Johannes Greber

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johannes Greber (* 2. Mai 1874 in Wenigerath bei Bernkastel; † 31. März 1944 in New York) war ein katholischer Priester und Reichstagsabgeordneter. Er gilt als Verfasser eines der bedeutendsten Werke des christlichen Spiritualismus; zudem schrieb er eine spiritistisch geprägte Übersetzung des Neuen Testamentes und gründete eine eigene spiritistische Kirche.

Leben[Bearbeiten]

Greber stammte aus einer armen Kleinbauernfamilie aus Wenigerath. Durch seine Begabung und die finanzielle Unterstützung des Dorfpfarrers konnte er das Abitur machen und am Priesterseminar in Trier katholische Theologie studieren. Am 31. März 1900 wurde er zum Priester geweiht. Am 1. Mai 1904 trat er seine erste Pfarrstelle in Obergondershausen im Hunsrück an. Er war stark diakonisch tätig. Wegen der herrschenden Armut und der großen Not der Familien mit Kranken gründete und leitete er einen Hilfsbund, der so erfolgreich war, dass er vielfach in anderen Gemeinden kopiert wurde[1]. Zudem befasste er sich mit der Behandlung von Krankheiten in Anlehnung an die Methoden von Kneipp. Im Krieg begann Greber, hungernde Kinder in Bauernfamilien zur Pflege zu verschicken. Bis Kriegsende konnte er durch großen persönlichen Einsatz 14.175 Kinder nach Holland und weitere 6000 Kinder in deutsche Pflegefamilien verschicken. Vielen bezahlte er die Fahrtkosten aus eigener Tasche[1]. Beides, den Hilfsbund und die Pflegeaktion, führte Greber gegen den anfänglichen Widerstand seines Bischofs durch.

Johannes Greber

Von Januar bis November 1918 war er auch Mitglied des Deutschen Reichstags für die Deutsche Zentrumspartei und den Wahlkreis Koblenz 3 (Koblenz-Stadt, St. Goar) für soziale Fragen.[2] Am 31. Mai 1921 wurde er wieder als Pfarrer in die Pfarrei Kell im Brohltal eingesetzt, das zur kreisfreien Stadt Andernach gehört. Zugleich leitete er seinen Hilfsbund weiter, dessen Büro sich in Koblenz befand.

1923 kam Greber in Kontakt mit einem spiritistischen Kreis, dem er trotz des Verbots durch den Bischof treu blieb. Um einer Amtsenthebung zuvorzukommen, bat er zum 31. Dezember 1925 um seine Beurlaubung, verlegte seinen Wohnsitz nach Koblenz und arbeitete überwiegend für seinen Hilfsbund. Trotzdem galt für ihn weiter das Spiritismusverbot, weswegen Greber 1929 zu Freunden nach New York umsiedelte. Dort gründete Greber selbst einen spiritistischen Kreis, heiratete 1931 und bekam zwei Söhne. Greber starb am 31. März 1944 urplötzlich, vermutlich an Herzschlag.

Theologie[Bearbeiten]

Greber entfernte sich ab 1925 zunehmend von der katholischen Kirche. 1929 wanderte er nach Amerika aus und gründete dort eine spiritistische Gemeinde. 1932 verfasste er das Buch Der Verkehr mit der Geisterwelt, seine Gesetze und sein Zweck, in dem er seine Erfahrungen mit einem spiritistischen Kreis und dessen Tieftrancemedium Zimmermann, einem 16-17-jährigen Bauernjungen, schildert. Auf Grebers Frage an den Jungen, wer durch ihn spreche, erhielt er zur Antwort: "Ich schwöre es dir bei Gott, daß ich ein guter Geist Gottes bin, und zwar einer der höchsten. Meinen Namen behalte für dich." Dieses Buch wurde ihm durch Medien von einem Hochengel diktiert, wie er beschreibt.

Das Buch beschreibt theoretisch und anhand vieler praktischer Beispiele das Wirken einer biophysikalischen Energie als Verbindung zwischen Mensch und Geistwesen. Weiterhin wird auf Fälschungen der Urtexte der Evangelien hingewiesen sowie auf Grundsätzliches über den Engelsturz, auf den Erlösungsplan Gottes und die Rolle Jesu Christi, die Ausbildung der Medien in der Bibel und vieles mehr Bezug genommen.

Die Aussagen Grebers haben große Kontroversen ausgelöst: Die Gegner seiner Lehre behaupten, dass Geisterbefragungen von Gott verboten seien. Die Befürworter erklären, dass sich in der Kommunikation mit der Geisterwelt Gottes das weiter fortsetze, was beim biblischen Pfingsten angefangen habe.

Johannes Greber vertrat eine moderne Form der arianischen Lehre, wonach Christus als erstgeschaffener Sohn Gottes und somit als ein von Gott unabhängiges, freies Geistwesen angesehen wird. Sein dualistischer Gegenspieler ist nach Greber sein abgefallener Bruder Luzifer. Statt vom Heiligen Geist spricht Greber von der heiligen Geisterwelt Gottes, die der Menschheit dienend zur Seite stehe

Werke[Bearbeiten]

  • Johannes Greber: Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck - Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen. Johannes Greber Memorial Foundation, Teanneck N.J. 1986, ISBN 3-87667-067-5 [1] - [2]
  • Johannes Greber: Das Neue Testament. Adaptiert vom Spirituelle Christen e.V., Göppingen 2001, ISBN 3-9808576-2-X

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottfried Briemle (2004): Credo in unum Deum ... - ein Gebet und seine Wurzeln. Das christliche Glaubensbekenntnis im Lichte spiritueller Wahrheiten. Theophanica-Verlag, Aulendorf, ISBN 3-9802569-5-2.
  • Werner Schiebeler (1998): Johannes Greber. Sein Leben und sein Werk. Johannes-Greber-Arbeitskreis-Verlag, Göppingen, ISBN 3-9808576-0-3.
  • Ingeburg Graf (1994): Das „Greber-Buch“ für Kinder: Sven und sein Freund der Apfelbaum. Verlag Sera Print, Einhausen, ISBN 3-926707-06-2.
  • La comunicazione col Mondo degli Spiriti,le sue leggi ed il suo scopo- Esperienze personali di un sacerdote cattolico Casa Editrice Leuchterhand/Kindenheim 2012 ISBN 978-3-9809257-7-8

Weblinks[Bearbeiten]

Esperienze personali di un sacerdote cattolico Casa Editrice Leuchterhand/Kindenheim 2012 ISBN 978-3-9809257-7-8 http://www.leuchterhand.de/de/Geistes-und-Grenzwissenschaften/La-Comunicazione-col-Mondo-degli-Spiriti-Greberbuch-in-italienisch

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Werner Schiebeler, "Johannes Greber, sein Leben und sein Werk", Wersch-Verlag Martin Weber, Fabrikstr. 1, D-77746 Schutterwald,ISBN 3-9805119-1-X
  2. Biografie von Johannes Greber. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)