Johann der Beständige

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Johann der Beständige, porträtiert von Lucas Cranach d. Ä. 1526

Johann der Beständige (* 13. Juni 1468 in Meißen; † 16. August 1532 auf Schloss Schweinitz) war Herzog aus dem Haus Wettin und von 1525 bis 1532 Kurfürst von Sachsen.

Biographische Aspekte[Bearbeiten]

Er war der vierte Sohn des Kurfürsten Ernst und folgte seinem Bruder Friedrich dem Weisen in der Herrschaft. Über Johanns Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt, vermutlich genoss er aber zusammen mit seinen Brüdern am kursächsischen Hof eine gute Erziehung, wobei das Hauptaugenmerk sicherlich auf den erstgeborenen Friedrich als potentieller Nachfolger auf dem Kurfürstenthron gelegt wurde. Nach dem Tod des Vaters 1486 übernahm Friedrich zusammen mit seinem damals achtzehnjährigen Bruder Johann die Regierung. Die anderen beiden Brüder Albrecht und Ernst (II.) traten in den Dienst der Kirche ein. Bis zum Tod Friedrichs 1525, welcher als älterer der beiden Brüder die Kurwürde innehatte, regierten sie zusammen Kursachsen und die ernestinischen Teile Thüringens.

Die gesamte gemeinsame Regierungszeit der beiden Brüder war von gutem Einvernehmen und kooperativer Zusammenarbeit geprägt. Keiner der beiden traf wichtige Entscheidungen, ohne den anderen vorher um Rat zu fragen. Dieses Vorgehen führte zwar nicht selten zu einer Lähmung des Entscheidungsprozesses, auf der anderen Seite wären aber auch Streitereien zwischen den regierenden Fürsten oder politische Alleingänge sicherlich nicht gerade dienlich für eine effektive und erfolgreiche Politik gewesen.

Nach seiner zweiten Vermählung mit Margarete von Anhalt († 1521) teilten er und sein Bruder die kursächsischen Ländereien untereinander auf. Johann ließ sich daraufhin in Weimar nieder, wo er seinen eigenen Hof gründete und von da an für die thüringischen, fränkischen und vogtländischen Landesteile verantwortlich war. Da Johann noch nie viel Interesse für Verwaltung und Finanzen seines Staats gezeigt hatte, wurde dies nun, nachdem er seinen eigenen Hof erhalten hatte, auch entsprechend vernachlässigt. Sowohl vor Friedrichs Tod als auch danach, als Johann die Verantwortung über die Finanzen des gesamten Kurfürstentums trug, beschrieben verschiedene Personen die Verwaltung als sehr korrupt. Angeblich sollen sich Beamte auf Kosten des Kurfürsten bereichert und Schriftlichkeiten nur sehr oberflächlich erledigt haben, weshalb Johann Friedrich nach dem Tod seines Vaters 1532 mit einem desolaten Finanzsystem und Verwaltungsapparat zu kämpfen hatte.

Infolge von Meinungsverschiedenheiten kam es 1530 bis Ende 1533 zur sogenannten sächsischen Münztrennung zwischen Johann und dem albertinischen Herzog Georg dem Bärtigen. Darin vertrat Johann die Auffassung, dass die hochwertigen sächsischen Guldengroschen der Bevölkerung schade, da sie von Wucherern außer Landes gebracht und dafür geringeres Geld eingeführt würde und forderte die Verringerung des Silbergehaltes. Der Herzog bestand im Gegensatz dazu auf den alten Wert der Münzen. Darauf hin wurde die gemeinsame Schneeberger Münzstätte auf dem Gebiet des Kurfürsten stillgelegt. Die Münzstätte Zwickau, die 1530 vorübergehend wiedereröffnet wurde und die Münzstätte Buchholz prägten ab dieser Zeit für Johann nach leichterem Münzfuß. Unter seinem Nachfolger Johann Friedrich trat die frühere Münzgemeinschaft wieder in Kraft.

Johann und die Reformation[Bearbeiten]

Johann der Beständige von Sachsen
Rennzeug von Johann dem Beständigen in der Wiener Hofjagd- und Rüstkammer

Wie sein Beiname verrät, nahm er gegenüber der Reformation die gleiche positive Haltung wie sein Bruder ein. Seine Standhaftigkeit und sein Mut, zu seinem Glauben zu stehen, brachten ihm vermutlich den meisten Ruhm unter Zeitgenossen ein. Christliche Glaubensgrundsätze waren auch die Grundlage seiner politischen Entscheidungen, welche als sehr gerecht galten. In politischen Fragen verhielt er sich aber oft zögerlich. Im Zusammenwirken zwischen ihm und Landgraf Philipp von Hessen, mit dem er aufgrund des gemeinsamen Glaubens in engem Verhältnis stand, nahm Philipp definitiv die Rolle der treibenden Kraft ein und sprach sich für eine eher aggressive Außenpolitik aus. Johann dagegen hielt sich besonders in der Frage, ob man sich als Protestanten gegen den Kaiser wehren möge, sehr zurück und stand lange Zeit auf Seite Luthers, der ein Abwehrbündnis gegen die Katholiken nicht für gut hieß, da es offiziell verboten war, sich gegen den Kaiser zu verbünden.

Als Landesherr Martin Luthers unterhielt er eine sehr enge, nahezu freundschaftliche Beziehung zu dem führenden Theologen der Protestanten. Luther hat sich ebenfalls häufig positiv über Johann geäußert. Besonders für sein Verhalten auf dem Augsburger Reichstag 1530 hat er ihn sehr gelobt: „Ich glaube gewiß, daß der Kurfürst Johann von Sachsen den Heiligen Geist gehabt hat. Das hat er in Augsburg durch sein Bekenntnis trefflich bewiesen (…). Öfters soll er gesagt haben: 'Sagt meinen Gelehrten, daß sie tun, was recht ist, Gott zu Lob und Ehre, und auf mich und mein Land keine Rücksicht nehmen.'“ Durch sein Beharren auf dem protestantischen Glaubensbekenntnis soll er sogar die protestantischen Theologen davon abgehalten haben, sich zu nachgiebig gegenüber dem Kaiser zu verhalten.

1527 wurde die Evangelisch-Lutherische Landeskirche gegründet, deren Landesbischof der Kurfürst war. Er gehörte 1529 zu den fürstlichen Vertretern der protestantischen Minderheit (Protestation) auf dem Reichstag zu Speyer. Der 1531 zur Verteidigung der Reformation gegründete Schmalkaldische Bund der evangelischen Reichsstände stand unter Führung Kurfürstentum Sachsen und Hessens. Nach seinem Tod wurde Johann, wie sein Bruder Friedrich, in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

In den fast 40 Jahren, die Johann als Herzog über Kursachsen regierte, wurde er oft durch die Person seines Bruders Friedrich verdeckt, der als ältester des Geschlechts und Träger des Kurhutes die kursächsische Politik maßgeblich bestimmte. Auch in unserer Zeit steht Johann zu Unrecht meist im Hintergrund der Geschichte und Politik Kursachsens zu Beginn der Reformation und findet im Gegensatz zu seinem Bruder Friedrich und seinem Sohn und Nachfolger Johann Friedrich wenig Beachtung in der Forschung und Literatur.

Die Evangelische Kirche in Deutschland würdigt seine Bedeutung für die Reformation jedoch mit einem Gedenktag im Evangelischen Namenkalender am 16. August.

Ehen und Nachkommen[Bearbeiten]

Johann war in erster Ehe seit 1500 mit Sophie von Mecklenburg (1481–1503), Tochter von Herzog Magnus II. zu Mecklenburg vermählt. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor:

∞ 1527 Prinzessin Sibylle von Jülich-Kleve-Berg (1512–1554)

1513 heiratete er Margarete von Anhalt (1494–1521), Tochter des Fürsten Waldemar VI. von Anhalt-Köthen, mit der er folgende Kinder hatte:

∞ 1536 Herzog Philipp I. von Pommern (1515–1560)
  • Margarete (1518–1535)
  • Johann (II.) (*/† 1519)
  • Johann Ernst (1521–1553), Herzog von Sachsen-Coburg
∞ 1542 Prinzessin Katharina von Braunschweig-Grubenhagen (1524–1581)

Quellen und Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich III. Kurfürst von Sachsen
1525–1532
Johann Friedrich I.