Johann Ohneland

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Dieser Artikel behandelt den König von England. Zu Informationen über „Johann Ohneland“ († 1387), Graf von Eu, siehe Jean d’Artois, comte d’Eu.
Darstellung König Johann Ohnelands aus der Historia Anglorum (1250-59)

Johann Ohneland (* 24. Dezember 1167 im Beaumont Palace, Oxford; † 19. Oktober 1216 auf Newark Castle, Newark-on-Trent), engl. John Lackland, eigentlich franz. Jean Plantagenêt, genannt Jean Sans-Terre, war von 1199 bis 1216 König von England. Er war der jüngste Sohn König Heinrichs II. und folgte seinem Bruder Richard I., genannt Richard Löwenherz, auf den Thron.

Familie[Bearbeiten]

Johann wurde 1167 als fünfter Sohn Heinrichs II. (Henri Plantagenet) und Herzogin Eleonores von Aquitanien (Aliénor d'Aquitaine) in Oxford geboren. Er war zweimal verheiratet. Am 29. August 1189 schloss er seine erste Ehe mit Isabel, Countess of Gloucester (1170–1217), diese wurde aber wegen Kinderlosigkeit bald wieder geschieden. Am 24. August 1200 heiratete er Isabella von Angoulême (ca. 1188–1246). Aus dieser Verbindung stammten fünf Kinder:

  1. ∞ 1224 William Marshal,
  2. ∞ 1238 Simon V. de Montfort

illegitime Nachkommen aus der Verbindung mit Agatha Ferrers:

Leben[Bearbeiten]

Aufstand und Regentschaft[Bearbeiten]

Seinen Beinamen Ohneland erhielt Johann bereits als Kleinkind, weil er 1169 von seinem Vater bei der mit dem französischen König in Montmirail vereinbarten Erbteilung unter den Söhnen keinerlei Berücksichtigung fand, während der älteste Sohn, Heinrich der Jüngere, die Normandie und Anjou erhielt, der zweite, Richard Löwenherz, mit Aquitanien bedacht werden sollte und der dritte, Gottfried, bereits als Erbe der Bretagne feststand.[1] Erst später wurden ihm lediglich kleinere Randgebiete des Angevinischen Reichs zugesprochen: die Grafschaft Mortain und die erst kurz zuvor eroberten und noch nicht vollkommen befriedeten östlichen Gebiete Irlands sowie (durch Heirat) Savoyen.

Als Heinrich II. sich weigerte, Johann und seine Brüder vor seinem Tod in den ihnen jeweils zugesprochenen Territorien an der Herrschaft zu beteiligen, gingen sie erstmals 1172 gemeinsam mit ihrer Mutter Eleonore zum offenen Aufstand über, der allerdings bald scheiterte. Nachdem die Söhne kurzfristig wieder in die Gnade des Vaters aufgenommen worden waren, befanden sie sich bald wieder in Rebellion. Heinrich der Jüngere, der vorgesehene Thronfolger für England und die Normandie, sowie Gottfried, Herzog der Bretagne, als zweiter in der Erbfolge, starben. Johanns älterer Bruder Richard Löwenherz stellte sich nun an die Spitze der Revolte, die von Johann mitgetragen wurde, und zwang den gemeinsamen Vater 1189 zum Abdanken.

Als soeben ernannter König begab Richard sich sofort an die Spitze des Dritten Kreuzzugs ins Heilige Land (1189–1192). Johann ernannte er zu seinem Stellvertreter in England. Während des Kreuzzugs zerstritt sich Richard mit König Philipp II. August von Frankreich, dem zweiten Führer des Kreuzzugs und Verbündeten während der Verschwörung gegen Heinrich II. Der französische König kehrte daraufhin im Sommer 1191 vorzeitig nach Frankreich zurück und schloss einen Pakt mit Johann Ohneland: Philipp erhielt Territorien des Angevinischen Reiches in Frankreich, Johann wurde die Verwaltungshoheit über die übrigen Festlandgebiete zugesprochen. Richard hatte sie seinem Schwiegervater Sancho VI. von Navarra und seiner Mutter Eleonore anvertraut. Diese beiden begannen sofort, sich gegen die Usurpation durch Johann und die Annexion durch den französischen König zu wehren. Auch Richard Löwenherz kehrte im Herbst 1192 aus dem Heiligen Land zurück, wurde aber von Herzog Leopold V. von Österreich gefangengenommen. Bis zur Freilassung Richards gegen ein hohes Lösegeld im Jahr 1194 kämpfte Johann gegen die übrigen Statthalter Richards sowie gegen dessen loyale Vasallen. Bei seiner Rückkehr im April 1194 nahm Richard Löwenherz seinen Bruder sofort wieder in Gnade auf und begann einen Feldzug gegen den französischen König, der zur erneuten Eroberung eines Großteils der verlorenen Gebiete führte.

Johann als König[Bearbeiten]

Als Richard Löwenherz 1199 an einer Verwundung starb, die er sich im Kampf zugezogen hatte, wurde Johann Ohneland zum König gekrönt. Angesichts weitreichender Adelsaufstände war Johann gezwungen, mit Philipp II. August, dem gefährlichsten äußeren Feind, am 22. Mai 1200 den für die Angeviner nachteiligen Frieden von Le Goulet zu schließen: Philipp erhielt Territorien um Évreux, Teile des Vexin und Nieder-Berry, also in etwa die Territorien, die Richard erst kurz zuvor erobert hatte.

Durch seine Heirat mit Isabella, der Erbin von Angouleme und Cousine Philipps II., am 24. August 1200 wollte Johann seine Herrschaft auf dem Kontinent stabilisieren und vor allem im Poitou seinen Einfluss vergrößern. Isabella war allerdings bereits an Hugo IX. von Lusignan, den Grafen der Marche, versprochen, und Johann konnte die Ehe mit der Elfjährigen zunächst nicht vollziehen. Die Ehe blockierte zugleich den dynastischen Zugriff der Kapetinger, des französischen Königshauses, und Hugos auf das Poitou. Auf Hugos Betreiben wurde nun Philipp II. erneut aktiv und beschlagnahmte am 28. April 1202 sämtliche kontinentalen Besitzungen des englischen Königs. Darüber hinaus unterstützte er Johanns Neffen, Arthur I., der an Philipps Hof aufgewachsen war. Arthur griff zunächst erfolgreich in Anjou an. Johann konnte ihn in Poitou militärisch schlagen und im Juli 1202 in Mirebeau gefangennehmen. Fast gleichzeitig flammten die Adelsaufstände wieder auf, so dass Johann die Verschnaufpause, die die Ausschaltung Arthurs geboten hatte, nicht nutzen konnte.

Umso erfolgreicher ging daraufhin Philipp II. direkt gegen den englischen König vor. Bis 1204 nahm der französische König Touraine, Anjou und die Normandie ein, das Stammland des englischen Königshauses. Auch im Süden setzte sich der Zerfall des Angevinischen Reiches fort. Nach dem Tod Eleonores am 1. April 1204 zerbrach die Bindung Aquitaniens an den englischen Thron sofort; Adel und Städte schlossen sich dem französischen König an. Diese Entwicklungen bildeten den entscheidenden Schritt zur Stabilisierung Frankreichs als geschlossenes Staatsgebilde. Alfons VIII. von Kastilien besetzte die Gascogne, die er als Mitgift seiner Frau, einer Schwester Johanns, ansah. Zumindest Aquitanien konnte Johann Ohneland wieder in seinen Herrschaftsbereich einfügen. Savary de Mauléon, Marschall von Poitou, und Elias von Malmort, Erzbischof von Bordeaux, bewegten durch Verhandlungen einen Teil der regionalen Machtträger dazu, sich wieder Johann anzuschließen. Im Sommer 1206 zog Johann mit einem großen Heer auf den Kontinent, was Philipp II. dazu bewog, ihm in einem Vertrag die Herrschaft über Aquitanien zu garantieren.

Grab König Johanns in der Kathedrale von Worcester

Die folgenden Jahre waren von Konflikten mit Vasallen in England geprägt. Weitaus wichtiger war allerdings der Streit mit Stephen Langton, dem Erzbischof von Canterbury. Der Streit hatte 1208 ein Interdikt für England und 1209 die Exkommunikation Johanns zur Folge. Diese kirchenrechtlichen Schritte schwächten den König weiter, zudem drohte eine Invasion Philipps II. Im Februar 1214 setzte dann aber Johann, nachdem er sich kurz zuvor mit Papst Innozenz III. versöhnt hatte, mit einer Armee auf den Kontinent über. Zunächst waren damit sowohl die Angriffspläne des französischen Königs durchkreuzt als auch der englische Adel angesichts der Kampfsituation vorerst ruhiggestellt. Am 27. Juli 1214 erlitt Johann jedoch eine Niederlage in der Schlacht von Bouvines, die allein deshalb nicht zur Katastrophe wurde, weil Philipp dem englischen König einen Waffenstillstand von fünf Jahren gewährte. Angesichts des Misserfolgs war in England ein offener Adelsaufstand ausgebrochen, den Johann zu besänftigen versuchte, indem er am 15. Juni 1215 die Magna Carta durch das Anbringen seines Siegels akzeptierte. Am 19. Juni erneuerten die Barone ihren Treueid auf den König. Letztendlich ließen sich die Aufständischen jedoch nicht befrieden. Sie riefen sogar den französischen Thronfolger Ludwig VIII. zur Hilfe, der nun tatsächlich in Kent landete, den Osten Englands unter seine Kontrolle brachte und am 2. Juni 1216 in London einzog.

In dieser Krisensituation starb Johann Ohneland am 19. Oktober, bestattet wurde er in der Kathedrale von Worcester. Sein Tod führte zu einer Mobilisierung von Adel und Bevölkerung zu Gunsten seines Sohns Heinrich III., der die Kapetinger wieder von der Insel vertrieb.

Unter Johann beschleunigte sich der Zerfall des weit gespannten Angevinischen Reiches, der bereits unter Richard Löwenherz eingesetzt hatte, entscheidend. Das englische Königtum geriet in eine seiner tiefsten Krisen. Gleichzeitig ermöglichte diese Schwäche die Konsolidierung des französischen Reiches und die Ausbildung der Grundlage für die spezifischen englischen Verfassungsstrukturen in der Magna Carta.

Literatur[Bearbeiten]

Sachbuch
  •  John T. Appleby: Johann „Ohneland“ – König von England. Riederer, Stuttgart 1965 (Originaltitel: John – King of England, übersetzt von Barbara Orthbandt).
Drama
Belletristik
  • Mac P. Lorne: Das Blut des Löwen. Dorfmeister, Tittling 2012, ISBN 978-3-927454-21-7. (schildert die Ereignisse um die Magna Carta sowie den Verlust von John's Kronschatz und seinen Tod in Newark)
  • Sylvie von Frankenberg, Katrin von Glasow: Der vierte König. Roman. Knaur, München 2005, ISBN 3-426-62979-8.
  • Johann Ohneland wird als „Prinz John“ in verschiedenen Variationen des Themas Robin Hood dargestellt.
  • Ebenso ist er der Regent „Prinz John“ in Sir Walter Scotts Roman Ivanhoe.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Roger of Hoveden: Chronica. In: William Stubbs (Hrsg.): Rolls Series. 51 (1869), Vol. 2, S. 5–6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John of England – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
englische Krondomäne
(Heinrich II.)
Lord von Irland
1185–1216
Heinrich III.
Richard I. Löwenherz König von England
1199–1216
Heinrich III.
Richard I. Löwenherz Herzog von Aquitanien
1199–1216
Heinrich III.
Richard I. Löwenherz Graf von Poitou
1199–1216
Heinrich III.
Richard I. Löwenherz Herzog der Normandie
1199–1204
französische Krondomäne
(Philipp II. August)