Johanna Stegen

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Ludwig Herterich: Johanna Stegen, die Heldin von Lüneburg, Historiengemälde von 1887
Das Johanna-Stegen-Denkmal in Lüneburg

Johanna Katharina Elisabeth Stegen, ab 1817 Johanna Hindersin (* 11. Januar 1793 in Lüneburg; † 12. Januar 1842 in Berlin) wurde als Heldenmädchen von Lüneburg bekannt.

Während der Befreiungskriege kam es am 2. April 1813 zu einem Gefecht bei Lüneburg zwischen napoleonischen Truppen und den Füsilieren und freiwilligen Jägern des 1. Pommerschen Infanterie-Regiments.

Die Aussicht auf die bevorstehende Befreiung Lüneburgs durch preußische und russische Truppen veranlasste auch die Bewohner der Stadt, sich gegen die französischen Besatzung zu erheben. Daraufhin musste sich der französische General Joseph Morand unter starkem Beschuss aus der Stadt auf einen nahegelegenen Hügel zurückziehen, wo ein noch intaktes Bataillon in Reserve stand. Der weitere Rückzug in Richtung Reppenstedt wurde ihm jedoch durch russische Artillerie versperrt. Daher entschloss sich Morand, in die Stadt zurückzukehren und sich dort mit einem im Kampf gegen die Preußen und Russen abgeschnittenen sächsischen Bataillon zu vereinigen, da er glaubte, mit der russischen Kavallerie in bebautem Gelände besser fertig werden zu können als im freien Feld.

Als im Laufe des Gefechtes dem preußischen Regiment die Munition auszugehen drohte, versorgte Johanna Stegen, die Tochter eines Lüneburger Sülzvogts (Salzsieders), die Soldaten mit Patronen, die sie aus einem von den Franzosen zurückgelassenen umgekippten Munitionswagen aufsammelte und in ihrer Schürze herbeitrug. Durch diese Tat, die maßgeblich zum Sieg der preußischen Truppen beigetragen haben soll, wurde sie als Heldenmädchen von Lüneburg bekannt.

Allerdings ist bei dieser Legendenbildung zu berücksichtigen, dass Morands Truppen von berittenen russischen Kosaken verfolgt und im Rücken angegriffen wurden, während er sich gleichzeitig gegen die preußische Infanterie und Lüneburger Aufständische zur Wehr setzen musste. Daher blieb den Franzosen und Sachsen schließlich nur die Kapitulation übrig. Morand selbst erlag drei Tage später seinen Wunden.

Auf Johanna Stegen wurde von den Franzosen eine Kopfprämie ausgesetzt, die allerdings nicht zu ihrer Ergreifung führte.[1]

1817 heiratete sie in Berlin den preußischen Unteroffizier Wilhelm Hindersin, der später königlicher Oberdrucker im Kriegsministerium wurde.[2]

Als Andenken wird jedes Jahr eine junge Frau als Johanna Stegen verkleidet, die das Denkmal in Lüneburg säubert. Dem, der sie anspricht, erzählt sie ihre Geschichte.

Stegen wurde in nationalen Gedichten u. a. von Friedrich Rückert[3] als Heldin verherrlicht. Noch heute sind in Berlin-Steglitz und in Lüneburg Straßen nach ihr benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Belletristik
  • Ernst Arfken: Johanna Stegen, die Heldin von Lüneburg. Eine historische Erzählung aus Lüneburgs schwerster Zeit. Baumann, Leipzig 1905.
  • Matthias Blazek: Das Kurfürstentum Hannover und die Jahre der Fremdherrschaft 1803-1813. ibidem, Stuttgart 2007, S. 67 f. ISBN 3-89821-777-9
  • Karl Meyer-Jelmstorf: Johanna Stegen. Dramatisches Gedicht in vier Bildern aus der Zeit der großen Befreiungskriege. Rathmacher, Lüneburg 1913.
Sachbücher

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.welt.de/wissenschaft/history/article1069312/Mutige_Preussinnen_kaempften_gegen_Napoleon.html.
  2. Adolf Hofmeister: Stegen, Johanna. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 560–562.
  3. Friedrich Rückert: Johanna Stegen, Text bei rueckert-buecher.gesammelte-werke.org