Johann Wilhelm Schwedler

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Portrait und Unterschrift Johann Wilhelm Schwedlers

Johann Wilhelm Schwedler (* 23. Juni 1823 in Berlin; † 9. Juni 1894 ebenda) war ein deutscher Bauingenieur und Baubeamter des 19. Jahrhunderts, der Konstrukteur von Brücken und Erfinder des Schwedlerträgers. Auch die Schwedlerkuppel ist nach ihm benannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Nach Schwedler benannte Schwedlerbrücke in Frankfurt-Ostend, Blick in Richtung Ostpark

Schwedler entstammte einer armen Tischler-Familie. Er besuchte in Berlin die Gewerbeschule und beendete sie 1842 mit der Reifeprüfung. Danach bestand er Prüfungen zum Staatsdienst und eine „Nachprüfung zum Land- und Wasserbau“. 1852 wurde er Bauleiter im Siegerland. 1858 wurde er Königlicher Eisenbahn-Baumeister und arbeitete in der Eisenbahnabteilung des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten in Berlin. 1868 bekam er den Titel Geheimer Baurat verliehen und wurde oberster preußischer Baubeamter. Von 1864 bis 1873 war er Lehrer an der Berliner Bauakademie. Schwedler war langjähriges Mitglied der Redaktionskommission der Zeitschrift für Bauwesen. Nach Schwedler wurden die Schwedlerbrücke, eine Fußgängerbrücke über die Bahnstrecke Frankfurt–Hanau in Frankfurt-Ostend, und die im Süden daran anschließende Schwedlerstraße benannt.

Werk [Bearbeiten]

Schnitt des Gasometers an der Fichtestraße in Berlin
Südliche Bahnhofshalle des Frankfurter Hauptbahnhofs

Ab 1852 beschäftigte er sich mit dem Bau von Eisenbahnbrücken aus Stahl. In seiner „Theorie der Brückenbalkensysteme“ entwickelte er eine wissenschaftliche Theorie des statisch bestimmten Fachwerkträgers, mit der Zug- und Druckstreben eines auf Biegung beanspruchten Fachwerkträgers bemessen und dimensioniert werden konnten. Eine Folge seiner Theorie war, dass der Obergurt seines Trägers bogenförmig gekrümmt wurde. Dies wurde zuerst bei der Eisenbahnbrücke von Czersk angewandt. Eigentlich müsste der Bogen in der Mitte einen kleinen Knick nach unten haben. Darauf verzichtet man aber aus Gründen der Ästhetik.

Die Diagonalen des sogenannten „Schwedlerträgers“ sollten nur auf Zug beansprucht werden. Deshalb wechselt die Diagonalenrichtung in Brückenmitte, und einige Felder in Brückenmitte haben wegen der veränderlichen Belastung durch Verkehrslasten kreuzweise Doppeldiagonalen. Dieser Schwedlerträger war bis ca. 1900 dominierend. Die Verbindungen der Streben bildete er mit beweglichen Gelenken aus.

Später entwickelte er – als Weiterentwicklung des Schwedlerträgers – den Dreigelenkbogen. Dessen Prinzip verhindert durch seine statische Bestimmtheit Zwängungsspannungen im Tragwerk. Schwedler baute mit diesem Prinzip Dächer von Bahnhofshallen (beispielsweise Berliner Ostbahnhof, Frankfurter Hauptbahnhof).

Die „Schwedlerkuppel“ aus Stahl kam erstmals 1863 bei der Überdachung des Gasbehälters an der Holzmarktstraße in Berlin zum Einsatz. Er konstruierte Dächer als räumlich tragendes Schalentragwerk mit Durchmessern bis 45 m.

Bauten [Bearbeiten]

Ehrungen [Bearbeiten]

Nach ihm wurde 1898 in Berlin-Grunewald (Wilmersdorf) die Schwedlerstraße benannt. In Frankfurt am Main sind nach ihm die Schwedlerbrücke, der Schwedlersee und Schwedlerstraße benannt.

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Siehe auch: Liste bedeutender Ingenieure

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. [Ehrung (PDF-Datei; 1,29 MB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 39, 29. September 1883, S. 358, abgerufen am 21. Dezember 2012