Johann Salvator von Österreich-Toskana

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Johann Salvator

Johann Salvator, ab 1889 Johann Orth (* 25. November 1852 in Florenz; seit 12. Juli 1890 vermisst bei Kap Tres Puntas, 1911 für tot erklärt; Pseudonyme: Johann Traunwald, Johann von der Traun, Johann von Traunstein) war ein österreichischer Erzherzog aus dem Hause Habsburg.

Leben[Bearbeiten]

Erzherzog Johann Salvator, genannt Gianni, war der jüngste Sohn von Großherzog Leopold II. von Toskana und dessen Ehefrau Maria Antonie von Neapel-Sizilien.

Als sein Vater 1859 nach Österreich ins Exil ging, ordnete Kaiser Franz Joseph an, dass der Knabe unter die Fittiche von Erzherzog Albrecht komme. Der verknöcherte, rückschrittliche Mann erkannte nicht, dass das Kind sehr phantasiebegabt und kunstinteressiert war. Es war äußerst musikalisch und komponierte schon in jungen Jahren einen Walzer. Dieses Musikstück wurde von Johann Strauß aufgeführt, allerdings durfte der wahre Name des Komponisten nicht genannt werden, Gianni hatte das Pseudonym Johann Traunwart gewählt.[1]

Johann Salvator begann seine militärische Laufbahn 1865, wurde 1867 Hauptmann, 1872 Major und 1874 Oberstleutnant. Als Kommandeur einer Infanteriebrigade nahm er am Bosnienfeldzug 1879 teil und wurde 1879 Feldmarschallleutnant. Er war daneben vermutlich der Urheber des sogenannten Kronprinzenwerks „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“ (1887–1902), an dem er als Autor mitwirkte. Wegen seiner progressiven und liberalen Einstellung kam er häufig in Konflikt mit der österreichischen Regierung. 1886 lehnte er die bulgarische Krone ab. 1887 schied er aus der Armee aus.

Im Jahr 1889 bat er um die Entlassung aus dem Kaiserhaus. Er verzichtete auf seine Titel und nannte sich fortan Johann Orth. Im selben Jahr heiratete er in London Ludmilla „Milli“ Stubel, eine Tänzerin der Wiener Hofoper. Er galt als enfant terrible der kaiserlichen Familie und durfte aufgrund der strengen habsburgischen Hausgesetze den Boden Österreich-Ungarns nicht mehr betreten.

Er erwarb in Hamburg das Kapitänspatent, kaufte sich den Frachtdampfer St. Margret und trat eine Reise nach La Plata in Südamerika an. Es wird angenommen, dass sein Schiff im Juli 1890 bei heftigen Stürmen am Cabo tres puntas nähe Kap Hoorn unterging. Mit an Bord war Johanns Frau, Milli Stubel.

Der Besitz von Johann Orth wurde 1912/1913 in Berlin versteigert. Sein Tod ist bis heute unaufgeklärt.

Seeschloss Orth bei Gmunden (Oberösterreich)

Nachleben[Bearbeiten]

Im März 2007 berichtete die Zeitung Oberösterreichische Nachrichten mehrfach, dass ein norwegisches Gericht kürzlich entschieden habe, dass ein 1945 in Norwegen verstorbener Alexander Hugo Köhler Erzherzog Johann Salvator gewesen sei. Dieses Urteil sei von Nachkommen dieses Herrn Köhler betrieben worden, die nach dieser Berichterstattung auch anboten, Genproben für Vergleiche des Erbgutes zur Verfügung zu stellen. Die beiden vorgeblichen Nachkommen Henrik Danielsen und Frantz Köhler Nilsen ließen das Grab öffnen, um ihre Erbschaftsansprüche an Schloss Orth mittels eines DNA-Gutachtens zu untermauern.[2] Im März 2009 wurde berichtet, dass die Mitglieder der Familie Habsburg nicht mit DNA-Proben an der Untersuchung mitwirken wollten.[3]

Johann Salvator / Johann Orth als historische Figur in der Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Bauer: Die Kantine. Capriccio à la Habsburg. (Theaterstück, 1993; erschienen in: Wolfgang Bauer: Werke. Bd. 8: Schauspiele 1988–1995. Graz: Droschl 1996, S. 149–202.)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Salvator von Österreich-Toskana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sigrid-Maria Größing AEIOU Glück und Unglück im öst. Kaiserhaus, Verlag Amatlthea,ISBN 978-3-85002-633-8
  2. Erbstreit über Schloss Ort geht weiter. orf.at, 11. April 2012, abgerufen am 18. Juli 2014: „Jene Norweger, die behaupten, die rechtmäßigen Erben zu sein, ließen nun das Grab ihres Vorfahren Hugo Köhler öffnen.“
  3. Markus Rohrhofer: Kein Erbgut für DNA-Test – Jene beiden Norweger, die Besitz- ansprüche stellen, brauchen Erbgut für eine DNA-Analyse – Von Habsburger-Seite weigert man sich aber. Der Standard.at, 23. März 2009, abgerufen am 18. Juli 2014: „Die entnommene DNA-Probe wurde bereits in Norwegen untersucht, den Beweis wird man dennoch nicht so schnell antreten können, denn jetzt verweigern offensichtlich die Habsburger ihre Probe.“