Johann Ritter (Bürgermeister)

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Johann Ritter. Porträt im Roten Saal des Lübecker Rathauses
Wappen des Johann Ritter
Ahnentafel Johannes Ritter und Geschwister.

Johann Ritter (* 1622 in Lübeck; † 1. September 1700 ebenda) war Jurist und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Leben[Bearbeiten]

Ritter war Sohn des Lübecker Kaufmanns Andreas Ritter. Er studierte ab 1641 Rechtswissenschaften an den Universitäten in Königsberg, Straßburg und an der Universität Helmstedt. Nach dem Abschluss als Lic. iur. begab er sich auf die Grand Tour und bereiste Frankreich und Italien. In Lübeck wurde er im Jahr 1659 in den Rat der Stadt erwählt. Als abgesandter Ratsherr vertrat er die Stadt Lübeck gemeinsam mit dem Ratsherrn Diedrich von Brömbsen in Graz, um Kaiser Leopold I. die Huldigung zu leisten. Er war an der Entstehung des Kassarezess beteiligt und unterzeichnete als Ratsmitglied 1669 den Lübecker Bürgerrezess. Im gleichen Jahr wurde er im Rat zum Bürgermeister bestimmt und hatte 1669 den Vorsitz bei dem letzten Hansetag in Lübeck. Weiter war er als Gesandter beteiligt an den Verhandlungen im Zusammenhang mit dem Schonischen Krieg zwischen Dänemark und Schweden sowie an der Rückgabe der als Pfand in Lübecker Besitz befindlichen Stadt Mölln an das Herzogtum Sachsen-Lauenburg. Während seiner Amtszeit wurde Lübeck direkt nicht durch kriegerische Auseinandersetzung betroffen, musste aber als Freie Reichsstadt an das Heilige Römische Reich erhebliche Umlagen zur Finanzierung der Reunionskriege gegen Frankreich und für die Türkenkriege zahlen (Reichstürkenhilfe), die die Finanzkraft der Stadt aushöhlten und zu einem starken Anstieg der Staatsverschuldung Lübecks führten. Ritter wurde vom Kaiser zum Hofpfalzgrafen ernannt.

Die Leichenpredigt verfasste der Lübecker Polyhistor und Senior an St. Marien Jacob von Melle. Sein Epitaph befand sich bis zum Luftangriff in der Palmsonntagsnacht 1942 in der Lübecker Marienkirche.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Asch: Rat und Bürgerschaft in Lübeck 1598-1669. Archiv der Hansestadt Lübeck, 1961
  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie. Lübeck 1925 Nr. 785
  • Anne-Dore Ketelsen-Volkhardt: Schleswig-Holsteinische Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts, Neumünster: Karl Wachholtz, 1989 (Studien zur Schleswig-holsteinischen Kunstgeschichte, Bd. 15) ISBN 3-529-02515-1
  • Schaumann, Gustav; Bruns, Friedrich (Bearbeiter): Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck, hrsg. von der Baudeputation. Band 2, Teil 2: Die Marienkirche. Nöhring, Lübeck 1906, S. 127, 372.

Weblinks[Bearbeiten]