Johann Stamitz

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Johann Stamitz

Johann (Wenzel Anton) Stamitz, tschechisch: Jan (Václav Antonín) Stamic (getauft 19. Juni 1717 in Deutschbrod in Böhmen; begraben 30. März 1757 in Mannheim) war ein böhmischer Komponist und Violinist. Rufname ist: Jan, Johann; Stamitz selbst nannte sich Johannes.

Stamitz war zunächst Konzertmeister und ab 1750 bis zu seinem Tod Instrumentalmusikdirektor in der Hofkapelle des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz. Der Geigenvirtuose gilt als 'spiritus rector' und Gründer der berühmten Mannheimer Schule. Als Komponist prägte er den Typus der Konzertsinfonie entscheidend mit. Zu Ehren des Künstlers wird der Johann-Wenzel-Stamitz-Preis ausgelobt.

Leben[Bearbeiten]

Johann Stamitz' Vater war Kaufmann, Organist und Stadtrat und wird ihm den ersten Unterricht erteilt haben. Von 1728 bis 1734 besuchte Johann Stamitz das Jesuitengymnasium in Iglau und im Anschluss daran für ein Jahr die Karls-Universität Prag als Philosophiestudent. 1741 oder 1742 wurde er als Geiger in das Mannheimer Hoforchester aufgenommen. 1742 konzertierte er in Frankfurt am Main. 1743 ernannte Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz den Geigenvirtuosen zum Konzertmeister der Mannheimer Hofmusik. Am 27. Februar 1750 erfolgte dann die Beförderung zum Hof-Instrumentalmusikdirektor. In den Jahren 1751 bis zum Sommer 1753, dem Engagement des Wiener Komponisten Ignaz Holzbauer, betreute er darüber hinaus die zweite Hofkapellmeisterstelle.

1747 begann Stamitz mit dem Aufbau der Violinklasse im Mannheimer Hoforchester. Er wird daher bis heute als Gründer der berühmten Mannheimer Schule angesehen, die großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Konzertsinfonie und der Orchesterkultur in Europa hatte. Stamitz unternahm mehrere Konzertreisen, vor allem nach Paris, wo er in den Jahren 1754 bis 1755 auch die Leitung des Orchesters von Alexandre Jean Joseph Le Riche de la Pouplinière übernahm. Vor allem in dieser Zeit festigte er seinen Ruf als anerkannter Komponist und Virtuose. Er starb zwei Jahre später im Alter von 39 Jahren in Mannheim.

Stamitz' Nachfolger im Mannheimer Hoforchester wurde sein Meisterschüler, der Geiger Christian Cannabich, der durch seine strenge Führung dem Orchester zu dem legendären Ruhm der 1770er Jahre verhalf.

Komponisten der Mannheimer Schule und ihr Stil[Bearbeiten]

Johann war der Vater der ebenfalls bekannten Violinisten und Komponisten Carl Stamitz und Anton Stamitz, wovon der Ältere zu einigem Ruhm gelangte. Außer Stamitz gehören Ignaz Holzbauer, Christian Cannabich, Franz Xaver Richter, Anton Fils und Carl Joseph Toeschi zur „Mannheimer Schule“.

Den ersten kompositionshistorisch wichtigen Beitrag zur Konzertsinfonie leistete Johann Stamitz, der nach Ludwig Finscher die Geschichte der Konzertsinfonie so stark geprägt hat, wie kein anderer Komponist vor Joseph Haydn. Bis zu den Meisterwerken der Wiener Klassik galt vor allem der Sinfonietypus, der in Mannheim gepflegt wurde, als mustergültig: der Tonsatz ist einerseits massiv orchestral, andererseits durch die neuartige Einbeziehung von Bläserepisoden aufgelockert und farbiger als zuvor; durch die einfachen harmonischen Verhältnisse und die regelmäßige Periodik sind die Großformen sehr stabil und damit die solide Basis für das Spiel mit ständig neuen Überraschungen, für das jetzt ein ganzes Arsenal mit melodischen Figuren entwickelt wird, das Hugo Riemann vor gut 100 Jahren mit dem Begriff „Mannheimer Manieren“ berühmt machte: die Begriffe, wie die Rakete, die Walze, der Mannheimer Seufzer oder auch das Vögelchen werden bis heute gern zur Beschreibung dieser melodischen Figuren herangezogen. Charakteristisch für die Mannheimer Sinfonien sind aber auch Orchestereffekte, die unter Cannabichs Leitung von dem Orchester in dem perfekt funktionierenden Zusammenspiel geradezu zelebriert wurden und deren Wirkungen die Zuhörer gleichermaßen erschütterte und begeisterte: Gemeint ist vor allem das berühmte, auskomponierte Orchestercrescendo. Dieser neue Sinfoniestil, der strukturell vom Orchester aus gedacht war, wurde als Sensation gefeiert. Mit ihren modernen aussagekräftigen Sinfonien und ihrer einzigartigen Spielkultur setzten die Mannheimer Maßstäbe, die auch noch die Orchestermusik der Romantik nachhaltig beeinflussen sollte. Die Leistungen dieser einzigartigen Orchester- und Kompositionswerkstatt, deren Entwicklung mit Johann Stamitz ihren Anfang nahm, blieben unvergessen. Unter dem Begriff Mannheimer Schule sind sie heute weltweit anerkannt. [1]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Rudolf Müller: Stamitz, Johann Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 427–429.
  • Peter Gradenwitz: Johann Stamitz: Leben - Umwelt - Werke. 2 Bände, Wilhelmshaven, Heinrichshofen 1984. ISBN 3-7959-0342-4
  • Eugene K. Wolf: The symphonies of Johann Stamitz. A study in the formation of the classic style. Utrecht/Antwerp 1981. ISBN 90-313-0346-1
  • Bärbel Pelker/Ludwig Finscher: Artikel Stamitz. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil 15, Bärenreiter, Kassel 2006, Sp. 1301-1314

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bärbel Pelker: »Das Forschungsprojekt Die Mannheimer Hofkapelle im 18. Jahrhundert der Heidelberger Akademie der Wissenschaften«, in: Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte, 58 (1992), S. 303-312