Johanne Schmidt-Nielsen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johanne Schmidt-Nielsen im Mai 2011 (Mitglied des Folketingets seit 2007)

Johanne Schmidt-Nielsen (* 22. Februar 1984 in Odense) ist eine dänische Politikerin der rot-grünen Enhedsliste. Sie ist seit 2009 politische Sprecherin und seit der Folketingswahl 2011 Sprecherin ihrer Fraktion auf den Gebieten Gleichstellung, Integration, Staatsbürgerschaftsrecht und Asyl.

Leben[Bearbeiten]

Johanne Schmidt-Nielsen wuchs in Skalbjerg auf Fünen auf, besuchte die Katedralskole in Odense und zog nach der Hochschulreife 2002 nach Kopenhagen. Zwischen 2004 und 2007 absolvierte sie eine sozialwissenschaftliche Bachelor-Ausbildung an der Universität von Roskilde[1].

Von 2002 bis 2003 war sie stellvertretende Vorsitzende des dänischen Gymnasiastenverbandes. Anschließend arbeitete sie kurzzeitig in einem Kindergarten auf Frederiksberg. Dort wurde sie zur Betriebsrätin gewählt und anschließend von der Gewerkschaft der pädagogischen Mitarbeiter zur landesweiten Vertrauensfrau ernannt.

Werdegang als Politikerin[Bearbeiten]

Auf dem Parteitag der Enhedsliste 2006 wurde Johanne Schmidt-Nielsen mit dem besten persönlichen Wahlergebnis in den Parteivorstand gewählt. 2007 zog sie als Abgeordnete in das Folketing ein. Bei den Wahlen konnte sie landesweit unter allen Kandidaten die zweitmeisten persönlichen Stimmen auf sich vereinen. Nur der spätere Regierungschef Lars Løkke Rasmussen erhielt mehr Stimmen. 2009 wurde sie zur ersten Parteisprecherin in der Geschichte der Enhedsliste ernannt, die bis dato keine dezidierten Führungspersönlichkeiten akzeptieren wollte.

Johanne Schmidt-Nielsen trat im Wahlkampf 2011 als Identifikationsfigur der Partei auf und konnte in Umfragen hohe persönliche Sympathiewerte auch unter Wählern anderer Parteien verbuchen. Während die etablierte Linkspartei in Dänemark, die Socialistisk Folkeparti, mit 9,2 Prozent Stimmenanteil deutlich hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb, erreichte Enhedslisten mit Schmidt-Nielsen als Wahlkampfgesicht ein neues Rekordergebnis und kam auf 6,7 Prozent der Wählerstimmen.

Politische Haltung[Bearbeiten]

Schmidt-Nielsen hat sich neben ihrem Engagement in Gewerkschaft, Partei und Parlament auch wiederholt als politische Aktivistin betätigt. So nahm sie an den G8-Gipfeltreffen-Protesten in Prag, Brüssel, Göteborg und Rostock teil[2]. 2006 nahm sie an einer medienwirksamen Protestaktion gegen den Abbau des Sozialstaates teil, bei der auf die Stufen des Finanzministeriums 200 Kilogramm Nudeln und 40 Liter Ketchup verteilt wurden. 2007 zeigte Schmidt-Nielsen das Männermagazin "Super" wegen Kuppelei an[3], weil das Blatt in einem Preisausschreiben ein Treffen mit einer Prostituierten verloste. Nachdem der Aller-Verlag das Gewinnspiel absetzte, zog die Politikerin ihre Anzeige zurück. Zudem nahm Schmidt-Nielsen an Aufmerksamkeit erregenden Protestaktionen u. a. gegen die Teilnahme Dänemarks am Zweiten Irakkrieg, gegen die Ungleichbehandlung von Frauen und gegen die Diskriminierung von Homosexuellen in Kopenhagen teil. Sie setzt sich darüber hinaus für eine Reform des Urheberrechts ein, wofür sie von der dänischen Piratenbewegung Unterstützung erhielt.

Ausländerpolitik[Bearbeiten]

Schmidt-Nielsen profilierte sich politisch vor allem auf dem Gebiet der Ausländerpolitik. 2009 deckte sie auf, dass die damalige Integrationsministerin Birthe Rønn Hornbech zentrale Punkte der Abschiebevereinbarung zwischen Dänemark und dem Irak geheim gehalten hatte. 2011 trug sie maßgeblich zur Entlassung der Ministerin bei, indem sie diese bzw. deren Mitarbeiter in zahlreichen Anfragen zu dem Eingeständnis drängte, dass ihr Ministerium einer Gruppe junger, in Dänemark geborener, staatenloser Palästinenser wider das Gesetz das Recht auf Einbürgerung in Dänemark verwehrt hatte[4].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebenslauf bei Folketinget.dk http://www.ft.dk/Folketinget/findMedlem/ELJOSN.aspx#tab1
  2. Porträt bei Danmarks Radio http://www.dr.dk/fvkandidat/_profil.dr?kandidatId=100072
  3. Beitrag auf tv2.dk http://vip.tv2.dk/article.php/id-6341878.html
  4. Bericht auf Information.dk vom 25. Oktober 2011 http://www.information.dk/283141

Weblinks[Bearbeiten]