Johannes Badrutt

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Büste von Johannes Badrutt in St. Moritz

Johannes Badrutt (* 2. April 1819 in Samedan; † 1. November 1889 in St. Moritz) war ein Schweizer Hotelier im Oberengadin im Kanton Graubünden.

Herkunft[Bearbeiten]

Vater des späteren Hoteliers war der Kleinbauer und Säumer Johannes Badrutt aus Pagig im Schanfigg. 1815 musste er wegen einer Hungersnot – jede zehnte Familie wurde durch Losentscheid zur Ausreise gezwungen – das Dorf verlassen und zog mit seiner Familie ins Engadin, wo er sich zuerst als Tagelöhner durchschlug. Später arbeitete er in Samedan als Bauunternehmer. Um 1830 baute er dort das «Werk- & Handelshaus für Bauwesen». Er baute das Haus zum Hotel «A la Vue du Bernina» um und betrieb es mit seiner Familie. Das auffallende Rundgiebelhaus steht heute noch.[1]

Leben[Bearbeiten]

Johannes Badrutt
Samedan, rechts der Mitte das Rundgiebelhaus der Familie Badrutt

Sein gleichnamiger älterer Sohn arbeitete nach seiner Lehrzeit als Kunstschmied in Chur und Chiavenna im elterlichen Betrieb mit. 1843 heiratete er Marie Berry († 1877), die ihm elf Kinder gebar, von denen neun überlebten. Marie war die Tochter des Churer Stadtrates und Bäckermeisters Johannes Berry und die Schwester von Peter Robert Berry, des späteren Bäderarztes in St.Moritz. [2]

1858 verkaufte Badrutt das elterliche Hotel dem Landammann Andreas Rudolf von Planta und kaufte für 28'500 Franken die Zwölf-Betten Pension «Faller» in St. Moritz, die er vor zwei Jahren gemietet hatte. Unter dem Namen «Hotel-Pension Engadiner Kulm» (heute Kulm Hotel St. Moritz) baute er die bescheidene Pension zu einem der führenden Luxushotels der Schweiz aus. Durch gezielten Landerwerb schuf er die Basis für das spätere Hotelimperium seiner Familie.

Um das im Vergleich zu Interlaken oder Luzern abgelegene und schwerer erreichbare Engadin bekannt zu machen, schloss Badrutt im Herbst 1864 mit sechs englischen Gästen eine Wette ab: Er lud sie ein, im Winter seine Gäste zu sein und versprach ihnen, sie würden auch im Winter bei Sonnenschein hemdsärmelig auf seiner Terrasse sitzen können. Falls er Unrecht haben sollte, würde er zusätzlich die Reisekosten von London nach St. Moritz übernehmen. Die Engländer reisten im Frühling braungebrannt nach Hause und erzählten «halb England» von ihren Ferien in St. Moritz: Der Wintertourismus war lanciert.

Die zumeist englischen Gäste führten in der Schweiz bisher unbekannte Wintersportarten wie Curling, Bob und Skeleton ein. Um seinen Gästen die Ausübung ihres Sports zu ermöglichen, legte Badrutt eine Curlingbahn an; am 22. Dezember 1880 wurde vor seinem Hotel erstmals auf dem Kontinent Curling gespielt. [3] Zwischen St. Moritz und Celerina liess er 1884 eine Skeletonbahn bauen; der Cresta Run. Für die Damen organisierte er Schlittenfahrten auf dem gefrorenen St. Moritzersee.

Badrutt, von technischen Erneuerungen fasziniert, kaufte an der Weltausstellung von Paris eine Belichtungsanlage. In der Nähe seines Hotels liess er ein kleines Kraftwerk bauen und an Weihnachten 1878 brannten im Speisesaal des Kulm-Hotels in St. Moritz die ersten elektrischen Bogenlampen der Schweiz. Als weitere Neuerungen führte er in seinem Hotel Telefon, Wasserklosetts, hydraulische Lifte und Heizung mit gewärmter Luft ein.

In den letzten Lebensjahren litt Badrutt unter der Uneinigkeit seiner Söhne; seine letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen, er wurde finster und schweigsam. Als Johannes Badrutt starb, war er der zweitgrösste Grundbesitzer des Dorfes. Seiner Familie gehörten neben dem Engadiner Kulm fünf Häuser mit Nebengebäuden und vielen Grundstücken. Das Hotel Kulm wurde von seinem Sohn Peter Robert Badrutt weitergeführt, begleitet von Neid und Missgunst seiner Brüder.

Das Hotel Badrutt’s Palace wurde 1892 von Caspar Badrutt (1848–1904) gebaut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Meider: Schweizer Pioniere der Hotellerie. Schweizerische Verkehrszentrale, Paudex 1976
  • Susanna Ruf: Fünf Generationen Badrutt. Hotelpioniere und Begründer der Wintersaison. Verein für wirtschaftshistorische Studien, Zürich 2010, ISBN 978-3-909059-49-2 (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik. Bd. 91).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernina Vegl
  2. Geschichte Kulmhotel (PDF; 1,1 MB)
  3. Herbert Meider: Schweizer Pioniere der Hotellerie. Schweizerische Verkehrszentrale, Paudex 1976; S. 84