Johannes Lydos

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Johannes Lydos (* 490 in Philadelphia; † nach 560) war ein spätantiker oströmischer Beamter und Schriftsteller.

Flavius Laurentius (?) Iohannes, genannt „der Lyder“, stammte aus der Polis Philadelphia in Lydien und kam um 510, zur Zeit des Kaisers Anastasius, nach Konstantinopel, um dort in der zentralen Verwaltung Karriere zu machen. Die Sprache der oströmischen Administration war um diese Zeit noch immer Latein, und Johannes betont in seinen erhaltenen – auf Altgriechisch verfassten – Werken immer wieder stolz seine Zweisprachigkeit. Seine Karriere wurde zunächst durch den praefectus praetorio Zoticus, einen Landsmann, gefördert. Unter Justinian und dessen praefectus praetorio Johannes von Kappadokien geriet Johannes’ Karriere nach anfänglich raschem Aufstieg dann offenbar ins Stocken. Der Kappadokier wird folglich bei Lydos sehr negativ dargestellt. Nach dem Sturz des Präfekten 542 brachen für Lydos dann wieder bessere Zeiten an. 543 rühmte Justinian ihn in einem Schreiben an den neuen praefectus praetorio für seine Bildung, seine literarischen Werke und seine juristische Kompetenz und stellte eine Gehaltserhöhung in Aussicht. Wenig später verlieh ihm der Stadtpräfekt einen Rhetoriklehrstuhl für lateinische Sprache an der Universität von Konstantinopel (De Mag. 3,29). 552 trat Lydos dann in den Ruhestand.

Johannes Lydos verfasste eine ganze Reihe von literarischen Werken, darunter eine heute vollständig verlorene Beschreibung der Perserkriege des Kaisers Justinian, die die offizielle Sicht der Dinge wiedergab, sowie einige lateinische Festreden, die ebenfalls nicht auf uns gekommen sind (De Mag. 3,28). Erhalten sind nur drei auf Griechisch verfasste Werke: „Über die Monate“ (De mensibus), „Über Himmelserscheinungen“ (De ostentis) und insbesondere „Über die Ämter des römischen Staates“ (kurz: De magistratibus). Vor allem das letztere, das nach Johannes’ Ausscheiden aus dem Staatsdienst entstand, bietet zahlreiche wertvolle Informationen über die kaiserliche Verwaltung in der ausgehenden Spätantike. Lydos schildert die Veränderungen, die während seiner Dienstzeit eingeführt wurden und die teilweise bereits auf die mittelbyzantinische Zeit vorauswiesen – so wurde unter Justinian neben Latein auch Griechisch als Amtssprache zugelassen –, mit Skepsis und Ablehnung. Unter anderem verweist er auf eine Prophezeiung, der zufolge die Römer das Glück verlassen werde, falls sie die Sprache ihrer Väter verlernen sollten (De Mag. 3,42). Er starb wohl um 560.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Michel Dubuisson und Jacques Schamp (Hrsg.): Jean le Lydien: Des magistratures de l'état romain, Les Belles Lettres, Paris 2006 (kritische Ausgabe des griechischen Textes mit ausführlicher Einleitung, französischer Übersetzung und Kommentar)
  • Thomas Francis Carney (Übers.). John the Lydian, De Magistratibus. On the Magistracies of the Roman Constitution. 1971, Coronado Press.
  • A. C. Bandy (Hrsg. und übers.). Ioannes Lydus on powers, or: The magistracies of the Roman state. introduction, critical text, translation, commentary, and indices by Anastasius C. Bandy. Philadelphia 1983.
  • Barthold Georg Niebuhr, Johannes Laurentius Lydus, Immanuel Bekker, Wilhelm Roether, Jean Dominique Fuss, Charles Benoît Hase: Ioannes Lydus. Band 29 von Corpus scriptorum historiae Byzantinae, Impensis Ed. Weberi, 1837 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Maas: John Lydus and the Roman Past. London/New York 1992.
  • John Martindale, John Morris: The Prosopography of the Later Roman Empire II. Cambridge 1980, S. 612–615.
  • Bruno Rochette: Justinien et la langue latin: à propos d'un prétendu oracle rendu à Romulus d'après Jean le Lydien. In: Byzantinische Zeitschrift 90, 1997, S. 413ff.

Weblinks[Bearbeiten]