Johannes Kohlhaas der Ältere

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Johannes Kohlhaas der Ältere (* 25. Juli 1691 in Kiedrich; † 1757 in Mainz) war ein deutscher Orgelbauer.

Er ist nicht zu verwechseln mit seinem Sohn Johannes Christoph Kohlhaas, auch Johannes Kohlhaas der Jüngere genannt, (* 1736 in Mainz; † 1775, ebenda), der ebenso wie sein Vater domkapitelscher Orgelmacher und ein außerordentlich begabter Schreiner war. Von beiden sind 17 Orgeln in Rheinhessen und im Rheingau nachweisbar.[1]
Heinrich Konrad Kohlhaas (+ 1800 in Mainz), Sohn des Johannes Kohlhaas des Jüngeren, versah das Amt des domkapitelschen Orgelmachers bis zu seinem Tode.[1]

Leben des Johannes Kohlhaas des Älteren[Bearbeiten]

Die Eltern des Johannes Kohlhaas des Älteren waren Johann Konrad Kohlhaas und Maria Eva Keller, eine Enkelin des Kiedricher Orgelbauers Johann Jakob Keller. Er lernte das Handwerk des Orgelbauers bei Johann Wendelin Kirchner[2] und Johann Jakob Dahm. In der älteren Literatur wird auch Johann Peter Geissel als ein weiterer Lehrer im Orgelbau genannt. Allerdings ist der 1636 geborene Geissel nach 1689 nicht mehr in Mainz nachweisbar[3][4]. Auch dürfte Kohlhaas weder bei Anton Ziegenhorn (+ 1720) noch bei dessen Sohn Johann Eberhard Ziegenhorn (+ 1726) gelernt haben, da beide weder Orgelbauer noch Schreiner, sondern Zimmerleute waren. Nach seiner Ausbildung in Mainz führte Kohlhaas zunächst Reparaturarbeiten im Rheingau aus. Nachdem sein Lehrmeister Johann Jakob Dahm am 10. Juli 1727 verstorben war, wurde Kohlhaas dessen Amtsnachfolger als domkapitelscher Orgelmacher. Bei der Bewerbung um dieses Amt konnte sich Kohlhaas sogar gegen den Konkurrenten Joseph Gabler durchsetzen[5]. Als Domorgelbauer führte er zum Großteil die anfallenden Neubauten im Mainzer Sprengel aus. Nach Auffassung des Musikwissenschaftlers Wilhelm Krumbach war Johannes Kohlhaas der Ältere auch der Lehrer des Matthäus Heilmann[6].

Leben des Johannes Kohlhaas des Jüngeren[Bearbeiten]

Aus dem Leben des Johannes Kohlhaas des Jüngeren, der erst 39-jährig verstarb, ist kaum etwas bekannt[7].

Werke des Johannes Kohlhaas des Älteren[Bearbeiten]

Zu den bedeutendsten Werken des Johannes Kohlhaas des Älteren zählt die 1747 in der Budenheimer Pankratiuskirche gebaute Orgel[8]. Diese Orgel ist das einzige von zahlreichen Kohlhaas-Werken, das weitgehend erhalten ist. Von seinen Orgeln in St. Gereon in Nackenheim (1739)[9], St. Markus in Erbach (Rheingau) (1725)[10] und St. Vincentus in Hattenheim (1739–1740)[11] existieren nur noch die Gehäuse.

Werke des Johannes Kohlhaas des Jüngeren[Bearbeiten]

Von Johannes Kohlhaas dem Jüngeren stammen das Gehäuse der 1763 für die kath. Kirche Mariä Himmelfahrt in Undenheim gebauten Orgel, deren Werk 1907 durch eines von Körfer ersetzt wurde[12]; die 1765 für Bodenheim gebaute Orgel, die sich seit 1828 in der ev. Kirche in Ober-Saulheim[13][14] befindet; die 1769 gebaute Orgel der kath. Kirche St. Johannes Evangelist in Großwinternheim[15], die 2011/2012 von der Werkstatt Rainer Müller in Merxheim (Nahe) vorbildlich restauriert und am 16. September 2012 unter Mitwirkung von Albert Schönberger feierlich eingeweiht wurde, sowie das Gehäuse der 1772 für das Mainzer Armklarenkloster gebauten Orgel, die 1807 in die kath. Pfarrkirche St. Georg in Nieder-Olm gelangte und deren Werk zwischenzeitlich erneuert wurde[16].

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins, Mainz 1967
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz und Saarland, Deutscher Kunstverlag, München 1984
  • Hermann Fischer, Theodor Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer, Wilhelmshaven 1994
  • Johannes Mayr: Joseph Gabler Orgelmacher, Biberach 2000
  • Achim Seip: Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz, unter Mitarbeit von Thomas Adelberger, Thomas Drescher, Gregor Knop, Klaus Minden, Nicolo Sokoli, Manfred Wittelsberger und Dan Zerfaß, Mainz 2003, ISBN 3-8053-2838-9
  • Hans-Joachim Stenger: Die Kohlhaas-Orgel von 1769, in: Die Kohlhaas-Orgel in St. Johannes Evangelist in Großwinternheim, Ingelheim 2012
  • Wolfgang Plodek: in Ars Organi, Heft 1/1986 machte den Kirchenverwaltungsrat hellhörig. In diesem Artikel beschrieb er die Budenheimer Orgel und fragte: "Wer küsst Dornröschen wach?"

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Achim Seip: Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz, unter Mitarbeit von Thomas Adelberger, Thomas Drescher, Gregor Knop, Klaus Minden, Nicolo Sokoli, Manfred Wittelsberger und Dan Zerfaß, Mainz 2003, ISBN 3-8053-2838-9, S. 121.
  2. Achim Seip: Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz, unter Mitarbeit von Thomas Adelberger, Thomas Drescher, Gregor Knop, Klaus Minden, Nicolo Sokoli, Manfred Wittelsberger und Dan Zerfaß, Mainz 2003, ISBN 3-8053-2838-9, S. 120
  3. Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer, Wilhelmshaven 1994, S. 111 f.
  4. Johannes Mayr: Joseph Gabler Orgelmacher, Biberach 2000, S. 13 ff.
  5. Wilhelm Krumbach: Deutsche Orgellandschaften - Orgellandschaft Mittelrhein (2), 1967
  6. Wilhelm Krumbach: Deutsche Orgellandschaften - Orgellandschaft Mittelrhein (2), 1967
  7. Hans-Joachim Stenger: Die Kohlhaas-Orgel von 1769, in: Die Kohlhaas-Orgel in St. Johannes Evangelist Großwinternheim, Ingelheim 2012, S. 19
  8. Kohlhaas-Orgel in Budenheim
  9. Pfarrgemeindeblatt Gereon aus Nackenheim
  10. Erbach: Kohlhaas-Orgel (1725) (PDF; 197 kB)
  11. 35 Jahre Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg
  12. Hans-Joachim Stenger: Die Kohlhaas-Orgel von 1769, in: Die Kohlhaas-Orgel in St. Johannes Evangelist Groß-Winternheim, Ingelheim 2012, S. 19
  13. Kohlhaas-Orgel in Ober-Saulheim
  14. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz und Saarland, München 1984, S. 934
  15. Franz Bösken: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins, Band 1, Mainz 1967, S. 335
  16. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz und Saarland, München 1984, S. 746