Johann Samuel Welter

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Johann Samuel Welter (* 27. August 1650 in Obersontheim; † 27. Juli 1720 in Schwäbisch Hall) war ein deutscher Komponist.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Johann Samuel Welter wurde am 27. August 1650 in Obersontheim als Sohn eines Organisten und Forstmeisters geboren. „Wegen verspürten guten Naturells“ erhielt er ab einem Alter von neun Jahren Unterricht im Singen und Geigenspiel. Er besuchte das Gymnasium in Schwäbisch Hall, danach lernte er bei seinem Bruder Johann Welter, der als „Stadt-Musicus“ und Posaunist in Nürnberg wirkte.

Wahrscheinlich 1668 trat er als Organist und Kanzlist in die Dienste des Grafen Joachim Albrecht von Hohenlohe-Kirchberg, einem „großen Liebhaber der Music“. In Kirchberg entstanden die erste bekannten Kompositionen Welters: sie wurden 1674 als „Musicalische Gemüthsbelustigung“ in Schwäbisch Hall gedruckt. Er scheint sich dort bereits einen Namen gemacht zu haben, denn man berief den noch jungen Musiker zum Organisten der Hauptkirche St. Michael und damit zum Nachfolger des 1675 verstorbenen Georg Wolfgang Truckenmüller, der sich ebenfalls hohes Ansehen als Musiker und Komponist erworben hatte. Dieses Amt übte er 45 Jahre lang aus, bis er am 28. Juli 1720 im Alter von 70 Jahren an einer „Magenschwäche“ starb. Aus drei Ehen hatte er 16 Kinder, von denen ihn jedoch nur fünf überlebten.

Die Reichsstadt Schwäbisch Hall hatte sich zu Welters Zeit langsam von den Heimsuchungen des Dreißigjährigen Krieges erholt und ein reges Musikleben entwickelt. Der Rat hatte ein lebhaftes Interesse an einer Förderung der geistlichen Musik. Hauptaufgabe Welters war die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste. Daneben hatte er den Schülerchor des Gymnasiums zu beaufsichtigen und besonders begabten Knaben Musikunterricht zu erteilen. Teil seiner Aufgaben war auch die Anfertigung von Kompositionen. Insgesamt etwa 400 Stücke hinterließ Welter bei seinem Tod. Die meisten davon sind verloren gegangen; die 1993 erschienene Werkedition enthält noch elf Kantaten, zwei „Magnificat“ und elf Kirchenlieder. Sie zeichnen ein nur noch bruchstückhaftes Bild des Werks eines Musikers, der sich in seiner Zeit ein weit über die Region hinausreichendes Ansehen erwarb und ehrenvolle Berufungen nach Berlin, Frankfurt am Main, Augsburg und Coburg ablehnte. Musikhistoriker bezeichnen ihn heute als einen der bedeutendsten Choralkomponisten zwischen Hieronymus Praetorius und Johann Sebastian Bach.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]