Johann van Beethoven

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Johann van Beethoven (* 14. November 1740 vermutlich in Bonn, † 18. Dezember 1792 in Bonn) war der Vater des Komponisten Ludwig van Beethoven.

Leben[Bearbeiten]

Johann van Beethoven wurde am 14. November 1740 als Sohn von Ludwig van Beethoven d. Ä. (* 5. Januar 1712 in Mecheln, † 24. Dezember 1773 in Bonn), dem Großvater des Komponisten Ludwig van Beethoven, und dessen Ehefrau Maria Joseph Poll (* um 1714, † 30. September 1775 in Bonn) geboren.

Gerüchte besagen, Johann van Beethoven wäre nicht der leibliche, sondern lediglich der adoptierte Sohn von Ludwig van Beethoven d. Ä. gewesen; als Indiz dafür gelten das Fehlen einer Taufurkunde in Bonn und Umgebung sowie die Tatsache, dass Johann van Beethoven entgegen der damaligen Tradition keinen zweiten Vornamen trug. Doch da eindeutige Beweise für oder gegen diese These fehlen, bleibt diese im Bereich des Spekulativen.

Johann van Beethoven hatte zwei Geschwister, die aber früh verstarben:

  • Maria Bernhardine Ludovica van Beethoven (getauft 28. August 1734 in Bonn, † 17. Oktober 1735 in Bonn)
  • Markus Joseph van Beethoven (getauft 25. April 1736 in Bonn, † unbekannt)

Johann van Beethoven erhielt von seinem Vater Gesangs-, Klavier- und Violinunterricht. Nach dem Besuch einer Elementarschule verbrachte er ein bis zwei Jahre im Jesuitenkolleg.

Im Jahr 1752 wurde Johann van Beethoven unbezahlter Sopran in der kurfürstlichen Hofkapelle. Im Jahr 1756 wurde er Hofmusikus und bezog ein Gehalt, das im April 1764 100 Gulden betrug, das jährlich um 25 und später um weitere 50 Gulden erhöht wurde. Daneben betätigte sich Johann van Beethoven als Gesangs- und Klavierlehrer.

Am 12. Mai 1767 heiratete er in Ehrenbreitstein die 19-jährige Maria Magdalena Leym (* 19. Dezember 1746 in Koblenz-Ehrenbreitstein; † 17. Juli 1787 in Bonn), eine Tochter des verstorbenen Trierer Oberhofkochs Johann Heinrich Keverich. Maria Magdalena Leym war die Witwe des 13 Jahre älteren Leibkammerdieners Johann Leym, den sie im Alter von 16 Jahren geheiratet hatte. Johann van Beethovens Vater sprach sich gegen die Hochzeit aus; seiner Meinung nach sei Maria Magdalena Leym nicht standesgemäß als Ehefrau. Da ihr Vater als Küchenchef zur damaligen Zeit jedoch den gleichen gesellschaftlichen Rang hatte wie ein Kapellmeister, vermutet der niederländische Musikwissenschaftler Jan Caeyers vielmehr, dass Ludwig van Beethoven d. Ä. um die eigene Position in der Familie fürchtete.[1]

Aus der Ehe von Johann und Maria Magdalena van Beethoven gingen sieben Kinder hervor:

  • Ludwig Maria van Beethoven (getauft am 2. April 1769, † 8. April 1769),
  • der Komponist Ludwig van Beethoven (getauft am 17. Dezember 1770 in Bonn, Kurköln; † 26. März 1827 in Wien)
  • Kaspar Anton Karl van Beethoven (getauft am 8. April 1774, † 15. November 1815 in Alservorstadt)
  • Nikolaus Johann van Beethoven (getauft am 2. Oktober 1776, † 12. Januar 1848 in Wieden)
  • Anna Maria Franziska van Beethoven (getauft am 23. Februar 1779, † 27. Februar 1779)
  • Franz Georg van Beethoven (getauft am 17. Januar 1781, † 16. August 1783)
  • Maria Margarete Josepha van Beethoven (getauft am 5. Mai 1786, † 26. November 1787)
Ludwig van Beethovens Geburtshaus in Bonn, Bonngasse Nr. 515 (heute Nr. 20).

Kurz vor der Geburt von Ludwig van Beethoven bewarb sich Johann van Beethoven um eine Stelle in der Lambertuskathedrale Lüttich, wo bereits sein Vater als Sänger gewirkt hatte, doch scheiterte die Bewerbung am Widerstand des Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich. Zu dieser Zeit verstärkte sich Johann van Beethovens Abhängigkeit vom Alkohol, was sich auch auf seine Stimme auswirkte; lediglich der Einfluss des Ersten Ministers Caspar Anton von Belderbusch bewahrte Johann van Beethoven vor ernsten beruflichen Schwierigkeiten.

Nach der erfolglosen Bewerbung zog die Familie Beethoven in das dem Bäcker Fischer gehörende Anwesen in der Bonngasse Nr. 515 (heute Nr. 20), das Geburtshaus des Komponisten. Weitere Adressen, unter denen die Familie wohnte, waren die Rheingasse, die Neugasse sowie die Wenzelgasse Nr. 476, Ecke Gudenaugasse, dem Sterbehaus von Maria Magdalena Beethoven.[2][3]

Dass sich Johann van Beethoven im Jahr 1774, wie mehrfach gesagt wird, nach dem Tod seines Vaters um dessen Stelle als Hofkapellmeister beworben habe, hält Jan Caeyers für unwahrscheinlich, da er im Gegensatz zu den Mitbewerbern Cajetan Mattioli und Andrea Lucchesi weder Musikdirektor noch Kapellmeister war.[4]

Im Jahr 1787 verlor Johann van Beethoven nach dem Tod seiner Frau Maria Magdalena und der Tochter Maria Margarete Josepha die Kontrolle über sein Leben und verfiel dem Alkoholismus. Sohn Ludwig bekam die Fürsorge für seine jüngeren Geschwister übertragen und bekam in diesem Zusammenhang die Hälfte des Gehalts seines Vaters ausbezahlt; eine Strafversetzung seines Vaters konnte er im Herbst 1789 durch Bitten beim Kurfürsten gerade noch verhindern.

Johann van Beethoven starb am 18. Dezember 1792. Kurfürst Maximilian Franz von Österreich soll lakonisch geäußert haben, Johann van Beethovens Tod würde zu einem Rückgang der Weinsteuereinnahmen führen.

Rezeption[Bearbeiten]

Von Benedikt Beckenkamp angefertigtes Gemälde, fälschlich den Eheleuten Johann und Maria Magdalena van Beethoven zugeordnet.

Bäckermeister Fischer beschreibt in seinen Erinnerungen das Aussehen von Johann van Beethoven wie folgt: »Herr Johann van Beethoven seine Stattur. Mittle größte, gelänktes Gesicht, breite Stirn, runde Naß, breit in die Schulter, änßhafte Augen, was Narfen im Gesicht, ein dünnes Hahrzöppen Frisur«. Das von Benedikt Beckenkamp angefertigte Gemälde wurde, wie sich inzwischen erwiesen hat, fälschlicherweise den Eheleuten Johann und Maria Magdalena van Beethoven zugeordnet.[5][6]

Johann van Beethoven wird häufig in dem Sinne beschrieben, dass er alkoholabhängig war und seinen Sohn beim Musikunterricht gedrillt hat. So soll er des Öfteren nachts nach seiner Rückkehr aus der Kneipe den vierjährigen Ludwig geweckt haben, um ihm Klavierspiel beizubringen, und soll in seinem Unterricht auch nicht vor rabiateren Methoden zurückgeschreckt haben.

In ähnlichem Sinne schilderte auch Psychoanalytiker Stefan Wolf Johann van Beethoven, als er Beethovens Kampf um die Vormundschaft für seinen Neffen Karl van Beethoven untersuchte und in diesem Zusammenhang u. a. auf die Eltern und damit auch auf den Vater des Komponisten einging. Wie Gerhard von Breuning, der Vater von Beethovens langjährigem Freund Stephan von Breuning, berichtete, musste Ludwig van Beethoven seinem Vater oft gegenüber der Polizei zur Seite stehen, mit der Johann van Beethoven wegen seiner Trunkenheit oft in Konflikt geraten war.[7] Stefan Wolf vermutet bei Beethoven ein tiefes Gefühl der Enttäuschung und Wut über die Schwäche seines Vaters Johann, dessen Wesen »in schäbigen Kontrast zum berühmten Sohn«[8] gerate; »so einen Vater«[8] habe der Komponist »nicht verdient«[8].

Doch gibt es auch Stimmen, die Johann van Beethoven nicht gänzlich freisprechen, sein Bild in der Geschichte jedoch relativieren.

So vertritt Musikwissenschaftler Joseph Schmidt-Görg, der im Zusammenhang mit diesem Thema auch auf die ausführlichen Studien von Ludwig Schiedermair hinweist[9][10], die Auffassung, Johann van Beethovens Weinkonsum hätte im Rahmen dessen gelegen, was im Rheinland üblich sei.[11]

Ferner hätte Ludwig van Beethoven eine von seinem Vater angefertigte Kopie von Carl Philipp Emanuel Bachs Kantate Morgengesang am Schöpfungstage aufbewahrt und auf der Kopie eigenhändig vermerkt: »Von meinem teuren Vater geschrieben«[12] Auch soll Beethoven, so Jan Caeyers, sich nie abfällig über seinen Vater geäußert haben und selbst mit Zorn auf jedes schlechte Wort über seinen Vater reagiert haben[13] Dennoch räumt Jan Caeyers ein, man müsste es Johann van Beethoven »als Verdienst anrechnen, dass er die Ausbildung seines begabten Sohnes sehr schnell aus der Hand gegeben hat«.[14].

Jan Caeyers führt Johann van Beethovens Charakter zum einen auf die Tatsache zurück, dass Johann van Beethoven seine Anstellung nicht durch eigene Leistungen, sondern durch seinen Vater erworben hatte und finanziell trotzdem nicht auf eigenen Beinen stand, und zum anderen auf die Omnipräsenz des Vaters, der nicht nur wenige Häuser weiter wohnte, sondern auch im Beruf Johann van Beethovens Vorgesetzter war.[15]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Caeyers: Beethoven – Der einsame Revolutionär, C. H. Beck-Verlag, 2013, ISBN 978-3-406-65625-5, S. 42
  2. Ludwig Schiedermair: Der junge Beethoven, Leipzig, 1925, zweite, neu bearbeitete Auflage Weimar, 1939, S. 68
  3. Alexander Wheelock Thayer: Ludwig van Beethovens Leben in 5 Bänden, 1. Band, fünf Bände deutsch bearbeitet von Hermann Deiters, revidiert von Hugo Riemann, 1866ff., Nachdruck Hildesheim-New York 1970, S. 167f.
  4. Jan Caeyers: Beethoven – Der einsame Revolutionär, C. H. Beck-Verlag, 2013, S. 43
  5. Joseph Schmidt-Görg: Beethoven – Die Geschichte seiner Familie, Beethoven-Haus Bonn, G. Renle Verlag München Duisburg, 1964, ISBN 978-3-88188-087-9, S. 57-60
  6. www.beethoven-haus-bonn.de [Abgerufen am 5. Januar 2014.]
  7. Friedrich Kerst: Die Erinnerungen an Beethoven, zwei Bände, hrsg. von Friedrich Kerst, Stuttgart, 1913, S. 12
  8. a b c Stefan Wolf: Beethovens Neffenkonflikt. Eine psychologisch-biographische Studie, München, 1995, S. 12
  9. Ludwig Schiedermair: Der junge Beethoven, Leipzig, 1925, zweite, neu bearbeitete Auflage Weimar, 1939, S. 56-61
  10. Ludwig Schiedermair: Beethovens Eltern, in: Völkischer Beobachter vom 22. April 1934
  11. Joseph Schmidt-Görg: Beethoven – Die Geschichte seiner Familie, Beethoven-Haus Bonn, G. Renle Verlag München Duisburg, 1964, S. 60f.
  12. zitiert nach Klaus Kropfinger: Beethoven, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Personenteil, Band 2, Kassel/Stuttgart 2001, Spalte 693
  13. Jan Caeyers: Beethoven – Der einsame Revolutionär, C. H. Beck-Verlag, 2013, S. 44.
  14. Jan Caeyers: Beethoven – Der einsame Revolutionär, C. H. Beck-Verlag, 2013, S. 40f.
  15. Jan Caeyers: Beethoven – Der einsame Revolutionär, C. H. Beck-Verlag, 2013, S. 41