Johann Peter Eckermann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Peter Eckermann
Gedenktafel an dem Haus, in dem er in Ilmenau wohnte

Johann Peter Eckermann (* 21. September 1792 in Winsen (Luhe); † 3. Dezember 1854 in Weimar) war ein deutscher Dichter und enger Vertrauter Goethes.

„Eckermann erscheint mir keineswegs als ein irgend bedeutender Mensch“, äußerte Friedrich Hebbel (1813–1863) über Eckermann. „Eckermann [...] ist [...] vorzüglich die Ursache, dass ich den Faust fortsetze“, schrieb hingegen Goethe (1749–1832) und „[Er] bleibt, wegen fördernder Teilnahme, ganz unschätzbar.“ Die Urteile über den jungen Freund und Gehilfen des großen Dichters gehen von jeher weit auseinander.

Leben[Bearbeiten]

Geboren am 21. September 1792 in ärmlichen Verhältnissen in Winsen (Luhe), einer kleinen Stadt in Elbnähe vor den Toren Hamburgs, wuchs er einsam auf. Oft zog er mit seinem Vater hausierend durch die Winsener Marsch und die nördliche Lüneburger Heide, um in den Dörfern allerlei Kleinigkeiten zu verkaufen. Die Weite seiner norddeutschen Landschaft prägte Eckermanns Wesen dauerhaft.

Wie damals üblich, besuchte er die Schule nur unregelmäßig, fiel jedoch bald den Honoratioren seiner Heimatstadt durch seine geistigen Fähigkeiten und künstlerischen Begabungen auf. Sie förderten den jungen Eckermann, so dass er zwischen 1808 und 1813 Anstellungen als Amtsschreiber in seiner Heimatstadt Winsen und den östlichen Nachbarstädten fand.

Nach seiner Soldatenzeit (1813/14) wanderte er, seinem Wunsche folgend, Kunstmaler zu werden, nach Hannover, um sich bei dem Maler Ramberg ausbilden zu lassen. Krankheit und Geldnot zwangen ihn aber nach kurzer Zeit, dieses Vorhaben aufzugeben und wiederum eine Stelle in der staatlichen Verwaltung anzunehmen. Er sah, dass er sich geistig weiterbilden musste, besuchte nebenher in Hannover das Gymnasium und widmete sich eifrig breitgefächert der Literatur. Besonders die Werke Goethes beeindruckten ihn zutiefst.

Im Anschluss an die kurze Gymnasialzeit nahm Eckermann in Göttingen das Studium der Jurisprudenz und der Philologie auf, musste es jedoch bald aus Geldmangel einstellen. 1822 begründete er seinen Wohnsitz in Empelde bei Hannover. Durch die großen Vorbilder fühlte er sich nun angespornt, selber Verse zu verfassen. Daneben entstanden die Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe, deren Manuskript er nach Weimar an Goethe schickte.

Die positive Resonanz aus Weimar veranlasste ihn, den fast vierundsiebzigjährigen Goethe am 10. Juni 1823 persönlich aufzusuchen. Hocherfreut ging der ambitionierte junge Gast sogleich auf den Vorschlag seines „untrüglichen Leitsterns“ ein, einige organisatorische Arbeiten zu übernehmen. Er wurde jedoch nicht, wie heute noch auf der Gedenktafel am Weimarer Eckermannhaus zu lesen ist, Goethes Sekretär, sondern er war von nun an in einem unverbindlichen Gefälligkeitsverhältnis für Goethe tätig.

Johann Peter Eckermann. Gemälde vo n Johann Joseph Schmeller, 1824

Wie die Jahre zuvor war auch Eckermanns Weimarer Zeit von Geldnot beherrscht. Zwar sorgte Goethe dafür, dass die bereits erwähnten Beyträge zur Poesie gegen ein gutes Honorar verlegt wurden; überdies verschaffte der berühmte Dichter ihm bezahlte Tätigkeiten, so zum Beispiel als Lehrer des Erbprinzen Carl Alexander, sowie 1825 die Doktorwürde der Universität Jena, doch konnte der junge Norddeutsche nur knapp seinen Lebensunterhalt bestreiten, zumal die Arbeiten für Goethe ihn häufig außerordentlich beanspruchten. Goethes Vertrauen in die Zuverlässigkeit Eckermanns war so groß, dass er ihn auch bat, seinen labilen Sohn August 1830 auf dessen verhängnisvoller Italienreise zu begleiten.

Erst im Jahre 1831 konnte Eckermann in Northeim seine langjährige Verlobte Johanna Bertram heiraten. Sie starb bereits im April 1834 kurz nach der Geburt des Sohnes Karl, der später ein geachteter Kunstmaler wurde.

Der greise Goethe setzte seinen Mitarbeiter Friedrich Wilhelm Riemer gemeinsam mit Eckermann gegen eine Gewinnbeteiligung testamentarisch zum Herausgeber seines literarischen Nachlasses ein, doch nahm nach Goethes Tod 1832 in Weimar bald kaum noch jemand Notiz von dem kränkelnden, allmählich verarmenden Eckermann. 1836 erschienen endlich seine lange vorbereiteten Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens, ein bis heute anerkanntes, in mehrere Sprachen übersetztes literarisches Werk, und zwei Jahre darauf veröffentlichte Eckermann einen weiteren Gedichtband, doch waren die Honorareinnahmen so gering, dass er davon nicht lange zehren konnte.

Grabobelisk von Johann Peter Eckermann

Am 3. Dezember 1854 starb Eckermann krank und vereinsamt in Weimar. Er hinterließ eine Wohnung voll von halbzahmen einheimischen Tieren, denn er hatte sich seit je, so weit möglich, mit der Pflege und Beobachtung besonders von Vögeln beschäftigt. Auf diesem Gebiet hatte er sich großes Wissen erworben (bestätigten ihn besuchende Fachleute), allerdings nichts publiziert. Eckermanns früherer Schüler, der spätere Großherzog Carl Alexander, sorgte für eine würdige Grabstätte in unmittelbarer Nähe der letzten Ruhestätte Goethes auf dem Historischen Friedhof Weimar.

Ab 1932 wurde die ehemalige Schulstraße sowie die dort ansässige Realschule in Winsen (Luhe) nach ihm benannt.

Werk[Bearbeiten]

Weniger seine Gedichte, die in einem zweiten Bande im Jahre 1838 erschienen, als vielmehr die Niederschrift seiner Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens haben Johann Peter Eckermann weithin bekannt gemacht und ihm hohe Anerkennung eingebracht.

Im Gegensatz zu seinen poetischen Versuchen wird Eckermanns Bedeutung für die Goetheforschung heute allgemein anerkannt. Die Niederschriften der von ihm in den Bänden 1 und 2 seiner „Gespräche mit Goethe“ im Jahre 1836 veröffentlichten Unterhaltungen gelten als authentisch und werden in Publizistik, Literatur und Wissenschaft immer wieder als Quelle herangezogen. Die erst im Jahre 1848 veröffentlichten Unterhaltungen des dritten Bandes dagegen beruhen weitgehend auf äußerst fragmentarischen Notizen Eckermanns sowie auf fremden Aufzeichnungen, besonders auf jenen seines Freundes Frédéric Soret. Ihre Authentizität muss daher mit Vorsicht betrachtet werden.

Andererseits führten Missgunst und eine bis heute verbreitete Unkenntnis über Eckermanns Rolle im Leben Goethes zu einem von Überheblichkeit, Spott und Verachtung geprägten Urteil über den Goethevertrauten. Dazu trugen zweifellos auch Eckermanns wenig geglückte poetische Bemühungen bei. Unter den damaligen Zeitgenossen tat sich besonders Heinrich Heine hervor, der ihn u.a. als „Goethes Papagei“[1] verspottete. In neuerer Zeit gab Martin Walser in seinem Bühnenstück „In Goethes Hand“ Eckermann der Lächerlichkeit preis.[2] Friedrich Nietzsche (z.B. 1878) und Christian Morgenstern (1909) hingegen urteilten anerkennend über Eckermanns „Gespräche mit Goethe“. Nietzsche bezeichnete sie sogar als das beste deutsche Buch, das es gibt.[3]

Als „Goethes Sekretär“ fühlte sich Eckermann bereits zu Lebzeiten verkannt: „Allein daran ist kein wahres Wort!“, wehrte er sich, zählt die Sekretäre auf, die Goethe beschäftigte, und weist eine solche Klassifizierung für sich persönlich zurück. Er sieht sich als Gefährten und Freund des Dichterfürsten, in dessen Dienst er neun Jahre seines Lebens und seiner Schaffenskraft stellt. Goethe nennt ihn denn auch seinen „geprüften Haus- und Seelenfreund“ und „getreuen Eckart“ und lässt ihm im Jahre 1825 einen Doktorgrad der Universität Jena verleihen, was Eckermann peinlich ist: „Ich musste es geschehen lassen, aber ich war nur glücklich, als ich noch ein ganz einfacher Herr Eckermann war.“

Ohne Eckermann hätten wir heute wahrscheinlich keinen Faust II, und spätere Generationen hätten sich Goethes lyrisches Werk mühsam zusammensuchen müssen. Eckermanns unmittelbare Skizzen in seinem 1836 veröffentlichten Hauptwerk Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens haben ihre Originalität und Gültigkeit auch für heutige Leser behalten. Viele Textstellen können als Leitsätze und Lebensweisheiten auch ohne den weiteren Textzusammenhang, für sich genommen, stehen, und nicht wenige dürfen als treffende Kommentare oder kritische Anmerkungen zu Phänomenen unserer Gegenwart gelesen werden und stehenbleiben.

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Heinrich Borcherdt: Eckermann, Johann Peter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 289 f. (Digitalisat).
  • Jutta Hecker: Im Schatten Goethes. Eine Eckermann-Novelle. Weimardruck, Weimar 1999.
  • Helmuth Hinkfoth: Eckermanns Eheschließung mit Johanne Bertram in Northeim im Jahre 1831. In: Northeimer Jahrbuch. Jg. 78 (2013) S. 75–81.
  • Heinrich Hubert Houben: Johann Peter Eckermann. Sein Leben für Goethe. Nach seinen neuaufgefundenen Tagebüchern und Briefen dargestellt. 2 Bde., Haessel, Leipzig 1925–1928.
  • Stephan Porombka: Der Eckermann-Workshop. Die Gespräche mit Goethe als Einübung in die Literatur der Gegenwart. In: Jahrbuch für Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis. Hrsg. von Stephan Porombka, Wolfgang Schneider, Volker Wortmann. Tübingen 2006, S. 138–159. Online (PDF)
  • Heiko Postma: »Ich denke und spreche nichts als von Goethen« – Über den Schriftsteller u. Adlatus Johann Peter Eckermann (1792–1854). jmb, Hannover 2011, ISBN 978-3-940970-17-6.
  • Arnold Zweig: Der Gehilfe. in: Gerufene Schatten. Tillgner, Berlin 1923 (Reihe: Das Prisma, 9); unter diesem Titel wieder Reclam, Lpz. 1926 Nachwort Heinz Stroh (auch: TB RUB 6711), wieder ebd. TB 1947 u.ö.; wieder in dsb.: Mädchen und Frauen. 14 Erzählungen. Gustav Kiepenheuer, Berlin 1931 S. 25–38; wieder in dsb.: Der Gehilfe u.a. Deuerlich, Göttingen 1989.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Johann Peter Eckermann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reisebilder. Dritter Teil. Reise von München nach Genua. In: Heinrich Heine. Werke und Briefe in zehn Bänden. Herausgegeben von Hans Kaufmann. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1972, S. 249
  2. Martin Walser: In Goethes Hand. Szenen aus dem 19. Jahrhundert. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982.
  3. Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches II, Der Wanderer und sein Schatten, Nr. 109; KSA 2, S. 599.