und Privatdozent war. Während seines Studiums wurde er 1847 Mitglied der Alten Burschenschaft Arminia Wien. [1] Nach einer Assistentenzeit am Physiologischen Institut in Prag wurde er 1855 ordentlicher Professor der Physiologie an der Universität Graz, war 1856/1857 an der Universität Krakau und 1858 bis 1860 in Budapest. Nach Einführung des Ungarischen als Unterrichtssprache resignierte er 1860 und errichtete ein eigenes Privatlaboratorium in Prag mit einem Hörsaal, das sogenannte Czermak´sche Spectatorium und war gleichzeitig Professor an der Universität Jena. Durch die Einführung des von Ludwig Türck und Manuel Patricio Rodriguez Garcis entwickelten Kehlkopfspiegels wurde er der Begründer der Laryngoskopie.
Angehörige [Bearbeiten]
Johann Nepomuk Czermak hatte die Brüder:
- Josef Czermak, * 25.11.1826 in Prag, + 24.7.1872 in Graz, Dr.med. und Psychiater, seit 1853 Chefarzt der Irrenanstalt in Brünn und Förderer der Gründung einer mährischen Landes-Irrenanstalt, der heutigen Psychosomatischen Klinik Cernovice, die 1863 in Czernowitz, Bezirk Brünn, unter seiner Leitung eröffnet wurde. 1870 o. Professor der Psychiatrie an der Universität Graz und Direktor der Landesirrenanstalt Feldhof in der Steiermark, der heutigen Landesnervenklinik Sigmund Freud.
- Jaroslaw Czermak, * 1.8.1830 in Prag, + 23.4. 1875 in Paris, Historienmaler. 1847 Student an der Kunstakademie in Prag, 1848 Studienreisen nach München, Düsseldorf, Antwerpen und Brüssel. Nach 1852 ständiger Aufenthalt in Paris mit vielfachen Reisen nach Prag, Dalmatien und Montenegro. Seine Bilder zeigen Darstellungen aus der böhmischen und slawischen Geschichte, insbesordere der Montenegriner.
Johann Nepomuk Czermak war der Onkel des:
- Augenarzt Wilhelm Czermak (Mediziner), * 12.10.1856 in Brünn, + 8.9.1906 in Lans/Tirol, Sohn des Psychiaters Josef Czermak (1826-1872). Er wurde als Student der Medizin in Graz Dr.med. und habilitierte sich für Augenheilkunde. 1892 Professor für Augenheilkunde an der Universität Innsbruck und seit 1895 an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag als Nachfolger von Isidor Schnabel (1842-1908) als Vorstand der Augenklinik. Er ist der Vater des
- Wilhelm Czermak, * 10.9.1889 in Prag, + 13.3.1953 in Wien, Ägyptologe. Nach dem Kriegsdienst 1914 bis 1918 während des Ersten Weltkrieges, zuletzt als Kundschaftsoffizier in Aleppo, 1919 Habilitation für hamitische und afrikanische Sprachen. Privatdozent, 1925 a.o. Professor und 1933 o. Professor für Ägyptologie und Afrikanistik an der Universität Wien, 1952/1953 Rektor der Universität.
Medizinische Publikationen [Bearbeiten]
- Physiologische Untersuchungen mit Garcia´s Kehlkopfspiegel, Wien, Gerold, 1858
- Über den Kehlkopfspiegel. Wiener medizinische Wochenschrift 8 (1858) 196-198.
- Der Kehlkopfspiegel und seine Verwertung in Physiologie und Medizin. Engelmann, Leipzig, 1860.
- Zur Physiologie des Gesichtssinnes. (On acccomodation phenomena).
- Über den Raumsinn der Haut.
- Ueber das Ohr und das Hören : Vortrag, gehalten am 4. März 1872 im Amphitheater des physiologischen Privatlaboratoriums. Lüderitz, Berlin 1873 (Digitalisat der ULB Düsseldorf)
- Gesammelte Schriften. 2 Bände in 3 Halbbänden. Leipzig, 1879 (Digitalisate: 1, 2, 3)
Literatur [Bearbeiten]
- Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), München Wien 1979, Band I, Seite 221 bis 223, Namensträger der hier dargestellten Familie Czermak, ISBN 3 486 49491 0
- Constantin von Wurzbach: Czermak, Johann. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Band 11. Verlag L. C. Zamarski, Wien 1864, S. 387 f.
- Carl von Voit: Czermak, Johann Nepomuk. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 672 f.
- Leopold Schönbauer: Czermak, Johann Nepomuk. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 458 (Digitalisat).
- Johann Nepomuk Czermak. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 161.
- H. Steinberg: Johann Nepomuk Czermak als Neurophysiologe in Leipzig. Fortschritte der Neurologie Psychiatrie 2000; 68: 339–343, PMID 11006860, doi:10.1055/s-2000-11543
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Johann Nepomuk Czermak im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Johann Nepomuk Czermak im Professorenkatalog der Universität Leipzig
- Übersicht der Lehrveranstaltungen von Johann Nepomuk Czermak an der Universität Leipzig (Sommersemester 1869 bis Wintersemester 1872)
- Kurzbiografie, -bibliografie und Verweise auf digitale Quellen im Virtual Laboratory des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte (englisch)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Horst Grimm/Leo Besser-Walzel, Die Corporationen, Frankfurt am Main, 1986
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Czermak, Johann Nepomuk |
| KURZBESCHREIBUNG | Physiologe |
| GEBURTSDATUM | 17. Juni 1828 |
| GEBURTSORT | Prag |
| STERBEDATUM | 17. September 1873 |
| STERBEORT | Leipzig |
- Physiologe
- Mediziner (19. Jahrhundert)
- Hochschullehrer (Universität Graz)
- Hochschullehrer (Krakau)
- Hochschullehrer (Universität Wien)
- Hochschullehrer (Loránd-Eötvös-Universität Budapest)
- Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
- Hochschullehrer (Universität Leipzig)
- Burschenschafter (20. Jahrhundert)
- Geboren 1828
- Gestorben 1873
- Mann
- Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften