Johannes Rathje

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Johannes Rathje (* 29. Dezember 1879 in Lüneburg; † 16. Dezember 1956 in Peine) war ein deutscher Journalist und liberaler Politiker.

Leben während des Kaiserreichs[Bearbeiten]

Ratje studierte Geschichte, Germanistik und Nationalökonomie in Kiel, Berlin und Göttingen. Danach war er zunächst journalistisch tätig. Später (1905) promovierte er in Heidelberg bei Erich Marcks mit der Arbeit „Die Behördenorganisation im ehemals kurkölnischen Herzogtum Westfalen“ zum Dr. phil.

Um 1902 trat er dem Nationalsozialen Verein bei. Kurze Zeit später wurde er Mitglied „Vereinigung der Freunde der Christlichen Welt“ um Martin Rade. Als der nationalsoziale Verein die Reichstagswahl von 1903 verloren hatte, trat Rathje wie auch andere Mitglieder des Nationalsozialen Vereins zur Freisinnigen Vereinigung über. Für diese war er kurze Zeit als Parteisekretär in Mitteldeutschland tätig. Danach wurde er Redakteur der liberal ausgerichteten „Halleschen Allgemeinen Zeitung.“

Rathje heiratete 1906 Hanna Kolbatz. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Über mehrere berufliche Stationen wie Berlin, Kiel und Karlsruhe kam er 1913 nach Nürnberg. Dort übernahm er den Posten eines Chefredakteurs des demokratisch gesinnten „Fränkischen Kuriers.“ Darüber hinaus betätigte er sich in verschiedenen Verbänden. Politisch war er zeitweilig Mitglied der Zentralleitung der Fortschrittlichen Volkspartei. Außerdem war er ab 1914 Vorstandsmitglied des evangelisch-sozialen Kongresses.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Im Jahr 1918 ging Rathje nach Berlin und war dort bis zur Novemberrevolution für die Deutsch-Hannoversche Partei tätig. Ab Mitte November 1918 gehörte er zu den Mitbegründern der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Im Parteivorstand war er für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In einer Broschüre definierte Rathje die DDP als Sammlungspartei der bürgerlichen Linken. Zu seinem Aufgabengebiet gehörte auch die Herausgabe der „Demokratischen Partei Korrespondenz“. Diese war nicht nur Pressedienst der Partei, sondern bot auch Platz für die politische Analyse von führenden Parteimitgliedern und ihr nahestehender Intellektueller.

Bereits im März 1920 gab er seinen Posten als Pressechef der Partei auf, um als Chefredakteur für die Kieler Zeitung zu arbeiten. Allerdings gehörte er weiterhin Führungsgremien der DDP an. So war er Mitglied des geschäftsführenden Parteiausschusses. Außerdem war er seit 1922 Vorsitzender der Partei in der Provinz Schleswig-Holstein.

Im Jahr 1923 wechselte er zu der Hannoverschen Landeszeitung. Diese stand der Deutsch-Hannoverschen Partei nahe und Rathje wechselte erneut die Partei. Der Niedergang der Deutsch-Hannoverschen Partei führte zum Verlust seiner Stellung. Erst 1930 fand er eine Stelle als politischer Redakteur der Nordhäuser Zeitung.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft schrieb er aus materiellen Gründen für das nun gleichgeschaltete Blatt. Seit 1938 war er auch Mitglied der NSDAP. Gleichzeitig gehörte er aber auch der Bekennenden Kirche an. Innerlich bestärkte ihn die Judenverfolgung in seiner Ablehnung des Regimes. Vor diesem Hintergrund begann er seit 1943 seine Arbeit über Martin Rade. Im selben Jahr wurde er als Redakteur der Nordhäuser Zeitung abgesetzt und das Blatt verboten. Sein Buch war gleichzeitig eine Darstellung des liberalen Protestantismus der Zeit vor dem Nationalsozialismus.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg wurde er Mitglied der Liberaldemokratischen Partei. Wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP verlor er allerdings seine Pension. Nach einer kurzen Untersuchungshaft floh er nach Peine. Dort konnte er seine Arbeit über Rade abschließen. In der akademischen Welt fand er damit Resonanz und erhielt 1953 die theologische Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität Marburg.

Werk[Bearbeiten]

  • Die Behördenorganisation im ehemals kurkölnischen Herzogtum Westfalen, Phil Diss. Heidelberg 1905
  • Deutsche Volkspartei oder Deutsche demokratische Partei? Berlin, 1919
  • Die Welt des freien Protestantismus. Ein Beitrag zur deutsch-evangelischen Geistesgeschichte. Dargestellt an Leben und Werk von Martin Rade, Stuttgart 1952
  • Mein Leben. Aufgezeichnet für meine Kinder und Enkel. Herausgegeben und kommentiert von Matthias Wolfes, in: Mitteilungen der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft 10 (1997), 12-170.
  • Ein Teilnachlaß befindet sich in der Universitätsbibliothek Marburg (Signatur: MS 858).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]