Johannes Teutonicus Zemeke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johannes Teutonicus Zemeke (auch Zemeken, Semeca, Cemeca, Semeko; * 11?? in der Nähe von Halberstadt; † 25. April 1245 in Halberstadt) ist der Verfasser der „Glossa ordinaria“ zum „Decretum Gratiani“ und der Glosse zu den Konstitutionen des vierten Laterankonzils.

Leben[Bearbeiten]

Johannes Teutonicus Zemeke stammt vermutlich aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, weshalb seine Geburtsdaten nicht bekannt sind. Er studierte römisches und kanonisches Recht in Bologna bei Azo. Dort lehrte er bis 1220. Seinen Glossenapparat zum „Decretum Gratiani“ verfasste er ca. 1215-1217[1]. Ähnlich wie Accursius konnte er sich wesentlich auf Vorlagen stützen, besonders die „Glossa Palatina“ mit Glossen des Laurentius Hispanus. Der Apparat des Johannes wurde bald als „Glossa ordinaria“ anerkannt, ab etwa 1240 in der von Bartholomäus Brixiensis überarbeiteten Fassung, auf der auch die späteren Druckausgaben beruhen.

Noch vor oder gleichzeitig mit der Ausarbeitung der „Glossa ordinaria“ glossierte Johannes die Konstitutionen des vierten Laterankonzils. Außerdem erarbeitete er einen Apparat zur Compilatio IV. Eine Approbation lehnte Papst Innozenz III. ab. Daraufhin beendete Johannes Teutonicus Zemeke seine Lehrtätigkeit in Bologna. Von 1220 an hielt er sich wieder in Halberstadt auf, wurde 1223 Propst des Halberstädter Liebfrauenstiftes und 1235 Dekan des Domkapitels. Sechs Jahre später, 1241, wurde Johannes Teutonicus Zemeke Dompropst. Gleichzeitig war er wiederholt als Schiedsrichter und als päpstlich delegierter Richter sowie als Verfasser von Rechtsgutachten tätig.

Historische Genauigkeit[Bearbeiten]

Das Leben von Johannes Teutonicus Zemeke konnte nur fragmentarisch erfasst werden. Nach seinem Rückzug von der Lehrtätigkeit in Bologna tauchte in Halberstadt ein Johannes Zemeke auf. Die Literatur vermutet auf Grund ähnlicher Siegel in den Rechtsgutachten und der „Glossa ordinaria“ die Personenidentität. Die oben angeführten Daten basieren auf der gegenwärtigen Literatur.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. Weigand, The Development of the Glossa ordinaria to Gratian’s Decretum, in: W. Hartmann/K. Pennington (Hg.), The History of Medieval Canon Law in the Classical Period, 1140–1234 (2008), 55–97, 84

Literatur[Bearbeiten]