Johann Schreck

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Johann(es) Schreck, auch Terrenz oder Terrentius Constantiensis, Deng Yuhan Hanpo (chinesisch 鄧玉函Pinyin Dèng Yùhán), Deng Zhen Lohan, (* 1576 in Bingen, Diözese Konstanz[1]; † 11. Mai 1630 in Peking) war ein Jesuit, China-Missionar und Universalgelehrter.

Er gilt als der Entdecker der naturwissenschaftlich-technischen Fachsprachen.[2]

Leben[Bearbeiten]

Geburtsort[Bearbeiten]

Wo Schreck geboren worden ist, war in der Wissenschaft lange Zeit nicht bekannt. Erich Zettl, Professor an der HTWG Konstanz, entdeckte in alten Dokumenten der Universität Freiburg, dass Schreck als Student ein Stipendium beantragt und auch bekommen hat. In diesem Dokument stand eben dem Namen des Studenten auch der Begriff „Bingensis“, also „aus Bingen“. Zettl und sein Wissenschaftskollege Hartmut Walravens vergewisserten sich, ob das Bingen in Hohenzollern gemeint war. Hierzu besuchte Walravens Bingen bei Sigmaringen und wendete sich an Joachim Stopper, Meßner der Kirche Mariae Himmelfahrt, der ihm erzählte, dass es den Familiennamen Schreck, beziehungsweise Schröck oder Schrök in Bingen immer noch gibt. Die Professoren wollten Einblick in die Kirchenbücher nehmen. Die Tauf-, Hochzeits- und Sterbebücher reichen aber nur bis ins Jahr 1625 zurück, der Gelehrte wurde aber bereits 1576 geboren. Andererseits gibt es ein Besitzverzeichnis („Heiligenurbar“) aus dem Jahr 1615. Hier wird ein Sebastian Schreck als Eigentümer eines Hofes mit verschiedenen Grundstücken genannt. 1615, war der Gelehrte bereits 39 Jahre alt, und Sebastian Schreck könnte sowohl der Vater als auch ein Bruder gewesen sein. In Bingen gibt es mehrere ehemalige Bauernhöfe, die in Frage kommen. Der eine liegt gegenüber der Kastanien-Apotheke und wird von der Familie Reinhold Schrök bewohnt. Schrök weiß, dass auf seinem Hof seit Jahrhunderten die Schröks zu Hause sind. Sie tragen den Zunamen „Krauta-Kaspar“. Kaspar soll auch der Großvater des Gelehrten geheißen haben, außerdem wohl auch weitere Nachkommen.

Wer im Mittelalter seinen Sohn zum Studium schicken konnte, musste wohlhabend gewesen sein. Dies bedeutet, dass der Gelehrte auf einem großen Hof geboren wurde.[3]

Studium[Bearbeiten]

Schreck studierte zunächst Medizin und wurde am 19. Dezember 1590 immatrikuliert, am 4. Januar 1594 wurde er Bakkalaureus und am 9. Januar 1596 Magister, zunächst an der Universität Freiburg, auch an der Universität Altdorf in Altdorf bei Nürnberg und ab 1603 in Padua. Er wurde ein hochangesehener Arzt und Mitglied der Akademie „dei Lincei“ (der „Scharfsichtigen“) in Rom, wie auch andere zeitgenössische Gelehrte, beispielsweise Galileo Galilei. An der Akademie arbeitete er zusammen mit den Akademiemitgliedern Fabio Colonna und Johannes Faber (1574–1629) an einer Fassung des Nachlasses von Francisco Hernandez de Toledo die unter dem Titel „Rerum medicarum Novae Hispaniae Thesaurus“ erschien.

Missionarszeit[Bearbeiten]

Zur Überraschung aller („Una gran perdita“ – „ein großer Verlust“ schrieb Galilei enttäuscht) wurde Schreck 1611 Jesuit, um als Missionar nach China zu gehen. 1614 traf er den belgischen Jesuitenpater Nicolas Trigault, mit dem er eine wissenschaftliche Misson in China vorbereitete. Trotz der ablehnenden Haltung Galileis, die Mission mit Gerätschaften zu unterstützen, konnte er unter anderem von dem Mailänder Kardinal Federico Borromeo ein galileisches Fernrohr in Empfang nehmen. Am 16. April 1618 brach die Gruppe von 22 Missionaren von Lissabon aus nach China auf. Nach Piratenüberfällen und Seuchen an Bord des Schiffes trafen sie am 4. Oktober in Goa in Westindien ein. Dort begann er sein Werk „Plinius Indicus“, eine botanische und zoologische Enzyklopädie über Asien, die jedoch von ihm nie fertiggestellt werden konnte. Am 22. Juli 1619 erreichten sie Macao an der Südküste Chinas. 1621 erreichte er Hangzhou, und im Spätjahr 1623 Peking.[1] Hier brachte er es am chinesischen Kaiserhof vor allem wegen seines Techniktransfers von Europa nach China ebenfalls zu hohen Ehren.

Schreck besaß umfangreiche Sprachkenntnisse; er sprach fließend Italienisch, Portugiesisch, Französisch und Englisch; seine Briefe schrieb er in Latein; er beherrschte die Ursprachen christlicher Kultur, Griechisch und Hebräisch und sogar Chaldäisch. Mit erheblicher Energie erlernte er die chinesische Sprache.[2]

Er schrieb und übersetzte Anfang des 17. Jahrhunderts zusammen mit Niccolò Longobardi und chinesischen Gelehrten mehrere chinesische Lehrbücher für Mathematik, Maschinenbau, Medizin und Astronomie. 1629 wurden er und Longobardi vom kaiserlichen Minister Xu Guangqi (1562–1633) mit der Durchführung der Reform des chinesischen Kalenders beauftragt. Nach Schrecks Tod wurde dieses Projekt von Adam Schall von Bell (1592–1666) und Giacomo Rho fortgeführt.

Schreck stand zur damaligen Zeit mit wichtigen zeitgenössischen Personen in Kontakt; Johannes Kepler schickte ihm sein neuestes astronomisches Werk auf den Weg nach China, die „Rudolfinischen Tafeln“, die er jedoch nicht mehr in Empfang nehmen konnte – sie trafen erst 16 Jahre nach seinem Tode im Jahre 1645 in Macao ein. Er verstarb vermutlich an einem medizinischen Selbstversuch und wurde auf dem Pekinger Friedhof Zhalan bestattet.

Werke[Bearbeiten]

Schreck schrieb mit seinem Freund Wang Zheng Das chinesische Lehrbuch des europäischen Maschinenbaus. Das Werk erschien im Jahr 1626.[4]

Zitate[Bearbeiten]

  • ... In der Niederlassung in Peking verstarb der aus Konstanz in Deutschland stammende Johannes Terrentius. Im Alter von nur 54 Jahren, von denen er nach vier Gelübden 20 in (unserem) Orden verbrachte, ging er in ein besseres Leben ein. Er war ein Mann, der in vielen Künsten und Wissenschaften bewandert war, insbesondere in der Mathematik. Da er erkannte, welchen großen Dienst er damit unserem Herrn im Kaiserreich (China) leisten konnte, erbat und erhielt er von Eurer Paternität (dem Ordensgeneral der Jesuiten) die Erlaubnis, (nach China) zu kommen. Er verzichtete auf die große Ehre und Autorität, die ihm von zahlreichen Fürsten in Europa zuteil wurde, welche den dringenden Wunsch hegten, ihn für ihre Provinzen und Residenzen zu gewinnen. Mit großer Hingabe widmete er sich dem Studium der Sprachen und dem Schrifttum und ´ erwarb darin solche Kenntnisse. dass er in der Lage war, eine Reihe von Werken zum Ruhm und Ansehen des Ordens zu übersetzen. – Jahresbericht auf Portugiesisch über den Tod und die Bestattung des Johannes Terrentius (Archiv des Jesuitenordens in Rom).[5]
  • D.O.M. P. Johannes Terrentius Constantiensis Germanus Societatem Jesu professus, vixit in ea XIX annis, et IX in Sinica Missione, vir in omni scientia egregie doctus, et germanae sinceritatis tenacissimus, cum Sinensi calendario initium faceret, vitae posuit finem, Pekini die XI Maii A.C. MDCXXX aetatis suae LIV. (deutsch: „Der deutsche Pater Johannes Terrentius aus Konstanz, der 19 Jahre dem Jesuiten-Orden angehörte und neun Jahre in der China-Mission tätig war, ein hervorragender Gelehrter auf allen Gebieten der Wissenschaft und von einer echten, unbeugsamen Aufrichtigkeit, beschloss, während er die chinesische Kalenderreform in die Wege leitete, sein Leben in Peking am 11. Mai im Jahr Christi 1630 im 54. Lebensjahr.“ – Grabinschrift)[6]

Bildnis[Bearbeiten]

Ein Bildnis von Pater Schreck, eine Zeichnung von Peter Paul Rubens, soll sich in einer New Yorker Bibliothek befinden.[7]

Würdigung[Bearbeiten]

Anlässlich des 400-jährigen Jubiläums seines Eintritts in den Jesuitenorden veranstaltete Schrecks Heimatgemeinde Bingen 2011 ein Johannes-Schreck-Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen. Unter anderem wurde von Laienschauspielern der Gemeinde in dem Stück Einmal Bingen-Peking, kein Zurück! des Sigmaringer Theaterregisseurs Siegfried Gebhardt Schrecks Leben dargestellt.[8][9]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Johannes Schreck: Herkunft und Heimat (HWTG Konstanz)
  2. a b Johannes Schreck-Terrentius Constantiensis. Wissenschaftler und Chinamissionar (HWTG Konstanz)
  3. In welchem Haus es war, kann im Augenblick noch nicht mit Gewissheit festgestellt werden, da das Urbar keine Hofstellen angibt und eine Karte nicht (mehr) vorhanden ist.
  4. Vortrag eröffnet das Schreck-Jahr in Bingen. Die Gemeinde Bingen ehrt ihren Sohn mit Vorträgen, einer Ausstellung und einem Theaterstück. In: Schwäbische Zeitung vom 24. Februar 2011
  5. Johannes Schreck- ... in vielen Künsten und Wissenschaften bewandert" (HWTG Konstanz)
  6. Grabinschrift
  7. Vera Romeu (vr): Sensation: Professor findet Bildnis von Pater Schreck. In einer New Yorker Bibliothek lag die Zeichnung von Peter Paul Rubens – Professor Zettl hält Vortrag. In: Schwäbische Zeitung vom 26. Februar 2011
  8. Schreck auf der Homepage der Gemeinde Bingen
  9. Ignaz Stösser: Höchstleistungen: Der Binger Theatermotor brummt. In: Schwäbische Zeitung, Ausgabe Sigmaringen, 30. Juni 2011

Weblinks[Bearbeiten]