Johannes Olearius (1639–1713)

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Johannes Olearius

Johannes Olearius (* 5. Mai 1639 in Halle (Saale); † 6. August 1713 in Leipzig) war ein deutscher lutherischer Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Gottfried Olearius (1604–1685) begann nach einer Privatausbildung in Halle im Sommersemester 1657 ein philosophisches Studium an der Universität Leipzig, wurde am 9. April 1659 Baccalaureus und am 26. Januar 1660 Magister der Philosophie. Nachdem er sich unter anderem bei Johann Hülsemann dem theologischen Studium widmete, besuchte er theologische Vorlesungen an der Universität Jena und an der Universität Wittenberg.

In Wittenberg waren unter anderem die damaligen Vertreter der lutherischen Orthodoxie Abraham Calov, Johann Andreas Quenstedt, Johann Deutschmann und Johannes Meisner seine Lehrer. In Leipzig wurde er 1663 Assessor an der philosophischen Fakultät und 1664 Professor der griechischen und lateinischen Sprache. 1666 wurde er Kollegiat am großen Fürstenkollegium. Am 9. April 1659 wurde er als Baccalaureus der Theologie in die theologische Fakultät aufgenommen worden und wurde mit der Dissertation de stylo Novi Testamenti am 17. Oktober 1668 Lizenziat der Theologie. 1677 wurde er Professor der Theologie. Olearius wurde am 17. September 1678 zum Doktor der Theologie promoviert.

In seiner weiteren Entwicklung stieg er in höhere Professuren auf, erhielt 1683 ein Kanonikat in Zeitz, wurde zugleich Ephorus der kurfürstlichen Stipendiaten und starb als Senior der Leipziger Hochschule. Olearius hatte sich auch an den organisatorischen Aufgaben der Leipziger Hochschule beteiligt. In der philosophischen Fakultät war er 1699 Prokanzler, zwei Mal Dekan, neun Mal Dekan der theologischen Fakultät und in den Sommersemestern 1669, 1671, 1677, 1689, 1696, 1703 und 1705 sowie im Wintersemester 1682 acht Mal Rektor der Alma Mater.

Wirken[Bearbeiten]

Obwohl Olearius eine stark ausgeprägte theologische Ausbildung in der lutherischen Orthodoxie genossen hatte, hielt er sich bei den Auseinandersetzungen mit dem Pietismus des August Hermann Francke eher zurück. Er hegte sogar Sympathie für dessen Vorstellungen, so dass er selbst von seinen orthodox lutherischen Mitstreitern angefeindet wurde. Dennoch blieb er seiner Glaubensauffassung treu und verwehrte seinen damals streitfreudigen Widersachern jeden Angriffspunkt, indem er weiter in anspruchsloser Art und Weise sein Lebenswerk fortsetzte. So versuchte er seinen Schülern vor allem den Blick für die Praxis zu schärfen, um ihnen so eine objektive Handlungsbasis in ihrem damaligen späteren Wirken zu vermitteln und hat mit seiner Handlungsweise dem Pietismus in Leipzig den Weg bereitet.

Familie[Bearbeiten]

Aus seiner 1667 geschlossenen Ehe mit Anna Elisabeth (1649–1719),[1] der Tochter des Leipziger Mathematikprofessors und Mediziners Philipp Müller (* 11. Februar 1585 in Hertzberg; † 26. März 1659 in Leipzig), entstammen scheinbar mindestens neun[2] Töchter und mindestens fünf Söhne, wovon die Theologen Gottfried Olearius, Georg Philipp Olearius und der Jurist Johann Friedrich Olearius ebenfalls Professoren wurden. Bekannt sind die Töchter Christiane Elisabeth Olearius[3], Anna Sybilla Olearius[4], Johanna Sabina Olearius,[5] Christina Sophia Olearius, Anna Elisabeth Olearius, Gottfried Olearius I.[6] Johanna Elisabeth Olearius[7], Christina Dorothea Olearius,[8] Anna Sybilla Olearius,[9] Anna Susanna Olearius[10] und Johannes Olearius.[11]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Olearius hat 61 philosophische und 106 theologische Dissertationen verfasst. Zudem erlangte er mit folgenden Schriften einen ausgezeichneten Ruf in seiner Zeit.

  • De stylo Novi Testamenti Liber philosophico – theologicus. Leipzig 1668, Coburg 1721
  • Gottseliges Alter mit seiner eigenen Beschaffenheit. Leipzig 1690
  • Geistliches Handbuch der Kinder Gottes. Leipzig 1692
  • Kern der ganzen Bibel. Leipzig 1704
  • Doctrina theologiae moralis. Leipzig 1708
  • Biblothekca scriptorum ecclesiasticorum. Leipzig 1711
  • Andächtige Wittwer, Wittwe und Waise. Leipzig 1714
  • Disputationes Veteris et Novi Testamenti. Halle 1730
  • Christliches Communionbüchlein, nebst einem Gesangbuche. Leipzig 1739, 1740
  • Geistliche Gedenkkunst, welche lehret, wie ein Mensch recht gläuben, christlich leben und selig sterben solle. Leipzig 1754
  • Christliche Sterbeschule. Leipzig 1755

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. nach Epitaph in Paulinerkirche
  2. vgl. Franz Blanckmeister: Johann Gottfried Körner, Doktor und Professor der Theologie, Domherr, Superintendent und Pfarrer an St. Thomae in Leipzig, Theodor Körners Großvater. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1892, 7. Heft und Fritz Roth: Restlose Auswertungen von Leichenpredigten und Personalschriften für genealogische und kulturhistorische Zwecke. Band 8, S. 94
  3. * 1702 in Leipzig, verheiratet am 25. Juni 1725 mit dem Theologen Johann Christoph Körner (* 11. März 1688 in Leipzig), Sohn des Brauers und Bierschröters Johann Körner und der Barbara (geb. Münder; † 16. Juli 1720), besuchte Nikolai und Thomasschule in Leipzig, 1706 Universität Leipzig, Mag., 1716–1724 Vesperprediger und Privatdozent in Leipzig, 1724 Substitut Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar, 1728 Diac. ebenda, † 5. August 1736 (fünf Kinder, zwei Söhne und eine Tochter überlebten ihn); ihre Söhne sind der Leipziger Superintendent Johann Gottfried Körner (1726–1785), der Kaufmann in Weimar Johann Christoph Körner und die Tochter Christiane Sophie Körner († 1808 in Zerbst) war in erster Ehe mit einem gewissen Göldner verheiratet und in zweiter Ehe mit dem Goldschmied Ayrer in Zerbst; ihr Enkel ist der Theologe Christian Gottfried Körner; ihr Urenkel ist Theodor Körner (1791–1813); (Hier jedoch bestehen Zweifel. Nach Michael Ranfft: Leben und Schriften aller Chursächsischen Gottesgelehrten... Verlag Wolfgang Deer, Leipzig 1742, 2. Teil, soll es sich bei ihr jedoch um eine Tochter des Gottfried Olearius (1672–1715) handeln)
  4. verheiratet 4. Februar 1695 mit dem Pädagogen, Genealogen und Lexikograph Johann Hübner (* 15. April 1668 in Türchau bei Zittau; † 31. Mai 1731 in Hamburg), ein Sohn der Jurist Johann Hübner II. († 26. März 1758 in Hamburg) vgl. Johann Samuel Ersch und Johann Gottfried Gruber: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste 2. Section, 3. Theil, S. 346 und eine Tochter Sophia Elisabeth Hübner (1698–1721) heiratete 1719 den Leipziger Buchhändler Johann Gottlieb Gleditsch (1688–1738) vgl. Neue Deutsche Biographie. Band 6, S. 440
  5. heiratete den Juristen Johann Gottfried Zemisch (:Aufklärung, Verlag Felix Meiner, 2007, S. 343)
  6. † jung vor 1685
  7. verh. 19. November 1689 mit dem Theologen Paul Anton
  8. † jung vor 1685
  9. † jung vor 1685
  10. † jung vor 1685
  11. † jung vor 1685