Johann Tetzel

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Johann Tetzel

Der Dominikanermönch Johann Tetzel (* um 1460 in Pirna oder Leipzig[1]; † 11. August 1519 in Leipzig) war Ablassprediger und gab den Anlass für Luthers Thesenanschlag.

Leben[Bearbeiten]

Johann Tetzel war der Sohn eines Goldschmieds in Pirna. Im Wintersemester 1482/83 nahm er ein Theologiestudium in Leipzig auf. 1487 erwarb Tetzel den Baccalaureus artium. 1489 trat er in das Dominikanerkloster St. Pauli in Leipzig ein, dessen Angehöriger er trotz häufiger Abwesenheit bis zu seinem Tode war. In Leipzig wirkte er zunächst als Prediger und als theologischer Lehrer am hiesigen Ordensstudium.

Das in Pirna als sein Geburtshaus bezeichnete Tetzelhaus

1504 begann Tetzel seine Tätigkeit im Ablasshandel zunächst für den Deutschen Ritterorden. Nach einer kurzen Amtszeit als Prior in Glogau war er von 1505 bis 1510 als Ablassprediger in Sachsen unterwegs. Hier wird ihm ein unsolider Lebenswandel nachgesagt. Danach war er im süddeutschen Raum und in Österreich tätig. In Innsbruck wurde er wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt, wovon er durch den damals dort weilenden Kurfürsten Friedrich von Sachsen beim Kaiser Maximilian I. losgebeten werden konnte. Dann kam er wieder nach Sachsen.

1516 ernannte das Bistum Meißen Tetzel zum Subkommissar beim Ablasshandel für den Bau der Peterskirche in Rom. In gleicher Mission, aber nun als Generalsubkommissar, war er ab 1517 im Auftrag des Erzbischofs von Mainz Albrecht von Brandenburg in den Bistümern Halberstadt und Magdeburg unterwegs. Hier lassen sich Aufenthalte in Eisleben, Halle, Zerbst, Berlin, Jüterbog und Magdeburg nachweisen. Dieses Wirken war auch der Anlass für den Thesenanschlag Luthers in Wittenberg und den Beginn der Reformation.

Ab 1518 lebte Tetzel wieder im Paulinerkloster in Leipzig. Im gleichen Jahr wurde er aufgrund einer Ermächtigung durch Papst Leo X. zum Doktor der Theologie ernannt.

1519 starb er in Leipzig an der Pest. Er wurde im Chor der Paulinerkirche begraben, der aber 1546 wegen des Ausbaus der städtischen Befestigungsanlagen für den Schmalkaldischen Krieg zum Teil abgetragen wurde.[2]

Der Ablasshandel[Bearbeiten]

Die Tetzelsäule an der Elbe nahe Pirna. Hier soll Tetzel gepredigt haben.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war der Ablasshandel streng geregelt, nur bestimmte Sündenstrafen konnten durch Geld und keinesfalls ohne tätige Reue erlassen werden. Tetzel übertrieb den Umfang des Ablasses mit seinen Parolen: „Sobald der Gülden im Becken klingt im huy die Seel im Himmel springt“ oder „Wenn ihr mir euer Geld gibt dann werden eure toten Verwandten auch nicht mehr in der Hölle schmoren sondern in den Himmel kommen" soll Johann Tetzel in der Art eines Marktschreiers den Ablasshandel eröffnet haben. In das Hochdeutsche übertragen ist jedoch heutzutage der Ausruf „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ der Allgemeinheit geläufiger. Die eine Hälfte der Einnahmen diente dem Bau des Petersdoms in Rom, während die andere sich der Erzbischof Albrecht von Brandenburg und der jeweilige Ablassprediger teilten. Der Bischof benötigte die Einkünfte, um seine gegenüber den Fuggern aufgelaufenen Schulden abzuzahlen. Um den Anteil des Bankhauses zu sichern, begleiteten Vertreter der Fugger Tetzel und zogen bei Verkaufsaktionen die Tilgungssummen ein. Ein Teil dieser Schulden war durch Gebühren entstanden, die der Papst dafür verlangte, dass er Albrecht von den Vorschriften gegen Ämterhäufung dispensiert hatte. Somit konnte Albrecht zusätzlich zu den Bischofssitzen von Magdeburg und Halberstadt den wichtigsten deutschen Erzbischofsstuhl von Mainz, lateinisch Sancta sedes (Moguntia), der mit dem Erzkanzleramt über den deutschen Teil des Reiches verbunden war, erwerben.

Tetzel wirkte zwar im Gebiet des Erzbistums Magdeburg, doch kamen zu ihm auch die Wittenberger Bürger, um sich, statt durch echte Buße, durch Geld von ihren Sünden zu befreien. Martin Luther, Beichtvater vieler Wittenberger, bemerkte dies mit Bitterkeit. Er prangerte den seiner Meinung nach schändlichen Ablasshandel an, da dieser seine Vorstellung von einem sündigen Menschen, der sich wegen schlimmer Taten einem Leben der Demut unterwirft, geradezu verhöhnte. Die 95 Thesen, die er als Reaktion darauf in Wittenberg veröffentlicht haben soll, stehen für den Ausdruck einer tiefgreifenden Enttäuschung und gelten als Auslöser der Reformation. Kurz vor Tetzels Tod schickte Luther ihm einen Trostbrief.

Tetzel soll seine Ablassbriefe auch in Küblingen in der dortigen Wallfahrtskirche St. Marien verkauft haben. Im nahegelegenen Elm, einem Höhenzug knapp 20 Kilometer östlich von Braunschweig, soll 1518 laut einer Sage unter dem Tetzelstein ein Ablassprediger begraben worden sein.

Der Tetzelkasten[Bearbeiten]

Der Tetzelkasten war der Kasten zum Sammeln der Erlöse aus dem Ablassverkauf. Um die Menschen zum Kauf zu bewegen, ließ Tetzel einen Teufel auf den Kasten malen, der die armen Seelen im Fegefeuer quält. Darüber stand geschrieben: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“[3]

Braunschweig
Tetzelkasten in Jüterbog, um 1510

Einer der bisher gefundenen Tetzelkästen (auch Ablasslade genannt), in denen die Bußgelder verwahrt wurden, befindet sich im Städtischen Museum Braunschweig im Altstadtrathaus. Er entstammt der Peterskapelle des Schlosses Süpplingenburg, in der Tetzel gepredigt und diesen Kasten verwendet haben soll. Dieser ist mit breiten Eisenblechen beschlagen und besitzt seitlich zwei Tragegriffe. Auf der Vorderseite waren drei Schlösser angebracht, deren Öffnung wahrscheinlich nur der römischen Kurie, den Fuggern und Erzbischof Albrecht vorbehalten waren. Seine Abmessungen sind 40,6 x 82,5 x 47,5 cm.

Jüterbog

Auch die Nikolaikirche in Jüterbog besitzt einen Tetzelkasten. Hans von Hake (1472–1541) übergab Jüterbog diese Lade, nachdem er Tetzel den Kasten abgenommen hatte. Den Ablasszettel dafür hatte er zuvor schon von ihm erworben und winkte damit, als Tetzel ihm mit den Qualen des Fegefeuers drohte.

Elm

Auf der Höhe des Elms (zwischen Königslutter und Schöppenstedt) soll Tetzel der Legende nach von einem Ritter „von Hagen“ überfallen worden sein, als er von Königslutter kam. Es wird erzählt, dieser Ritter habe bei Tetzel zuvor einen Ablassbrief „für noch zu begehende Sünden“ gekauft, ihm diesen nun unter die Nase gehalten und dann unter Hinweis darauf die Ablasskasse geraubt.[4]

Berlin

Auch aus Berlin ist eine ähnliche Geschichte überliefert: Tetzel verkaufte beispielsweise vor der Nikolaikirche die „schriftliche Vergebung der Sünden“ an gut Zahlende. Gegen Geld erwarb auch ein anonymer Wohlhabender eine Ablassurkunde für eine Sünde, die er erst am Folgetag begehen wollte. Als Tetzel am nächsten Tag weiterreiste, wurde er in der Nähe von Trebbin überfallen, und die Ablasslade mit den eingenommenen Geldern wurde ihm geraubt – von dem Mann, der sich schon von der Strafe Gottes freigekauft hatte.[5]

Görlitz

Ein Tetzelkasten soll auch die metallbeschlagene Lade in der Peter-und-Paulkirche in Görlitz sein.

Annaberg-Buchholz

Auch in der St. Annenkirche (vorher in der alten Sakristei) von Annaberg-Buchholz ist ein Tetzelkasten ausgestellt, in dem heute Spenden für die Erneuerung der Kirche und der Orgel gesammelt werden. Tetzel hat sich in Annaberg von 1502 bis 1504, 1508 und noch einmal von 1510 bis 1512 aufgehalten.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Tetzel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. In der Literatur sind beide Angaben zu finden.
  2. Birk Engmann: Eine Reise durch die Jahrhunderte: Die bauliche Entwicklung der Universität im Stadtzentrum. In: Vivat, Crescat, Floreat. Sonderedition der Leipziger Blätter zum 600. Gründungstag der Universität Leipzig. Passage, Leipzig 2009, ISBN 978-3-938543-53-5, S. 54–61.
  3. Carl Eduard Vehse: Die Weltgeschichte aus dem Standpunkte der Cultur und der nationalen Charakteristik. 2 Bände. Walther, Dresden 1842, Bd. 2, S. 56.
  4. Tetzel, Königslutter und der Tetzelstein. (PDF; 174 kB) Website Luther in Braunschweig, abgerufen am 21. August 2012.
  5. Der Stralauer Fischzug. Sagen, Geschichten und Bräuche aus dem alten Berlin. Neues Leben, Berlin 1987, ISBN 3-355-00326-3, S. 34 f.